Manchmal geschehen Dinge, wenn man gar nicht mehr damit rechnet. Doch als Kraftklub-Frontmann Felix Brummer vor wenigen Tagen seinen kompletten Instagram-Feed löschte und geheimnisvoll wurde, war klar: Es ist soweit. Unter dem Namen KUMMER rappt der Chemnitzer nun auf voller Länge. Und sein Song „9010“ ist nur der Anfang – hoffentlich. 


Kummer, das ist Felix eigentlicher Nachname. Als Sohn von Ina Kummer und Jan Kummer, den Mitbegründern der DDR-Elektropop-Band AG. Geige, wollte er sich zu Beginn seiner eigenen Musikkarriere vom Erfolg seiner Eltern loslösen. Nun also back to the basics – auf so vielen Ebenen.

Seine Band Kraftklub, K.I.Z betitelten es in einem liebevollen Disstrack einmal sehr passend, ist eine Indie-Band mit Rap. Und Felix der Backgroundtänzer im Vordergrund, der über die Arctic Monkeys-esquen Gitarrenriffs rappt. Dort geht es meistens um Politik und Gefühle, ein Erfolgsrezept für die Chemnitzer Band, die 2011 mit „Ich will nicht nach Berlin“ die Republik eroberten und heute zu den größten und erfolgreichsten Bands des Landes gehören. Die Toten Hosen und Ärzte einer neuen Generation.

Bevor sich Kraftklub Ende 2009 gründeten, traten die Schulfreunde noch als Neon Blocks (Till, Steffen, Max und Karl ) und Felix als Bernd Bass gemeinsam beim splash! Festival auf. „Mit Handtuch und Kapuze“ hieß das 2008er-Album, dass die Chemnitzer Rap-Kombo Bernd Bass und Linus der Profi veröffentlichten. Als Bass Boy führte Felix seine Solo-Rap-Karriere noch einige Monate fort, bevor Kraftklub schließlich komplett durch die Decke gingen.

Der mittlerweile 29-Jährige bescherte uns in den vergangen Jahren immer wieder kleine, aber verdammt geile Beweise dafür, dass er das Handwerk beherrscht. Als Felix Brummer fand man ihn auf Tracks von Fettes Brot, Alligatoah, MC Fitti und Kettcar, als Carsten Chemnitz arbeitete er mit seinem ehemaligen Nachbarn Trettmann, Zugezogen Maskulin und Nura sowie den Drunken Masters zusammen. Selbst der eigentliche Spaßsong „500K„, den Kraftklub zur Zelebrierung von 500.000 Facebook-Likes veröffentlichte, wurde zum Hit und Dauerbrenner auf jedem Konzert und Festivalauftritt.

Felix und fette Hip Hop-Beats? Das gehört einfach zusammen. Der Mit-Initiator des Kosmonaut Festivals, das in der nächsten Woche am Stausee Rabenstein zum 7. Mal stattfindet, beschäftigt sich auf „9010“ natürlich wie so oft mit seiner Heimat.
9010, die alte Postleitzahl von Karl-Marx-Stadt, wie Chemnitz zu DDR-Zeiten hieß. Der Song erzählt von der Stadt, von vergangenen Zeiten und dem Zerfall von Mensch und Stadt. Der von BLVTH produzierte Track klingt nachdenklich, das Video zeigt Aufstände, das Leben und schließlich die Zelebrierung des Endes der DDR. Was so bedrückend erscheint, bleibt im Kopf hängen.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Felix Brummer