Now Reading
Austrian Heartbeats: Musikalischer Ausblick 2021

Austrian Heartbeats: Musikalischer Ausblick 2021

Die Zeit zwischen den Jahren ist zwar super, um noch einmal auf die Highlights eines Musikjahres zurückzuschauen, oder vielmehr zurückzuhören. Dennoch spürt man hin und wieder auch einen kleinen Rückblicks-Overkill. Spätestens wenn die Spotify-Wrapped-Listen die Instastories und Facebookprofile fluten. Was dagegen hilft? Einfach mal vorauszublicken! Denn diese Zeit ist traditionell ebenso die Trüffelschwein-Saison für Musikjournalist*innen, die in den letzten verbleibenden Redaktionen den heißen Scheiß fürs kommende Jahr zusammentragen und Wetten abschließen, wer einen guten Lauf haben könnte.

Deshalb gab es so nette Menschen, die für eine Playlist erstellt haben, die euch einige spannende Talente der eh gerade sehr lebhaften österreichischen Musikszene ans Herz legen soll. Mit dabei ist zum Beispiel KeKe. Die in Wien lebende Rapperin ist schon länger eine der spannendsten Stimme der Stadt – mit „Ladies“ hat sie nun eine arsch- und klötentretende Hymne auf alle „Ladies“ gesungen, die zugleich die Macht der Solidarität besingt und Chauvi-HipHop-Hausen mit breitem Kreuz an die Seite rempelt. Und wo wir gerade bei HipHop sind, der sich in neue Gefilde traut: Sharktank merkt man ehrlich gesagt kaum an, dass sie aus Österreich kommen. Sie klingen eher so, als würden sie mit der jungen Rap- und Jazz-Szene Londons abhängen. Der Rapper Mile wollte dabei eigentlich nur ins Studio von Marco Kleebauer, um ein Soloalbum aufzunehmen. Die verstanden sich dermaßen gut, holten noch Katrin Paucz als Sängerin dazu, die Kleebauer durch seine Arbeit mit Oehl kannte – und schon war Sharktank geboren. Wer es lieber deutschsprachig und elegisch getextet mag, der höre den Singer/Songwriter Freude mit „Das Geheimnis“. Ja, klar, ist scheiße zu googlen, aber was will man machen, wenn man Cley Freude heißt. Umso besser ist seine Stimme. Und seine Lyrik. Was übrigens auch für Ansa Sauerman gilt. Ach, hört einfach selbst…

Florence Arman  – „Home“

Florence Arman ist eine etablierte Sängerin/Songwriterin, die jetzt ihre Karriere als Solokünstlerin startet. In der internationalen Popszene ist sie keine Unbekannte, da sie bereits mit KünstlerInnen wie Rhys Lewis, The Kooks, Cro und Lena Meyer-Landrut (um nur einige zu nennen) zusammengearbeitet hat. Nun widmet sie sich ihrem eigenen intimen, aber dennoch geistreichen und unbeschwerten Künstlerprojekt. Sie schreibt alle ihre Songs allein und arbeitet mit einem engen Team von Produzenten zusammen, um sie fertigzustellen.

Sharktank – „Bad Energy“

Hip-Hop und Pop waren schon immer Nachbarn. Das Trio Sharktank verheiratet sie nun endgültig zu einem glücklichen Ehepaar. Was eigentlich als Soloprojekt des Rappers Mile begann, entwickelte sich in wenigen Studiotagen zu einer echten Band. Für seine ersten Aufnahmen war Mile zu Gast im Studio bei Marco Kleebauer – der dort u.a. an den Produktionen von Bilderbuch, Oehl und Leyya entscheidend Hand angelegt hatte. Dort nahm das Schicksal seinen Lauf: Marco machte Mile mit Katrin Paucz (u.a. in der Liveband von Oehl tätig) bekannt und der Rest – wie man so schön sagt – ist Geschichte.

Wallners – „Ships“

Wären sie nicht unter einem Dach aufgewachsen, wären die vier Wallners Nino (20), Max (23) und die Zwillinge Anna und Laurenz (25) wohl nicht in einer Band gelandet, erzählen sie lachend. Die Musik der Wallners erinnert an den Soundtrack zu einem Tagtraum, entführt in mystische Parallelwelten und lässt die Gefühle den Takt angeben, besonders das Gefühl der Sehnsucht. Wallners lassen an die sanften, verführerischen Klänge von Rhye denken, an das Herzeleid eines James Blake und einer Lana Del Rey, während sie so arbeiten wie zwei andere Geschwister, die gerade in aller Munde sind: Billie Eilish und ihr Bruder Finneas

Gazelle & the Bear – „Two One“

Gazelle & the Bear klingt nach musikalischer Intimität, nach Stärke und Haltung und changiert zwischen Singer-Songwriter Musik, modern Jazz, Hip Hop und R&B. Schlagzeuger und Komponist Julian Berann und Jazz-singer-songwriter Ines Kolleritsch lassen durch den intimen Prozess beim gemeinsamen Komponieren ihre musikalischen Wurzeln verschmelzen und begeben sich auf eine Reise der Neu(er)findung.

