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ALL EYES ON: Shelter Boy

ALL EYES ON: Shelter Boy

Die Tage vor dem Fenster, das lange keinen Glasreiniger mehr gesehen hat, werden grauer, regnerischer, kürzer. Mit letzter Kraft klammert man sich an die langsam ineinander verschwimmenden Sommermomente, während neben dem Laptop bereits die erste angebrochene Lebkuchenpackung steht. „Let Em Go“, die neue Single von Shelter Boy, dient als musikalische, wärmende Übergangsjacke.


Ein Artikel von Anna FliegeShelter Boy kommt aus Dresden, in seinem Ausweis steht der Name Simon Graupner und die letzten Zahlen seines Geburtstjahres verraten, dass er Anfang 20 ist. Doch ihn an Newcomer zu bezeichnen oder nachzuhaken, wie dieses ach so neue Musikbizz für ihn ist, darf man sich sparen. Mit der Indie-Kombi Still Trees liegen bereits 9 Jahre Bandgeschichte hinter Simon.

Nun aber wird es Zeit für ein Soloprojekt, Zeit für Shelter Boy. Zum ersten Mal tauchte der Name vor fast genau einem Jahr auf meinem Bildschirm auf, als er den Song „Half Asleep“ veröffentlichte. Im Mai diesen Jahres folgte die dazugehörige EP „Mirage Morning„, Festivalauftritte, eine Klubtour und diverse Supportslots.

Der Sound von Shelter Boy trifft ins Schwarze. Es ist ein wenig wie Tame Impala, ein bisschen Mac DeMarco-Spirit, die unüberhörbare Nähe zu King Krule und der Coming of Age-Charakter, der immer unweigerlich mitschwingt. Dynamischer als Bedroom Pop, frischer als Slacker Rock, irgendwie das Beste aus beiden Extremen.


„And you’re not aware of my emotions, let em go, slow…“


Die neue Single „Let Em Go“ führt den Shelter Boy-Vibe attraktiv fort. Im zugehörigen Musikvideo verlassen wir das kühle Ostdeutschland, tauschen Dresden gegen Los Angeles. Dort steht Simon meist auf dem Skateboard, festgehalten in einer durch den Videostil geprägten Nostalgie der späten Neunziger und frühen 2000er, an die sich unsere Generation eigentlich nur schemenhaft erinnern kann.

Die von Philipp Gladsome – Genie hinter der Linse und als Hausfotograf von Kraftklub oder Robin Schulz dem ein oder anderen sicherlich ein Name – festgehaltenen Szenen in L.A. lassen in mir die Lust aufsteigen, meine alte PlayStation anzuwerfen und ein paar Runden in „Tony Hawk’s American Wasteland“ zu drehen.

Musik, die zu verregneten Herbsttagen mit Videospielen ebenso passt wie sonnigen West Coast-Stunden und dem Warten auf den nächsten Sommer.

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Und wer später mal sagen will: „Ich hab Shelter Boy gesehen, da hat der noch in den ganz kleinen Klubs der großen Städte gespielt„, sollte sich die im Januar startende erste Headlinetour mit seiner liebevoll betitelten Shelly Family im Kalender vermerken. Dann wird „LET EM GOOO-HOOOO“ gemeinsam mitgegröhlt.



SHELTER BOY live

29.01.2020: Chemnitz – Atomino
30.01.2020: Berlin – Berghain Kantine
31.01.2020: Bremen – Lagerhaus
01.02.2020: Hamburg – Hebebühne
03.02.2020: Köln – Helios37
04.02.2020: Heidelberg – Karlstorbahnhof
05.02.2020: München – Zehner
06.02.2020: Nürnberg – Club Stereo
07.02.2020: Leipzig – Naumanns
09.02.2020: Dresden – Groove Station
13.02.2020: Hannover – Lux
14.02.2020: Erfurt – Engelsburg


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Philipp Gladsome

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