„Bergfest“ nennt es der Volksmund, „Mittwoch“ steht in unseren Kalendern und für 4.000 Menschen findet sich dort am heutigen Tage der gleiche Termin: alt-J im Palladium Köln – und ein Fest ist es wahrlich. Keins, auf dem man sich in Rage tanzt, auf welchem das Publikum zu einem großen Etwas verschmelzt. Es ist angenehmes Nebeneinander. „Aber ist das nicht langweilig?“ wird sich der ein oder andere Konzertfreund da fragen. Nein. Denn wer alt-J als langweilig betitelt, hat alt-J nicht verstanden.

Nachdem Marika Hackman, deren Stimme man bereits vom Song „Last Year“ kennt eröffnet mit beeindruckender Livemusik den Abend, die sich mit ihrer zarten Stimme zu einem gegensätzlichen, dabei wunderschönen Erlebnis verbindet. Es folgt eine Umbaupause, dann verdunkelt sich der Raum vollständig, bevor es grell zu leuchten beginnt. Ein Meer aus LED-Wänden und -streben verteilt sich über die Bühne, drei Bereiche kristallisieren sich aus der Aufstellung der LED-Stäbe heraus, in denen Keyboarder Gus, Sänger Joe und Schlagzeuger Thom ihren festen Platz finden.

Die Mercury Prize-Träger präsentieren sich und ihr im letzten Sommer erschienenes drittes Album „RELAXER“ (Review) auf einem ihrer raren Deutschlandauftritte atemberaubend. Schon ihr Debütalbum machte sie zum größten Kritikerliebling, ihr Stil ist umstritten, doch lässt man sich erst einmal auf die experimentelle Kunst der Studienfreunde aus Leeds ein, lernt man sie allzu schnell lieben und schätzen.

Die Mischung aus imposanten LED-Installationen, Joes außergewöhnlicher Stimme und der breiten, kristallklaren Musik, die das Trio scheinbar unbeschwert über die Bühne bringt, versetzt das Palladium beinahe in Trance.

Der Hauptfokus liegt hier ohne Zweifel auf der Musik. Allein Gus, nicht nur für Keyboard und Zweitstimme, sondern auch als Sprachrohr der Band tätig, findet lobende Worte für’s Kölner Publikum, bedankt sich, bringt sogar ein paar deutsche Worte hervor. Typische, hochfrequentierte Konzertphrasen wären völlig Fehl am Platz. Die Musik läd zur gemeinsamen Alltagsflucht ein, man schließt die Augen, findet Zeit, einmal durchzuatmen und genießt das musikalische Spektakel.

Dass alt-J keineswegs untanzbare Musik auf die Beine stellen, beweisen gleich zu Beginn „Deadcrush“ und „In Cold Blood„, später auch „Left Hand Free“ oder „Dissolve Me„, zu denen die 4.000 Gäste beflügelt umhertänzeln. Jeder Song wird mit Jubelausrufen begrüßt, während „Matilda“ lässt die Band ihre Fans ganz allein singen – die Gänsehaut macht sich um Raum schnell bemerkbar. Nach 20 Songs und dem krönenden „Breezeblocks„-Abschluss macht sich ein zufriedenes Lächeln über den Raum verteilt breit. Es wird noch einmal durchgeatmet, bevor die Masse mit leichterem Herzen in die kalte Winterluft hinaustritt.

Autor & Photocredit: Anna Fliege
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