Freude – „Das Geheimnis“

Spielerisch knüpft c. Freude mit seinen Erzählungen ein Fangnetz über die alltäglichen Abgründe zwischen Lieben, Leben und Sterben: Er prescht von Moment zu Moment, ist stiller Beobachter und heimlicher Mitspieler in all den kleinen großen Dramen, die das Leben so gern launig feilhält. Dabei sind all die Geschichten keine empathielosen Luftschlösser, die er baut, keine aus der Luft gegriffenen Gespinste, sondern aus seinem eigenen erlebten Leben geformte Eindrücke. „Das Geheimnis“ ist mit Abstand das persönlichste Lied, das Freude jemals geschrieben hat

Ansa Sauermann – „Weniger Laut“

Das neue Album von Ansa Sauermann; gewohnt lakonisch und cool – dennoch mit einer songwriterischen Dichte, die neu ist. Der Umzug nach Wien hat den hochgelobten deutschen Singer-Songwriter revitalisiert und gefälligen Formatpop gegen Ecken, Kanten und eine gesunde Wiener scheissdrauf-Haltung tauschen lassen. Mit Ansas Live-Band im Rücken aber auch diversen Austro-All-Stars aus der Lotterlabel-Familie ist eine Kreativexplosion gelungen, ein Befreiungsschlag für den lebenslustigen Dresdner einerseits, als auch für das schwierige Genre Deutsch-Pop insgesamt, dass hier sexy, aufregend und nach großem Kino klingen darf.

LOST – „Killers In My Mind“

Wir verlieren uns gerne in unserem kreativen Schaffen, in unserem Drang, etwas Neues zu machen. Das eigentliche Ziel ist der Weg, doch dafür muss dieser erst einmal beschritten werden. Denn angelehnt an Schrödingers Katze – existiert Kunst, wenn sie von niemandem gesehen oder gehört wird? In den letzten Jahren hat Kevin Lehr aka „Lost“ über 60 Songs geschrieben und diese mussten erst zum Leben erweckt werden. „Lost“ macht dies mal mit anderen Künstler/innen, mal alleine. Er ist auf der Suche nach der Quintessenz der Popmusik.

See Also


Naked Cameo – „Dead Weight“

NAKED CAMEO zeigen auf ihrer neuen EP „Insomnia“ (Futuresfuture) eindrucksvoll, dass sie auf dem besten Weg vom Geheimtipp zu einer Band großen Formats sind. Das Trio um Lukas Maletzky (Gitarre und Vox), Maria Solberger (Synths) und Patrick Pillichshammer (Schlagzeug) weiß ganz genau, wie man Songs schreibt, die sich in den Gehörgängen festsetzen und gleichzeitig abseits jedes mainstreamigen Einheitsbreis anspruchsvoll bleiben.

Toby Whyle – „No One Moves“

Songs zu schreiben ist für Toby Whyle eine Selbstverständlichkeit, im Musikkosmos ist er seit langer Zeit ein bekanntes Gesicht. Neu ist aber die Erkenntnis, dass Songwriting für ihn einer der wenigen Wege ist, die grelle, schnelllebige Außenwelt auszublenden, zu verarbeiten. Angetrieben von einem Verlangen, wieder etwas zu schaffen, zu kreieren, fing er an, neue Songs zu schreiben. Seine Songs wollen Menschen in verschiedensten Lebenslagen abholen und inspirieren, Ästhetik und Qualität spielen hierbei immer eine besonders große Rolle

Keke – „Ladies“

Nach Features mit Trettmann, Kummer und Majan, sowie ihrer eigenen EP “Donna”, kehrt KeKe nach einem Jahr Pause nun zurück. Auf dem, vom Labelkollegen FVLCRVM produzierten, Song “Ladies” wird tanzbar auf die Lebensrealitäten von Frauen aufmerksam gemacht. Sie zelebriert auf warmen, melodischen Klängen, die Vielfältigkeit von Frauen. Egal ob Tomboys, Schlampen, Tussis, Lesben, whatever, für alle Ladies ist dieser Song mit Latin Pop-Vibe und singt nachdrücklich “Verkauf dich niemals unter Wert, Girl.” So unterschiedlich jede Frau auch sein mag, im Kampf gegen die Erwartungshaltungen von Außen sind alle vereint. KeKe erschafft genau dieses Wir-Gefühl.

EUROTEURO – „Allein sein“

Das Wiener MusikerInnenkollektiv EUROTEURO präsentiert ihre neue Single „Allein sein“. Gerade richtig zur der stillen Zeit des Jahres begiebt sich die Truppe rund um den Produzenten Peter T. mit dieser Ballade auf bisher ungehörtes Terrain. Der Song mit hohen Ohrwurm-Potential besticht mit dem non-chalanten Gesang von Peter T. und kann als eine Ode an die Schönheit der Einsamkeit und an die Magie der Tagträume gedeutet werden. Besungen wird die weite Welt der Phantasie und Menschen die es vermögen im Geiste nahezu alles zu erbauen.

Scroll To Top
Translate »