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Bailen & „Thrilled To Be Here“: Eine neue Generation von Nostalgie

Bailen & „Thrilled To Be Here“: Eine neue Generation von Nostalgie

„Eine Erinnerungs-täuschung, bei der eine Person glaubt, ein gegenwärtiges Ereignis früher schon einmal erlebt zu haben“ – so beschreibt der Wikipedia-Artikel das Phänomen eines Déjà-vus. Ähnlich ergeht es uns beim Hören des BAILEN-Debütalbums „Thrilled To Be Here“. Auf eine so positive Art und Weise, dass man sich mehr solcher Alben wünscht.

Ein Artikel von Anna Fliege – Man könnte meinen, New York hätte irgendwann einmal sein Kontingent an kreativen Köpfen aufgebraucht und jeder Bewohner des Big Apples hätte sich bereits in irgendeiner Weise verewigt. Doch dann kommen mit den Bailen-Geschwistern drei musikaffine Eigengewächse der Stadt um die Ecke.

BAILEN, nicht nur der Nachname von den zweieiigen Zwillingen Daniel und David sowie ihrer kleinen Schwester Julia, sondern auch ihr Bandname. Mit der Energie, die sie auf ihrem Debütalbum „Thrilled To Be Here“ gebündelt haben, erwischt man sich ab und an dabei, traurig zu sein, nicht selbst ein Teil der Familie zu sein.

Weder macht das Trio wie jeder (und seine Oma) zeitgenössischen Rap, noch sind sie eine weitere lapidare Gitarrenband am Indie-Himmel. Nein, BAILEN sind ein bisschen anders, ein bisschen herausstechender. Von der Musikwelt am liebsten mit Nuancen von Fleetwood Mac, Carpenters, aber auch Simon & Garfunkel umschrieben. Die Mischung aus charakteristischen Basslines und der energetischen Mehrstimmigkeit, die mindestens in jedem Chorus, wenn nicht sogar auf ganzer Songlänge vertreten ist, tragen das Album.

Etwas, das mich als Vertreterin einer jüngeren Generation, die nach den Riesenerfolgen von Stevie Nicks & Co. geboren wurde, an HAIM erinnert – in weniger poppig. Das mag bestimmt am Geschwisterfaktor liegen. Aber ähnlich wie Danielle Haim sticht auch Julia Bailen mit ihrer starken Stimme als leader of the gang hervor.



Einmal im Ohr wird man die 11 Tracks nur schwer wieder los und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, möchte man das auch gar nicht. So richtig einordnen kann man sie dabei gar nicht. Hier finden sich allerhand Anlehnungen an Genres – wenn man eines finden möchte, tut man es auch. Einen schwachen Füllsong sucht man allerdings vergeblich auf „Thrilled To Be Here„. Ausschließlich hitverdächtige Tracks, bei denen immer mindestens einer zum aktuellen Gemütszustand passt.

Ein Album, dass nach Nostalgie klingt, obwohl es brandneu ist. Und doch könnte man beim ersten Durchhören, die Songs schon einmal gehört zu haben – auf eine positive Art und Weise. Wie eine billige Kopie oder gar Coverband klingt das hier nämlich absolut nicht. Aber Songs wie „Not Gonna Take Me„, „Bottle It Up“ oder „Something Tells Me“ klingen so vertraut, dass man sich gar nicht wirklich reinhören muss, um

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Und wenn „I Was Wrong“ und „Your Love Is All I Know“ keine BAILEN-Evergreens werden, zu dem man noch in 30 Jahren schief und zu laut aus vollem Herzen mitsingt, gebe ich die Musikwelt vielleicht auf. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss theatralisch dazu tanzen.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Shervin Lainez

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