Nach acht Jahren harter Arbeit steht Mine als angesehene deutsche Sängerin und Produzentin vor einem jubelnden c/o pop Festival-Publikum. Es ist eine außergewöhnliche Momentaufnahme, die in Erinnerung bleiben wird. Ein nicht enden wollendes Meer aus Applaus und positiven Ausrufen. Dass deutsche Pop-Musik nicht langweilig, eintönig und ideenlos sein muss, streitet nach diesem Auftritt niemand mehr ab. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Der Wolkenbruch hat sich gerade beruhigt, als die Menschentraube vor dem geschichtsträchtigen WDR Funkhaus unweit des noch viel geschichtsträchtigeren Kölner Doms nicht mehr zu übersehen ist. Ein „Ausverkauft – keine Abendkasse„-Schild hängt an der schmalen Tür, die ins Innere führt. Auch wenn parallel einige namenhafte Acts im Rahmen der c/o pop irgendwo in Köln verteilt spielen – jeder möchte Mine sehen.

Platz nehmen, zurücklehnen, genießen. Im schirr zeitlosen Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks kommt einem diese Einladung gelegen. Die imposante Orgel an der Kopfseite des Saales wird von einer kleineren, temporären Bühne, die eigens für die c/o pop aufgebaut wurde, verdeckt. Auf ihr zahlreiche Instrumente und eine Versprechung, dass es ein guter Abend werden würde.

Um 20:45 Uhr beginnt mit dem Auftritt von P.A. Hülsenbeck der musikalische Donnerstagabend im Herzen der Domstadt. Hülsenbeck, früher einmal 1/3 der umjubelten Landauer Indie-Band Sizarr, veröffentlichte im letzten Winter sein Debütalbum „Garden of Stone„, eine aufregende Mischung aus Jazz und Pop. Sein 45-minütiges Set, begleitet von vier weiteren Bandmitgliedern, ist ein immersives Erlebnis. Die einzelnen Tracks erzählen durch ihre interessanten Kompositionen Geschichten, verschmelzen ineinander und lassen niemanden kalt. Für Fans von den Kunstwerken Get Well Soons und seinem ehemaligen Bandkollegen und immer noch Partner in Crime Jungstoetter ein Freudenfest!

Eine Umbaupause später ist es dann soweit, der Sendesaal hält um Punkt 22 Uhr kollektiv den Atem an. Imposant und selbstbewusst betritt Mine kurz nach ihrer Band die Bühne. Der Song „Du kommst nicht vorbei“ ist ein kraftvoller Opener, ein gestandenes „hier bin ich„. Das Zusammenspiel von erstklassigem Sound, der den Saal über allen anderen Kölner Konzertlocations stehen lässt und die Energie, die von dem fünf-köpfigen Ensemble ausgeht, garantieren einen unvergesslichen Abend.



Erst vor zwei Wochen veröffentlichte die Musikerin und Produzentin ihr drittes Studioalbum „Klebstoff“ (Review). Ein kleines Meisterwerk, ein großer Erfolg. Ein Album, mit dem Mine gefühlt endlich angekommen ist. Für sich selbst. Und für alle anderen. Die neuen Songs spielt sie hier zum ersten Mal im Rahmen eines Konzertes, es ist Tourauftakt – und was für einer. Ohne Widerworte fügen sich diese Tracks ein in ältere Stücke, bei denen man im äußerst ruhigen Publikum (ein Ausnahmezustand in Köln) doch ein bisschen lauter mitsingen hört. „Essig auf Zucker“ zum Beispiel, oder „Der Mond lacht„. Aber auch Titel des Fatoni-Kollabo-Albums „Alle Liebe nachträglich„, bei der statt des Münchener Rappers Mines Drummerin Philo seine Parts mit Bravour übernimmt, ziehen die Gäste in ihren Bann.

Wer am heutigen Abend Feauture-Gästin Giulia Becker erwartet hatte, wird leider enttäuscht. Bassistin Vroni legt an ihrer Stelle aber einen geilen Rap inklusive Christian Lindner-Diss aufs Parkett, der Saal jubelt. Zwischen den einzelnen Songs, bei denen man nur zu gerne aufstehen und mit Mine mittanzen möchte, gibt sich die gebürtige Baden-Württembergerin wahnsinnig sympathisch. Wie schon in unserem Interview (hier) erzählt sie von ihrer Nervosität, aber das stört hier niemanden.

Mit „90 Grad“ lässt Mine ihre Fans aufstehen und einige Takte später auch tanzen. Das euphorische Lied geht nahtlos in minutenlanges Klatschen über. Kurz verschwindet die Band von der Bühne, kehrt aber noch einmal zurück. Hingesetzt hat sich in der kurzen Zeit niemand mehr, dafür ist das Glücksgefühl gerade viel zu groß. Mit den Songs „Katzen“ und „Das Ziel ist im Weg“ beendet Mine ihr Set, wobei sie letzteren Song nur schwerlich anstimmen kann, weil das kollektive Klatschen nicht abebben will.

Es ist ein ehrenwerter Start der „Klebstoff„-Tour, ein unvergesslicher Auftritt im Rahmen der c/o pop, ein geschichtsträchtiger Abend für Mine und alle Anwesenden.


MINE live

03.05.2019 Mannheim – Alte Feuerwache
04.05.2019 Wiesbaden – Schlachthof
05.05.2019 Hannover – Musikzentrum
07.05.2019 Konstanz – Kulturladen
08.05.2019 Stuttgart – Club Cann
09.05.2019 Leipzig – Leipzig
10.05.2019 Berlin – Huxley’s Neue Welt (hochverlegt)
11.05.2019 Hamburg – Mojo
15.05.2019 Wien – Porgy Bess
16.05.2019 Nürnberg – Hirsch
17.05.2019 München – Ampere (ausverkauft)
18.05.2019 Zürich – Dynamo


Autorin & Photocredit: Anna Fliege