Die Berliner Punk-Ikonen Beatsteaks haben auf Ihrer „Yours“-Tour gestern am 14.04. in den Dortmunder Westfalenhallen mal wieder dem Ruhrpott alle Ehre erwiesen. Da war einfach alles dabei, von entspanntem Funk zu ordentlichem Pogo-Tanzen bis hin zu Hinsetzen, Rudern, alles. Beatsteaks-Konzerte bedeuten für Fans in erster Linie Riesenspaß und gleichermaßen Ausdauersport. Für mich als langjährigen Riesenfan hieß das, sich trotz Presseticket in den Innenraum zu mogeln, um auch wirklich alles mitzubekommen!

Aufheizen sollten das Ganze zunächst die (zugezogenen) Berliner, die ostdeutschen Plattenbaukinder, die frechen, exzentrischen, linken Deutschrap-Bengel von Zugezogen Maskulin. Auch wenn sowohl die politische Einstellung als auch der Lifestyle von den Beatsteaks und Zugezogen Maskulin sich erheblich ähneln, sind hier zwei Welten aufeinander getroffen. Punk hat versucht mit Rap zu kuscheln, und Rap hat wirklich alles gegeben! Die Jungs haben sich von der mäßigen Resonanz im Beatsteaks-Publikum nicht bremsen lassen, obwohl Ankündigungen wie Testos: „Der nächste Song ist über meine Heimatstadt, ich komme aus Bietigheim-Bissingen“ offensichtlich nur mich sehr laut auflachen ließen und bei den Punk-Jochens gar nicht ankamen, verständlich. Kein Verständnis habe ich allerdings für die Punk-Jochens, die jungen Vorbands Dinge wie „Halt endlich dein Maul!“ zurufen. Ich prangere das an, auf Konzerten ist man doch um maximalen Spaß zu haben: Schaut mal über den Tellerrand, da warten schöne Dinge!

Als schließlich die Beatsteaks auf der Bühne standen, sind alle Stricke gerissen. Beatsteaks-Konzerte sind auch Konzerte, bei denen man nach dem ersten Song seine Freunde für den Rest des Abends verliert, weil die ganze Halle auseinandergepogt wird. Auch diese Erwartung wurde an diesem Abend nicht enttäuscht. Nach dem zweiten Song hat Leadsänger Arnim ein kollektives Handyverbot ausgesprochen und einen langen Abend sowie eine Zeitreise durch 20 Jahre Bandgeschichte angekündigt. So sollte es auch kommen.

Die Beatsteaks schaffen es jedes Mal aufs Neue, eine familiäre Atmosphäre in noch so großen Hallen zu erzeugen. Spätestens als zu „Cheap Comments“ der erste Fan auf die Bühne und ordentlich ins Mikrofon screamen durfte, herrschte Jugendheim-Flair in einer 20.000er-Halle. Respekt dafür. Die Reise quer durch die Bandgeschichte der Beatsteaks war wunderschön, gut ausgewählt, unbeschwert und extrem Hit-lastig. Man schaute sich um und hat in tausende glückliche Gesichter geschaut. Seinen krönenden Abschluss fand dieser 2,5 (!) stündige Auftritt schließlich in 2 energiegeladenen Zugaben mit den Ehrengästen Deichkind. Da hat Rap dann endlich auch für das Beatsteaks-Publikum funktioniert – mit einer unfassbaren Ausdauer haben sowohl Bands, als auch Fans noch einmal alles abgefeiert.

Um es abschließend noch einmal mit den Beatsteaks zu halten „I don’t care as long as you sing“ – und während Arnim singt, caret wirklich niemand über irgendetwas. Es war mir ein inneres Blumenpflücken.



„Yours“-Tour 2018:
16.04.18 – Hamburg // Sporthalle Hamburg

06.06.18 – Wien // Arena Wien Open Air

09.06.18 – Berlin // Waldbühne


Autorin: Lamia Amhaouach / Photocredit: Nina Paul

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