Lange grüne Haare, ein sympathisches Auftreten, eine beedinruckende Stimme: das ist Au/Ra. Gerade  einmal 15 Jahre alt und auf einer kleinen karibischen Insel aufgewachsen erobert die junge Künstlerin nun die große weite Welt mit ihrer unverwechselbaren Musik. Ihre Mini-EP „Outsiders“ ist der Beginn einer aufregenden Reise, der Song „Concrete Jungle“ verzeichnet bereits jetzt 8-stellige Streaming-Klicks bei Spotify,

Im Rahmen ihrer Promoreise habe ich Au/Ra an einem sonnigen Tag im Kölner MediaPark getroffen und mit ihr über musikalische Einflüsse, Träume und Pläne gesprochen.


Wie erlebst du diese Promotage? Von Stadt zu Stadt reisen, mit vielen Menschen über deine Musik reden?
Au/Ra: Das kann schon manchmal anstrengend sein, aber es macht immer Spaß mit Leuten über Musik zu sprechen, deswegen ist es im Endeffekt schon echt okay.

Und es wird auch nicht langweilig, wenn du zum 10.Mal das Gleiche erzählen musst?
Au/Ra: Manchmal schon, aber ich glaube jedes Interview ist immer anders, deswegen ist das schon okay.

Du bist gerade einmal 15, deine internationale Karriere startet grad voll durch. Wirst du da öfter Mal mit so Künstlerinnen wie Lorde verglichen?
Au/Ra: Schön öfters, gerade in den letzten Tagen haben mir viele Leute gesagt, dass ich sie an Lorde erinnere. Ich weiß nicht, wahrscheinlich ist es auch ein bisschen wegen der Musik, aber auch wegen des Alters, weil sie auch sehr jung war, als sie angefangen hat. Ich lieb’ sie, sie ist ein richtig cooler Artist, aber ich würde mich selbst nicht wirklich mit ihr vergleichen. Ich kann aber sehen warum mich andere Leute mit ihr vergleichen.

Nervt es dich auch manchmal, wenn die Leute dich so auf dein Alter ansprechen und das immer wieder betonen, dass du erst 15 bist?
Au/Ra: Am Anfang wollte ich mein Alter bei den ersten zwei Releases nicht sagen, weil ich wollte, dass Leute meine Musik hören ohne zu wissen, wie alt ich bin. Ich glaube manchmal beeinflusst es die Leute, die die Musik hören, wenn sie wissen, dass ein Mensch jünger ist. Deswegen wollte ich, dass man die Musik mit „fresh ears“ hört ohne viel zu wissen. Aber ich glaube jetzt war die die richtige Zeit, um es zu sagen. Ich bin so alt wie ich alt bin, ich bin nun mal 15 und das kann man auch nicht wirklich so verstecken.

Woher kam die Inspiration für deine Songs und deine Musik? Hast du musikalische Vorbilder?
Au/Ra: Ja ein paar. Ich bin mit der Musik meines Vaters aufgewachsen, der ist Musiker und meine Mama auch, deswegen habe ich sehr früh viel elektronische Musik gehört, er ist ein Techno-Elektro-DJ. Ich hab sehr viel von dieser Art von Musik gehört und glaube, dass es auch meine Musik inspiriert hat, weil ich immer noch elektronische Beats drin habe. Aber ich habe auch meine eigene Musik gefunden. Ich liebe Artists wie Lana del Rey, Hozier, Grimes und The Neighbourhood. Die inspirieren mich sehr, viele davon textlich. Ich hole mir aber auch viele Inspirationen aus Geschichten. Ich mag es, Lieder als Geschichten zu sehen und Dinge auf einem anderen Weg erzählen zu können.

Wie passend zur nächsten Frage, und zwar: wie schreibst du deine Songtexte? Hast du Rituale oder schreibst du einfach auf, was dir in den Sinn kommt und bastelst daraus irgendwann einen Song?
Au/Ra: Das passiert jedes Mal auf einem anderen Weg. Meistens habe ich immer ein Wort, dass ich sehr doll mag und dann versuche ich, irgendein Gefühl oder eine Erinnerung mit diesem Wort zu verbinden, so bekomme ich die Inspiration aus einer Situation. Diese Worte finde ich in Büchern, TV-Serien oder einer Anime-Serie die ich gerade schaue. All das kann meine Songs inspirieren kombiniert mit meinen Erlebnissen.

