Noch vor dem Albumrelease in zwei Wochen das glamouröse Kölner Gloria Ewigkeiten im Voraus ausverkaufen? Für Bear’s Den kein Problem. Die britische Indie-Folk-Band brachte die Domstadt zum kollektiven Schweigen, zum Jubeln und Träumen. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Die Band um Andrew Davie und Kevin Jones, die sich live auf der Bühne verdreifacht, sind seit ihrem Debüt „Islands“ 2014 eine Herzensangelegenheit für viele ihrer Fans. Kaum eine Band schafft es, das Herz des Hörers auf eine so liebevolle Weise zu berühren wie die Band, die sich in West-London gründete.

Das Publikum an diesem Donnerstagabend könnte diverser nicht sein, hier ist von der Schülerin, über den Familienvater bis hin zum musikbegeisterten Pensionär jeder dabei. Jeder der rund 400 Besucher dieses Abends hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Lieblingssongs und Zeilen, die besonders berühren. Und hier kommt alles zusammen.

Mit Hans Zimmers „Time„, einem ungewöhnlichen „Einlaufsong“ für eine Band wie Bear’s Den, betritt die 6-köpfige Band die Bühne. Die Stille und Dunkelheit durchbrechen die ersten Klänge von „Fuel on the Fire„, einem der Songs, die am 26. April auf dem dritten Studioalbum „So that you might hear me“ erscheinen wird. Sein elektronischer Hauch ist neuartig, sorgt live aber ohne Umschweife für Gänsehautschübe. Innerhalb weniger Minuten habe (mit Sicherheit nicht nur) ich alle Sorgen des Tages vergessen, bin nur im Hier und Jetzt, nur auf diesem Konzert. Es ist wie eine dringend gebrauchte Umarmung, die endlich geschieht.

„You’re pouring fuel on the fire.
I can’t get enough fuel on the fire.
Now I’m burning up.“



Das Konzert ist ein Seiltanz aus Euphorieschüben und Klößen im Hals, die einzelne Tränen in die Augenwinkel treiben, dabei aber nicht schmerzhaft sind, sondern erlösend. Ein persönliches Highlight ist die Perfomance des Songs „Berlin„, ein Lied, das es nie auf ein Album geschafft hatte und als alleinstehender Track existiert. Auch, wenn ich die Band bereits zwei Mal in der Hauptstadt gesehen hatte, haben sie dort nie diesen Song gespielt.

„I can’t forget you, I try all the time.
I can’t forget you, Berlin, with your hand in mine.“

Sie wechseln zwischen E-Gitarren und Banjos und jedes Mal, wenn letzteres erklingt, macht mein Herz kleine Saltos. