Auf dem Zettel der spannendsten Newcomer des Jahres stehen dieses Jahr ganz oben vier Buchstaben: KLAN. Doch wer sind KLAN? Die Brüder Michael und Stefan, die über einige Umwege zu richtig guter Popmusik gefunden haben, die weder eintönig noch oberflächlich ist. Dies bewiesen sie bereits mit ihrer Debütsingle „Lang lebe die Liebe“ und führten es kürzlich mit der Veröffentlichung der Doppelsingle „Tropfen“ / „Keine Zeit“ weiter. In der letzten Woche begaben sich die erste Headliner-Tour und kündigten ganz nebenher ihr jetzt schon langersehntes Debütalbum „Wann hast du Zeit?“ für den 12.Oktober 2018 an. Produziert wurde das Ganze von Tim Tautorat, der in der Vergangenheit bereits namenhafte Bands in seine Obhut nahm.

Wir durften Stefan und Michael ein paar Löcher in den Bauch fragen: 


Na, wie läuft’s im Studio?

Wir bauen uns gerade eins! Bisher haben wir auf 8qm in Michaels Wohnung geschrieben und produziert, jetzt haben wir einen großen Raum, den wir gerade renovieren und einrichten. Dort werden wir dann an Songs fürs zweite Album schreiben, das erste ist bereits im Kasten.

Wie ist es, mit dem Produzenten Tim Tautorat zusammenzuarbeiten, der bereits bei Faber, AnnenMayKantereit und The Kooks seine Finger im Spiel hatte? Hat er wertvolle Tipps für euch parat?

Mit neuen Leuten zusammenzuarbeiten ist immer spannend, weil man sieht: es gibt keinen Goldstandard, jeder produziert auf seine Art und Weise. Tim ist ein sehr musikalischer Produzent, der nichts aufbauscht oder überproduziert. Er hat ein tolles Gefühl für die Räumlichkeit, Echtheit und Wärme einer Aufnahme. Und es ist inspirierend, ihm beim engineeren zuzuschauen. Gleichzeitig haben wir auf Augenhöhe gearbeitet und viel selbst eingebracht.

Glaubt ihr, dass es einfacher oder schwieriger ist, mit dem eigenen Bruder zusammen zu arbeiten?

Mal so, mal so. Wir haben ne große gemeinsame Grundlage und antizipieren die Gedanken des anderen oft mit. Da muss man nicht viel verhandeln. Wenn wir uns aber streiten, dann mit harten Bandagen, wie das bei Geschwistern halt so ist. Und es kann besonders weh tun, wenn ein Mensch, der einem so nah ist, einen nicht versteht oder eine konträre Position vertritt. In unseren Streits geht es viel um inhaltliche Fragen – und da ist es im Sinne eines gesunden künstlerischen Diskurses gut, wenn wir nicht immer einer Meinung sind. So kann man auch mit einem Menschen, den man schon so lang kennt, weiter lernen.

Ihr seid gerade auf eurer ersten eigenen Headline-Tour: Was für Unterschiede gibt es im Vergleich zu einer Supporttour? Dürft ihr als Erste ans Buffet?

Wir müssen viel früher an der Venue sein, weil wir zuerst Soundcheck haben. Wir müssen also früher aufstehen als der Support. Und die Leute kommen für uns – das ist ein größerer Erwartungsdruck, aber auch voll geil. Und wir sind das erste Mal zu viert auf der Bühne, was Riesenspaß macht.

„Die Liebe ist tot, lang lebe die Liebe“ singt ihr. Glaubt ihr selbst noch an die Liebe inmitten von „Swipe left“-Apps und dem Generation Beziehungsunfähig-Titel, mit dem sich ein Großteil unserer Generation schmückt?

Die Liebe ist immer da und wird nie verschwinden, darum geht’s auch in dem Song. Aber sie verändert sich und es wäre dumm, ewig romantischen Idealen hinterherzuhängen, während es sich eigentlich verändert, wie wir lieben.

Eigentlich hatten sich eure Wege, zumindest die beruflichen, zeitweise getrennt: wie kam es dazu, dass ihr trotzdem heute zusammen Musik macht?

Wir haben vorher schon länger zusammen musiziert. In der Schule haben wir mit Straßenmusik unser Taschengeld verdient und dann hatten wir zwischendrin noch ein Projekt mit unserer Schwester. Das haben wir vor einiger Zeit beendet und dann haben Stefan und ich ganz locker angefangen, Songs zu schreiben. Das ist dann irgendwie immer intensiver geworden.

Verratet ihr uns die Bedeutung eures Namens?

Wir sind ein Klan. Das prägt unsere Beziehung und unsere Musik.

Auf das Genre eurer Musik konntet ihr euch schnell einigen?

Tatsächlich überhaupt nicht. Wir sind einige Wege gegangen um zu finden, was wir machen wollen. Unsere Musik integriert ja auch jetzt noch unterschiedliche Genreeinflüsse – da ist der Soul, der in uns steckt, das Pfarrhaus und der Hang zu sakralen Stimmungen, TripHop, Techno. Im Pop haben wir das Gefühl, unsere vielseitigen musikalischen Interessen destillieren zu können.

Glaubt ihr, dass eine Stadt wie Berlin jungen Künstlern hilft, ihr Ding zu machen? Wie habt ihr das Hauptstadtleben in Bezug auf eure Karriere erlebt?

Bereichernd! Micha lebt schon länger da, aber seit wir zusammen in Berlin arbeiten, sind viele gute Dinge ins Rollen gekommen!

Worauf dürfen sich eure Fans und die, die es bald werden, bei eurem Debütalbum freuen?

Auf ehrliche Songs und auf deutschsprachige Popmusik, die man sich sogar anhören kann. 🙂



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dorothea Dittrich

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