Yesterday Was Forever – treffender könnte kein Titel für ein Album von Kate Nash sein. Offen für eigene Interpretationen, mit einem subtilen Augenzwinkern und doch ebenso vollendet. Ganz Kate Nash halt.

Schon zu Zeiten von ‚Made of Bricks‘ war ich ein großer Kate-Nash Fan und habe stets diese selbstbewusste Frau bewundert, die mit Worten spielt und sich mit Musik ausdrückt. Ein bisschen chaotisch und irgendwie authentisch holte sie mich mit ihren Songs ab. So auch mit den Titeln des aktuellen Albums.

„I’m not like the other girls“

Stets gefühlt eine Sekunde versetzt zum Rhythmus bewegen sich die Lyrics und sind das typische Markenzeichen von Kate Nash. Lange Sätze, Sprechgesang und gezielte Intonation machen den Stil so eigen.

Direkt zu Beginn des neuen Albums, bekommen wir mit ‚Life in Pink‘ einen überaus typischen Song geboten, der K-A-T-E N-A-S-H in großen Lettern schreit. Selbstironisch, mit einer Portion 90er Girl-Trash ist es der perfekte Opener.

Kate Nash ist wie die große Schwester oder die beste Freundin, die immer ein offenes Ohr hat, die versteht was Sache ist und am Ende einen Song über dich schreibt. Wie Adele, nur nicht so theatralisch und mit weniger Beziehungsdrama.

„You can call me, baby when you feel like that“

Dass das letzte Album schon ganze fünf Jahre zurück liegt, macht es dem Hörer noch leichter, das neue Werk zu lieben als ohnehin schon. Der Stil ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache und geprägt von Twists und musikalischer Spielerei doch eben das macht es so liebenswert und besonders.

Yesterday Was Forever‘ knüpft dabei wunderbar an ‚Girl Talk‘ an und erzählt Geschichten in einer charmant inszenierten Retrospektive. Wir finden uns auf einer Reise wieder, die in nur 14 Tracks durch verschiedene Lebensabschnitte führt und von Liebe, Trauer, Entwicklung und Veränderung erzählt. Dabei hat Kate Nash mit ihren 30-Jahren das ideale Alter um mich vor meiner (noch) nicht vorhandenen Midlife-Crisis zu bewahren.

„You think it’s funny keeping me wanting
And that’s why…(I really fucking hate you)“

Beim Anhören des Albums möchte man sich eine Flasche Wein aufmachen, auf seine eigenen Fehler zurückschauen und den Rebellen in sich wecken, den auch Kate Nash beim Schreiben gefunden hat. Karma und Lebensweisheiten die man eigentlich gar nicht hören möchte, weil sie „doch so wahr“ sind, stehen im ständigen Gegensatz und machen die Titel so unsagbar ehrlich, als würde man aus einem Tagebuch vorlesen.

Ein Album für verregnete Sommertage, aber auch für lange Autofahrten. Songs wie „Always Shining“ zeigen die eigene Verwundbarkeit und die Tiefgründigkeit die Kate Nash in Ihren Texten verarbeitet. Nur wenige Sekunden später, findet man sich selbst in einem Wechselbad der Gefühl, mit der zweiten Flasche Wein und über alte (abgeschlossene) Geschichten lachend in einem Haufen zerrissener Fotos wieder. So, oder so ähnlich könnte man die Achterbahnfahrt beschreiben, die man während eines Kate Nash Albums erlebt.

„Never good enough for you and I
But the possibility keeps us alive“

Eine große Empfehlung für alle Kate Nash Fans, für alle Lebenskünstler und für diejenigen die sich nicht zu schade sind, auch mal über sich selbst zu lachen.

Reinhören lohnt sich!




Autor:
Dominik Hunter Foto: Kate Nash Facebook

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