Musik, soll ja ein Mittel zur Selbstheilung sein! Dies dachte sich auch Daniela Gitto und veröffentlicht als Aunty Social nun ihre Debüt-EP „The Day My Brain Broke“ (via Nettwerk Records).

Aunty Social hat viel für sich selber zu verabeiten und daraus entstanden ist ihre erste EP. Die aus Toronto / Kanada stammende Musikerin erklärt ihr Songs so, dass jeder einzelne einzelne Track etwas präsentiert, während ihrer Reise durch ihren toxischen Lebensstil und den Weg daraus.


Ein Artikel von Nina Paul – Mit ihrem Bedroom / Alt-Pop Style hat Daniela Gitto einen Sound für sich erschaffen, der an eine musikalische Therapiesitzung erinnert. Leicht ineinander verschwimmende Sounds, voll mit Synthesizer, Bass, Gitarre, Drumsounds und dazu ihren leichten Gesang.

Herausgekommen sind 5 Tracks, die jeder einzelnd ein Thema bearbeitet. Religion und Glaube sind die Bestandteile von „Trying“. Eine Art gendakliche Selbstheilung, aufgrund der religiösen familiären Vergangenheit Giottos. Die Verzweiflung, die Monotonie und der Druck des American Dreams sind in „Crack & Deal“ wiederzufinden. Jeder einzelne Song erscheint da wie ein Puzzleteil, die wenn man sie zusammenfügt und als Ganzes sieht, eine Art Ventil ihre ganzen Emotionen einfach mal freien Lauf zu lassen.

„Maybe I’m insecure / I’ve known that since I was just a little girl”.

(aus „Traveling Circus”)

„Thinking about Thinking about Thinking” scheint auf den ersten Blick wie ein Dialog zu klingen, aber letztendlich ist es ein Selbstgespräch von Daniela Gitto, wo sie ihre Emotionen und Gedanken innerhalb einer Beziehung von beiden Seiten reflektiert. In „Cortex“ nimmt sie ihre Kindheitsliebe mit an die Hand: Das Videospiel Crash Bandicoot und die Charaktere dienen als Stellvertreter für Menschen in ihrem Leben. 8-Bit-Ära-Riffs werden subtil eingebaut, und verleihen so dem Song einen Vintage-Arcade-Vibe, welcher aber thematisch schwerer und traumatischer angelegt ist.

So ist „The Day My Brain Broke“ sowohl eine Zusammenführung von Referenzen (von Poesie bis zu Erinnerungen an die Kindheit), als auch eine persönlicher Bericht über das Innerste ihres Selbst.

Mit ihrem Künstlernamen Aunty Social offenbart sie humorvoll ihre Schwäche, sich größeren Menschenmengen zu stellen. „Ich bin mit einem etwas deformierten Kiefer aufgewachsen und ich habe eine große Lücke zwischen meinen Zähnen”, sagt sie. „Also habe ich immer nur für mich selbst gesungen und meine Unsicherheiten versteckt. Seitdem ich Musik mache, bis zu meinem fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr, ist jedes Video von mir mit dem Rücken zur Kamera entstanden.“ Das änderte sich nach der Teilnahme an einem Open-Mic-Session und der positiven Resonanz eines Jurors. Dieser Moment war, zusammen mit einer Kiefer-Operation, der Katalysator: „Das war als würde mich absolut nichts mehr zurückhalten. Es ist keine Unsicherheit mehr da und deshalb wollte ich meine alten Gewohnheiten loswerden.“

Aunty Social spricht vor allem für eines: Können und Authentizität! Und diese hat sie in „The Day My Brain Broke“ so zusammengefügt, dass diese EP mehr als eine Therapie erscheint, sondern auch Mut und Kraft geben soll zu seinen Problemen zu stehen und sich Hilfe zu holen.


Foto: Jean Carlos Rodriguez