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Austrian Heartbeats: Neue Sounds aus Österreich Vol. 2

Austrian Heartbeats: Neue Sounds aus Österreich Vol. 2

Irgendwie hat man in diesem Sommer eine Art Paralleluniversum im Kopf. Man macht seinen distanzierten Sonntagsspaziergang durch den Park, hört Musik auf Kopfhörer und denkt dann plötzlich: „Ach, EIGENTLICH stünde ich ja heute in Stadt X beim Festival Y und würde genau diesen Song live hören.“ So ist es auch im Juli: EIGENTLICH würde man sich nämlich schon jetzt auf das letzte Juliwochenende freuen, wo in Wien um den Karlsplatz herum das „popfest“ stattfinden würde. Man würde auf diese schöne Kirche schauen, auf die Seebühne davor und erstaunt feststellen wie bunt, abwechslungsreich, angriffslustig, melancholisch und rotzfrech die österreichische Musik so klingen kann. Denn genau die wird dort – for free für alle – präsentiert. Aber wir wollen mal nicht raunzn, wie die Österreicher*innen sagen, und haben stattdessen eine weitere Songsammlung für euch kompiliert. Den Karlsplatz müsst ihr euch dann eben dazu denken oder bei Google-Maps anzeigen lassen. Hier gibt es jedenfalls frischen Wien-Indie von den DIVES-Damen, starken, deutschsprachigen Pop von Pippa, ein punkig-kickendes Grunge-Update von BAITS und den großen Voodoo Jürgens, dessen letztes Album „‘S klane Glückspiel“ ein großes Glück geworden ist.


Felix Kramer – „Nix zu spürn“

Mit „Nix zu spürn“ gibt Felix Kramer Einblicke in sein neues Album, das im September erscheinen wird. Der Songschreiber kommt ursprünglich aus dem Wiener Bezirk Ottakring, das für seine Brauereien und Heurigen bekannt ist. Er spielt an den dunklen Saiten des Lebens und singt herzzerreißende Lieder von Herzschmerz und Verlassenheit. Sein Debütalbum „Wahrnehmungssache“ ist trotz der spärlichen Instrumentierung schwermütig und bescherte ihm Platzierungen in den Top-20 Albumcharts in Österreich.


Voodoo Jürgens – „2l Eistee“

Das im Juni veröffentlichte zweite Voodoo Jürgens-Album „`s klane Glücksspiel“ ist ein voller Erfolg; von den Kritikern geliebt, aktuell für den Amadeus Award in der Kategorie Album nominiert, viele Wochen lang in den oberen Regionen der Charts. Voodoo Jürgens gilt als die nächste große Hoffnung für Austropop. Und das liegt sicher auch an seinen Texten. Denn die Musik ist von sehr zurückhaltender Natur. Eine kleine Gitarre als Hintergrund, ab und zu eine Drehleier und ein paar Trommeln, um den Klang zu vervollständigen. Er spielt Folk, aber eher Anti-Folk, und in seinen Auftritten erinnert er fast an den jungen Bob Dylan. Es sind die kleinen Details, die Voodoo Jürgens so sympathisch machen. Das, und das Gefühl, dass man genau weiß, wovon er in seinen Liedern spricht.


Pippa – „Tagada“ (VÖ: 14.08.2020)

Mit der Art und Weise der mündlichen Kommunikation moderner Menschen – oder genauer: einer Unart derselben – setzt sich Pippa in ihrer neuen Single „Tagada“ auseinander. Die Brillanz des Titel besteht dabei zum einen in einem treibenden, elektronischen Arrangement, für das Hans Wagner von Neuschnee maßgeblich verantwortlich ist. Zum anderen zeigt sie sich darin, dass Pippa es schafft, durch eine scheinbar wahllose Aneinanderreihung dieser buchstäblich nichtsagenden und sinnentleerten Floskeln deren Inhaltsleere zu unterstreichen. Die Single ist ein weiterer Vorbote auf ihr zweites Album „Idiotenparadies“, das im August erscheinen wird.


