Der FZW-Klub platzt um kurz nach 20 Uhr an diesem Sonntag aus allen Nähten – das Dortmunder Konzert ist, wie die meisten Konzerte der „Nocturnal“-Tour, ausverkauft. RAZZ sind in dieser Stadt keine unbekannten Gesichter mehr, spielten sie doch letzten Sommer bei den Ruhrgames oder Ende des Jahres als Support von Mando Diao in der neuen Phoenixhalle. Doch heute ist es ihre ganz eigene Klubshow, ihr Abend.

RAZZ – das sind Niklas, Lukas, Steffen & Christian – sind Anfang 20, kommen aus dem Emsland und veröffentlichten letzten Herbst ihr zweites Album „Nocturnal“. Sie erinnern hier ein bisschen an die älteren Two Door Cinema Club, dort an die neueren Foals und suchen in Deutschland gerade vergebens nach vergleichbarer Konkurrenz. Ihren Indierock als tanzbar zu etikettieren ist fast lachhaft, hat man doch gar keine andere Wahl als zu tanzen, so ansteckend ist das Ganze.

Der Raum verdunkelt sich, die vier Musiker betreten die Bühne. Danach folgen Energie und Selbstsicherheit ab dem ersten Ton. Mit „Could Sleep“ beginnt das Konzert gleich kraftvoll, spätestens im ersten Refrain kann das Publikum die Füße nicht mehr stillhalten, der Ohrwurm vom neuen Album funktioniert als Opener einwandfrei. Zwischen die neuen Songs mischen sich grandiose Nummern des Debütalbums „With Your Hands We’ll Conquer„, welches 2015 die Karriere der jungen Band ins Rollen brachte. Immer präsent dabei: die außerordentliche Stimme von Niklas Keiser. Tief, kraftstrotzend, rau ist sie und müsste man sie vergleichen, käme Editors-Frontmann Tom Smith wohl am ehesten in Frage.

Die Klub tanzt, der Klub schwitzt, der Klub tobt. Die freudigen Gesichter auf der Bühne gehen einher mit den freudigen Gesichtern vor der Bühne, es ist ein Sonntagabend, wie er immer sein sollte, an den nahenden Montag denkt hier gerade noch niemand.

Der nächste Song ist unsere aktuelle Single. Singt mit, wenn ihr wollt“ verkündet Sänger Niklas. „Another Heart/Another Mind“, ein vergleichsweise ruhiger, schwerer Song und dazu mein persönlicher Favorit, die Freude ist groß. Nach einem guten Drittel des Liedes steigert sich diese Freude noch einmal um ein Vielfaches, als eine weitere Person die Bühne betritt. So zurückhaltend der Gast auch scheinen mag, so groß schlägt die Gänsehaut Wellen, als er zu singen beginnt. Fred, Sänger der Giant Rooks und Featuregast des Songs hat es sich nicht nehmen lassen, den heutigen Abend noch besonderer zu machen.

Vor der Bühne bildet sich schon zu Beginn des Konzertes rasch ein Pulk aus tanzenden Menschen, die voller Elan und Freude zu den Indie-Klängen umherhüpfen. Doch damit nicht genug. Auf seinem eigenen Konzert einen Moshpit eröffnen? Definitiv! Gitarrist Christian verlässt irgendwann die Bühne, um sich inmitten der zahlreich erschienenen Fans Platz zu verschaffen – nur, um bei Einsetzen der Musik mit der Menge zu einem euphorischen Mob zu verschmelzen. Dafür erntet er ganz sicher nicht nur meine Sympathie!

Ein Händchen haben RAZZ des Weiteren für die Wahl ihres Supports: YUKNO (mit stummen k) eröffnen den Abend mit einer beeindruckenden Mischung aus deutschem Pop und Elektro-Elementen und was das Dreiergespann dort musikalisch auf der Bühne zusammenzimmert, ist der Wahnsinn. Zum Glück erscheint deren Debütalbum bereits am 02.Februar!

Irgendwann fällt das böse L-Wort. Das Publikum reagiert beinahe niedergeschlagen, als Niklas „das ist jetzt wirklich unser letzter Song“ verkündet. Ein kleiner Trost: „Youth & Enjoyment“ ist eine sensationelle Nummer. Der Raum verwandelt sich in einen springenden Chor, hier kennt jeder die Textzeilen, die letzten Kräfte des Wochenendes werden noch einmal gesammelt, der Moment genossen. Danach verlassen beide Parteien, Band wie Fans, mit breitem Lächeln den Raum. Was ein Abend!

Autorin: Anna

Photocredit: Nina Paul

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