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AURORA veröffentlicht den Titeltrack ihres neuen Albums „A Different Kind of Human“

AURORA veröffentlicht den Titeltrack ihres neuen Albums „A Different Kind of Human“

AURORA veröffentlicht heute den Titeltrack ihres mit Spannung erwarteten dritten Album „A Different Kind of Human“, welches am 7. Juni auf Vertigo erscheint.


Vor kurzem veröffentlicht AURORA ein Foto auf ihrem Instragramaccount, eine Nahaufnahme ihres Matcha Lattes, hellgrüne Oberfläche mit dunkelgrünen Punkten. Sieht aus, wie der schönste Virus, den es gibt, schreibt sie. Ein beiläufiger Post aus ihrem Feed, dem fast 500.000 Leute folgen, eine Fanschar von Südamerika bis zum Nordkapp, die ihr bisher über 200 Millionen Streams beschert hat – und doch erklärt er alles über die Weltsicht der 22-jährigen Norwegerin.



Der Erfolg ihre Debütalbums „All My Demons Greeting Me As Friends“ im Jahr 2016 war überwältigend, vor allem für Aurora. Ihre Musik traf einen Nerv bei Außenseitern, Lichtwesen, Nonbinarys und fand selbst beim Mainstream Anklang, was ihr endlose Touren und TV-Auftritte bescherte. Bemerkenswerter sind allerdings die Begegnungen mit ihren Fans, die Aurora alles anvertrauen, ihr Geschenke mitbringen, wo immer sie ist. Vom Handy bis zum toten Insekt. Aurora versammelt „warriors and weirdos“, bricht unter der Last, Projektionsfläche für so vieles zu sein und gleichzeitig im Hamsterrad aus Konzerten und Promoauftritten festzustecken aber fast zusammen.

Ein einfühlsamer Manager, die heilsame norwegische Natur und eine eben doch unbekämpfbare innere Musik haben den Weg zum zweiten Album möglich gemacht. Dass es Album Nummer 2 geben würde, stand für AURORA außer Zweifel, der Prozess begann bereits am Tag nach Veröffentlichung des Debüts. „Infections Of A Different Kind“ erschien dann überraschend im Herbst 2018, „A Different Kind Of Human“ komplettiert den zweiten Teil der Saga von Aurora Aksnes. Während Infections gleichzeitig Verhängnis und Verderben, Erhabenheit und Begierde verwebt, lassen diese elf Songs keinen Zweifel mehr daran, dass AURORA entweder erleuchtet oder schlichtweg außerirdisch ist. Dieses Album ist nicht mehr nur Benennung ihres eigenen Gefühlszustandes, es geht auch darüber hinaus, anderen eben jenes bei sich selbst zu ermöglichen. „A Different Kind Of Human“ will „empowern“, es sind „mehr als nur Worte, sondern etwas, das [die Hörer] aufrütteln soll in der Welt, in der wir gerade leben.“

„I give both sides of me“, singt sie in ‚Soulless Creature‘, diese beiden Seiten sind einerseits die unendliche Liebe, die große Freude und Akzeptanz, die sie jedem entgegenbringt, den sie trifft. Andererseits hat AURORA die Abgründe der Menschen gesehen, genau wie ihre eigenen. Doch nicht nur das, sie akzeptiert sie auch, unverkennbar in der Leadsingle ‚Animal‘. „Wir sind immer hinter irgendetwas her, sei es Liebe, Geld, Sex, Erfolg, Macht oder einfach ein besonders großes Stück des Kuchens. Das ist sehr interessant. Es ist grotesk. Und schön. Wir sind immer auf der Jagd nach etwas. Wir sind Tiere, die Tiere jagen“.

Das Thema fließt durch das komplette Album, ‚Hunger‘, ‚Daydreamer‘, AURORA lädt alle dazu eine, ihre innere Natur zu umarmen. Denn wir wissen ja: If you can’t love yourself, how in the hell can you love somebody else? Und dazu gehören auch alle Schattenseiten. AURORA begegnet der Dunkelheit der Welt weniger naiv, die Dämonen, die sie als Freunde begrüßte, dürfen ihr nicht mehr auf der Nase rumtanzen. Sie selbst hat nichts mehr für diejenigen übrig, die sie als Träumerin abtun. „Es geht um Leute, die Kindern erzählen, dass sie den Planeten nicht werden retten können. Nach einer Weile verinnerlicht man das und versucht es gar nicht mehr. Und das passiert wieder und wieder, deswegen beginnt und endet das Album auch mit einem record scratch – ein Symbol dafür, dass wir das Muster wiederholen.“ Der Sound diesmal: lauter, fordernder, aufrechter, mehr Spielereien mit elektronischen Beats. Unbekümmert und gefälliger, ein Kontrast zu den Lyrics. „Es geht um Gegensätze, ich wollte es explosiv und laut, denn so war auch mein Leben in den letzten zwei Jahren.“ AURORA hat selbst gelernt, die Drums zu spielen und tobt sich auch an anderen Instrumenten aus, produziert mit Hilfe des My Riot-Teams und ihres Verbündeten Askjell (der sie auf der letzten Tour im Vorprogramm begleitete) ihre Songs allein. Jeder Schritt wie der von Prinzessin Mononoke oder Inyuasha: fierce, weise, intuitiv.

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Das Manifest auf dieser Platte ist der Songverbund aus dem Titeltrack und ‚Mothership‘. This world we’re living in is not a place for someone like you, let us take you home. Fast acapella, eine Sehnsucht, die in einem zugedeckten Gedicht mündet. Nur eins von über 1000, die AURORA im Vorfeld zu den Aufnahmen geschrieben hat und aus denen all die neuen Songs entstanden sind. „Die Leute sagen immer: ‚Lebe, als würde es dich nicht kümmern, mach Party, als würde es nicht nicht kümmern‘ – aber mich kümmert’s.“ Und so steht das Außenseitersein neben den Sorgen um die Umwelt, wir weirdos und warriors haben akzeptiert was ist. Jetzt geht es darum, was wir daraus machen.

Aufgenommen wurde die Platte in der Provence und in Bergen, eine Filmcrew hat die Künstlerin für die norwegische Doku „En Gang AURORA“ dabei begleitet und erlaubt einen tiefen Einblick in die Welt dieser kindlichen Kaiserin. „Es gibt Momente, da finde ich es merkwürdig, dass man Dinge nicht bewahren kann. Du kannst sie nicht halten, denn letztendlich werden entweder sie oder du verschwinden. Das ist das Beste an Musik. Sie kann nicht sterben.“ Lasst euch infizieren von der schönen Grausamkeit der menschlichen Natur. Ihr werdet es überleben und stärker daraus hervorgehen. Fürs erste.


Presse: Nordic by Nature / Text: Melanie Gollin

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