Es gibt Künstler, da wartet man immer sehnlichst auf neues Material. Natasha Khan, besser bekannt als Bat For Lashes, gehört für mich zu dieser Katergorie. Nun wird dieser Wunsch mit ihrem mittlerweile fünften Studioalbum erfüllt und schon bei den ersten Vorabsingles merkte ich, viel Retro, viel Mystik und vor allem viel Stimme und Kraft umfassen das gesamte Paket.


Ein Artikel von Nina Paul – Drei Jahren sind seit dem letzten Album „The Bride“ von Bat For Lashes vergangen. Zwischenzeitlich arbeitete sie an mehreren Nebenprojekten, wurde für den Mercury Music Prize nominiert und gewann beim Ivor Novello Awards für die Serie „Requiem“ den Preis als besten Fernsehsoundtrack.

Mit dem Aufruf: „Are you afraid of Lost Girls?“ hatte ich Anfang August den ersten Kontakt zu den neuen Stücken der Britin. Was die fünf! Vorabsingles („Kids In The Dark“, „Feel For You“, „The Hunger“, „Jasmine“ und „Desert Man“) schon versprachen und welche auch gleich die ersten Songs des Album sind, sollte auf dem gesamten Werk „Lost Girls“ via Bat for Lashes (Rough Trade) bis zur Perfektion vollendet werden – Ein Retrosound-Mix mit bekanntem Bat For Lashes Tönen und dies alles in kräftiger Ausdrucksmanier, welche immer diesen einen mystisch-verträumten Mantel mit sich tragen.

Bat For Lashes hat das Kunststück vollbracht mit ihren 10 Tracks ein Album voller Kraft, Verträumtheit, Mystik, Nostalgie, Erzählungen zusammen zu bringen und allen zusammen einen gesunden Touch an Retro-Sound zu geben. Mit „Kids In The Dark“ eröffnet auch sogleich der Song, der das gesamte Album dieses Jahr ankündigte. Ein Sound, der irgendwie an einer sehr bekannten Retroserie von einem Streamingdienst erinnert, aber einfach nur natürlich erscheint. So erblickt man direkt imaginär in das Bild von den Schatten der Nacht, die sich im Untergrund der Großstadt bewegen.

So kommt einem bei „Feel Free“ die Nacht als Tanzfläche vor, auf welcher man stundenlang mit der bestimmten Person hinwegtanzt bis die ersten Lichtstrahlen den nächsten Morgen ankündigen. Ein Gefühl von Unendlichkeit, Liebe und Stärke umgegeben primär die Songs auf dem Album.
 

If I could be you
(The hunger inside)
And you could be me
(The hunger inside)
We’d see the hunger inside
(The hunger inside)
And not the enemy

– aus The Hunger –

 
Natasha Khan schafft es mit jedem einzelnen Song die Philosophie von „Lost Girls“ zu verbreiten, immer etwas unnahbar und alles in einem retro-romantischen Gewand der 80er verpackt. Erinnerungen an den Sound der eigenen Kindheit entstehen, mit all ihrer Freiheit, Stärke, Liebe und Verträumtheit.
Mit den fiktiven Frauen auf „Lost Girls“, allen voran Nikki Pink sind wieder starke weibliche Figuren zu erkennen, die viel von Natasha Khan in sich tragen, aber vor allem stark, energisch und unabhängig sind.

Als Track der besonderen Art kommt „Vampires“ daher. Rein instrumental mit viel Saxophon, was bei mir persönlich direkt die Bilder eines bekannten Vampirfilmes der 80er Jahre hervorhob. Genauso speziell zeigt sich „Peach Sky“ mit den Reverse Textzeilen.

„Lost Girls“ von Bat For Lashes könnte man jetzt schon als ihr Meisterwerk ansehen. Es ist persönlich, mysteriös, tanzbar, nostalgisch und vor allem ein Unikat. Das Album ist einfach wie der perfekte Roadtrip durch die Nacht!


Foto: Logan White