Innerhalb der ersten 30 Sekunden des Albums wird schnell klar, wohin die Reise mit „Harry Hard-On“ führen wird. Ein bedrohlich wummernder Bass, eine gefährliche Kunstpause und dann Allan Raymans Stimme, die kraftvoll flüstert: „Used two fingers to find the pulse, my subject’s here, alive and well„.


Ein Artikel von Anna Fliege – Es ist bereits sein drittes Album in nur wenigen Jahren, den Ruhm scheut der gebürtige Kanadier allerdings so weit es möglich ist. Seltene Konzerte, noch seltener Interviews. Die größten Genies sind eben nicht die, die sich in die vorderen Reihen drängen und laut werden.

In eine Schublade lässt sich der Sänger allerdings trotzdem nicht stecken, stattdessen lässt er Genre verschmelzen – langsam, mit Fingerspitzengefühl, aber konstant. Viel Rock, eine ordentliche Portion R&B und immer wieder Einflüsse aus ganz anderen Ecken der Musikwelt, wie Grunge und Jazz.

Zusammenfassen lässt sich „Harry Hard-On“ dennoch: sexy, verdammt sexy. Das Zusammenspiel aus Allans kratziger, kraftvoller Reibeisenstimme, die zurückhaltenden Instrumente, die der Stimmung akzentuiert Impulse setzen. Es ist ein roter Faden, in unterschiedlichen Facetten, doch stets da.

„Crush“ zum Beispiel klingt, als hätten die neueren Arctic Monkeys mit den älteren Queens of the Stone Age all ihre Erotik ein für alle Mal in einen Song gesteckt. Über allem liegt dieser düstere, verruchte Schleier.

Man möchte ihn fragen, woher diese musikalische Zusammenstellung rührt, was ihn inspirierte und wie er all das, was „Harry Hard-On“ mit sich bringt, beschreiben würde. Stattdessen lässt er einzig und allein seine Musik sprechen.



ALLAN RAYMAN live

01.12.18: Hamburg, Kaiserkeller
03.12.18: Berlin, Musik & Frieden
10.12.18: Köln, YUCA


Autorin: Anna Fliege