Du hast es ja grad schon selbst erwähnt, dass deine Eltern selbst in der Musikindustrie arbeiten. War da der Wunsch, deine eigene Musik zu produzieren, schon immer präsent?
Au/Ra: Meine Eltern haben mich definitiv inspiriert! Ohne sie hätte ich es wahrscheinlich nicht so einfach gefunden und gewusst, was ich machen möchte – sie haben mich doch stark beeinflusst mit allem. Ich nehme ganz viele Ratschläge von meinen Eltern mit aus der Musikindustrie. Ich wollte es immer machen und habe es immer geliebt zu singen. Weil ich immer gesehen habe, wie meine Eltern Musik gemacht haben, hatte ich vielleicht auch selbst diese Einstellung, was voll schön ist. Mein Vater wollte zum Beispiel gar nicht, dass ich in die Musikindustrie gehe, der wollte, dass ich Anwältin oder irgendeine Doktorin werde, er meinte immer „mach so einen Job, geh nicht in die Musik, das ist zu schwierig!“. Es ist wirklich hart, dort etwas zu schaffen, das weiß ich auch, aber ich bin immer noch „dumm“ und mach es immer noch (lacht). Es funktioniert ja auch, zum Glück.

Die Akustikversion von „Concrete Jungle“ hat über 17 Millionen Streams auf Spotify, sind dir solche Zahlen wichtig oder guckst du da gar nicht drauf? 
Au/Ra: Ich gucke da schon drauf, muss ich sagen. Als wir das erste Lied released haben und die ersten Akustik-Versionen, und auch bei jedem anderen Release, guck ich schon immer bei Spotify nach den Zahlen. Ich mag das einfach zu sehen, wann Leute Lieder anhören und auf welche Playlist die das packen, das finde ich interessant. Jedem Künstler ist es wichtig, dass die Leute die Lieder anhören auf Streaming-Services. Es ist schon auf diesem Wege wichtig, nicht weil ich mich „famous“ fühle. Ich möchte sehen, wer meine Musik hört, das finde ich interessant.

Hast du andere musikalische Ziele, die du anstrebst? In einer bestimmten Location oder mal mit einem bestimmten Künstler zusammenarbeiten?
Au/Ra: Ich würde so gerne mal ein Feature mit The Neighbourhood machen, ich liebe die so doll – deswegen, das wäre cool, aber das ist eher ein Traum. Ich weiß nicht, ob das wirklich passieren könnte, wer weiß! Ich möchte unbedingt mal in Japan ein Konzert spielen, ich liebe die Kultur dort und Asien überhaupt, ganz faszinierend. Und ich bin ja in Antigua geboren, deshalb würde ich gerne mal eine richtige Show in der Karibik machen auf ein paar Inseln.

Was war denn der aufregendste Moment deiner bisherigen Karriere?
Au/Ra: Wahrscheinlich vor größeren Crowds zu spielen. Es sind mehrere Sachen, alles „baby steps“. Ich habe vor ein paar Tagen mein zweites Musikvideo gedreht, das nächsten Monat erscheint. Da freue ich mich schon ganz besonders drauf, und das war richtig cool. Ich konnte richtig kreativ sein und ich war dabei sehr einbezogen, das hat sehr viel Spaß gemacht. Bei Festivals zu spielen macht immer viel Spaß und von Chancen auf mögliche Kollaborationen zu hören, die vielleicht in der Zukunft passieren werden.

Bei so größeren Konzerten, was hilft dir gegen Lampenfieber?
Au/Ra: Ich hatte schon als Kind Probleme, auf die Bühne zu gehen, da ich sehr großes Lampenfieber bekommen habe. Aber so langsam komme ich darüber hinweg. Ich glaube, du musst es einfach machen. Es gibt keine Ausreden, du gehst einfach auf die Bühne, versuchst es und hast Spaß. Du vergisst alles und fokussierst dich auf den Moment. Wenn du anfängst, über all die Dinge nachzudenken, die schiefgehen könnten, ist es ein niemals enden wollendes „rabbit hole“ und du lenkst dich zu sehr ab. Ich versuche, mich so gut wie möglich zu konzentrieren, trinke Wasser, mache meine Aufwärmübungen und gehe auf die Bühne, sehr casual (lacht).

Worauf dürfen wir uns denn 2018 von dir freuen? Du hast ja eben von deinem neuen Musikvideo gesprochen.
Au/Ra: Genau, neues Musikvideo, ganz viel neue Musik und Touren. Ich bin Support-Act für Lewis Capaldi auf seiner Februar-Tour, das ist ziemlich aufregend.

Letzte Frage: Was ist gerade dein Lieblingslied? Was läuft grad bei dir hoch und runter?
Au/Ra: Also grad im Moment, ich erwähne diese Band die ganze Zeit, aber: The Neighbourhood – Scary Love!

Au/Ra als Support für Lewis Capaldi:

22.Februar – Berlin, Privatclub

23.Februar – Hamburg, Indra

Autorin & Photocredit: Anna Fliege

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