Die Musterschüler der alten Hamburger Schule kehren nach drei Jahren auf die Plattenteller der Nation zurück. „Die Unendlichkeit“ heißt das das bereits zwölfte Album und mittlerweile 25 Jahren Bandgeschichte und was soll man sagen? Tocotronic lassen sich nicht kleinkriegen. Und geht es um Tocotronic, so möchte man ohne Umschweife in intellektuellen Phrasen baden und mit ihnen um sich werfen, so verzaubernd sind die lyrischen Genialitäten und Indie-E-Gitarren.

Entgegen des Trends, möglichst wenige Songs in ein Album zu verpacken, bleiben sich die Indie-Ikonen treu und schenken den Hörern gleich 16 Titel, die mal mehr, mal weniger lang daherkommen. Titelsong und Vorabsingle „Die Unendlichkeit“ dominiert den Einstieg, ist basslastig und beinahe bombastisch. Doch auch nachfolgende Songs können besonders durch starke Gitarren- & Bass-Soli glänzen. Sie sind mal schwerer („Ich würd’s dir sagen„) , mal tanzbarer und rotziger („Hey Du„).

Ein (persönlicher) Highlightsong: „Electric Guitar„. Eine musikalische, herrlich pathetische Coming Of Age-Story, die ihren Weg in die Indieklubs des Landes finden wird mit ihrem Dauerohrwurm-Chorus: „Ich zieh mir den Pulli vor dem Spiegel aus, Teenage Riot im Reihenhaus. Ich gebe dir alles und alles ist wahr, Electric Guitar. Ich erzähle dir alles und alles ist wahr, Electric Guitar!“

Wie humorvoll und experimentell Lowtzow und seine Kumpanen zwischendrin sein können und dürfen, beweisen Songs wie „Die Verdammten„, ein Song über die verschreibungsfreie Schmerztablette Ibuprofen – die Undercover-Punk-Attitüde steht den Hamburgern.

Nach einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte brauchen sich Tocotronic jedenfalls keine Sorgen machen, in einen 0815-Trott zu verfallen. Als größtes Vorbild der neuen Hamburger Schule-Bewegung enttäuschen sie ihre Fans und Jünger mit „Die Unendlichkeit“ nicht im geringsten.

Ist „Die Unendlichkeit“ nun ein Album für die Unendlichkeit? Wir dürfen gespannt sein!

Autorin: Anna Fliege

Photocredit: Michael Petersohn

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