Im Dezember 2016 teilte sie sich mit ihren männlichen Rapper-Kollegen, darunter etwa LGoony, Nimo und Rin, das Cover der JUICE – Deutschlands bekanntestem HipHop-Magazin. Ebenfalls auf diesem Cover prankten die Worte „Deutschraps Zukunft“. Genau zwölf Monate später, auf der Ausgabe #184, braucht sich Haiyti den Platz auf der Frontpage nicht mehr teilen, sie ist nicht mehr Deutschraps Zukunft, nein: sie ist Deutschraps Gegenwart.

Deutschrap ist reine Männersache? Vergiss es! Sprächen wir über Popmusik, könnte man sie als Shootingstar der letzten 24 Monate beschreiben – tun wir aber nicht. Haiyti ist vielmehr eine Rebellin in den Gefilden der testosteron-überschwemmten Szene, das beweist sie einmal mehr mit ihrem Debütalbum „Montenegro Zero„.

Ausverkaufte Tour, Auftritte bei Festivals wie Rock am Ring & Rock im Park, ein Majorlabel-Vertrag – die kleinen schwitzigen Klubs der Stadt sind im letzten Jahr längst zu klein geworden für diese Frau. Ein guter Grund, 2018 gleich mit einem großen Release zu beginnen. Und geht es um die Produzentenfrage, dürfte man sich um den Erfolg von „Montenegro Zero“ nicht allzu viele Sorgen machen, immerhin verbuchte das KitschKrieg-Kollektiv zuletzt Wahnsinnserfolge mit Trettmann oder Bonez MC & RAF Camora.

Sie ist ein Kind der Straße, aufgewachsen abseits der florierenden Stadtteile Hamburgs. Heute studiert sie Kunst, trennt dies aber klar von ihrem Musikprojekt, von ihrer Kunstfigur Haiyti, ihrem DIY-Produkt. In der neuen Epoche des Deutschraps geht es sowieso weniger um Herkunft, man profiliert sich nicht mehr mit Städten wie Hamburg, Berlin oder Stuttgart, wichtig ist das Hier & Jetzt. Musikalisch steckt man sie am schnellsten in die Trap- & Cloudrap-Schublade, eine Richtung, die in Amerika schon lange die Charts beherrscht und auch in Deutschland immer mehr Musikalltag wird. Haiyti selbst nennt es gern „Gangsta-Pop“, sowieso spürt man ihren eigenen Vibe, der just in diesem Moment seines Gleichen sucht.

Auf ihrem Album gibt sie sich selbstbewusst und unabhängig, ist dabei herrlich überheblich und doch mitten aus dem Leben. Es ist die Mischung aus „100.000 Fans„, „Gold“ und „Haubi„, eine Selbstherrlichkeit, die auf Gefühle und dem manchmal gar nicht so glamourösen Alltag trifft. Mal sind es feierbare Beats, dann wieder die Gelassenheit in „American Dream“ –  Haiyti  kann’s.

Weitere Besonderheit für Haiytis „großes Debüt“? Das Fehlen von Features. Paradox mag es scheinen, wurde die junge Rapperin doch in den vergangenen Jahren von Szenegrößen wie Trettmann, Haftbefehl oder YSL Know Plug (Moneyboy) für Features gewonnen. Jetzt allerdings will sie sich auf sich konzentrieren, „Montenegro Zero“ bietet keinen Raum für namenhafte Features und das benötigt es auch gar nicht – es steht auf eigenen, starken Beinen.

Autorin: Anna

Photocredit: Tim Bruening

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.