Dives – „100 Times“

Im November 2019 präsentierte das Wiener Indie-Surf-Trio Dives mit „Teenage Years Are Over“ das langersehnte Debütalbum. Nun folgt eine brandneue Single „100 Times“ – ein frischer, energiegeladener Power-Surfpop-Song, in dem sich der Verstand lustvoll der eigenen Verrücktheit ergibt. Sie betanzen den Wahnsinn kurzerhand in ihrem Musikvideo, das erneut aus der geistigen Schmiede des amerikanischen Videoproduzenten Kevin Pham stammt. Nach seinen Videoarbeiten zu „Waiting“ und „Chico“ vollendet dieser nun die Dives-Pham´sche Trilogie mit einem effektgeladenen 90ies-dream-Knaller.


Baits – „What’s On Your Mind“ (VÖ: 04.09.2020)

Baits setzen sich zwischen alle Stühle der eingängigen Rockmusik: mal dominiert ein sonniger Grunge, mal unheimliche Psych-Töne, hin und wieder Motown, Beach Boys Vibes oder straighter Punk – im Zentrum steht immer ein Popsong und eine Geschichte. Bislang sind zwei komplett selbst produzierte EPs erschienen, die sich in den letzten zwei Jahren mit leidenschaftlichen und exzessiven Konzerten in ganz Europa einen Namen gemacht haben. Zurzeit arbeiten sie an ihrem Debütalbum, das Anfang 2021 erscheinen wird. Schwere, energische Drums, eine dynamische, raue Stimme, schrullige, aber solide Bass-Riffs und schnelle Gitarrensoli machen diese Fuzzpop-Indie-Bande zu einem Muss.


Farce – „Subway Surfer“

Die Produzentin, Songwriterin und Künstlerin Veronika J. Koenig – bekannt unter ihrem Künstlernamen Farce – bleibt unbeeindruckt von Genreeinschränkungen und findet ihre Nische in allem, was schwer im Bass und intensiv in der Emotion ist. Neben ihrer Soloarbeit, arbeit sie u.a. mit Fauna und Wolfgang Moestl von Mile Me Deaf zusammen. Rund zwei Jahre nach ihrer ersten EP veröffentlichte sie 2018 ihr Debütalbum „Heavy Listening“. Mit der brandneuen Single „Subway Surfer“ gibt sie Einblicke in ihre neue EP „Trauma Bounce“.


Onk Lou – „Natural High“

Er klingt, als hätte man Casper eine Stimmrange von Justin Timberlake verpasst und mit den Gitarrenskills von Andy McKee ausgestattet. Onk Lou stammt aus einem kleinen Kaff namens Ollersdorf in Niederösterreich und war in den letzten Jahren in ganz Europa als Straßenmusiker unterwegs. Er hat auf Songwriterfestivals in Dänemark genauso gespielt, wie in Russendiskos in Moskau, auf Wohnungsparties in Berlin oder auf der Straße in Italien. Lachen ist für Onk Lou ein Allerweltrezept, er blödelt gerne rum und nimmt nichts allzu ernst. Immer ein Spruch auf den Lippen, immer ein Lacher voraus. So klingt auch sein Album, das Anfang 2021 erscheinen wird.

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Joe Traxler – „Something Real“

Mit einem Musikstil, der an die Liebeslieder der frühen Nuller-Jahre erinnert, und groove-getriebenem zeitgenössischem Pop und Rock ist Joe Traxler ein einheimisches österreichisches Talent. Durch Vergleiche mit Künstlern wie Matt Corby, John Mayer und James Bay hat Joe aufgrund seiner musikalischen Reife und seiner vorausschauenden, unabhängigen Herangehensweise Plays in New York, London und Österreich, 1 Million Streams auf Spotify und zahlreiche Fernsehauftritte erhalten. Sein Debütalbum erscheint noch in diesem Jahr.


Sakura – „White Noise“

Sakura wuchs in Hongkong auf, verbrachte eine lange Zeit in London und ist mittlerweile in Wien beheimatet – ihre Musik ist so gestaltet, dass sie ihre farbenfrohen Geschichten durch ihre eigene Art lyrisch und emotional fesselt. Sie pflegt eine unorthodoxe, innovative und DIY-Herangehensweise, die sich für alle Aspekte des Lebens als Musikerin eignet. „White Noise“ ist ihre neue Single und lässt auf ein Debütalbum hoffen.


Presse: FACTORY 92

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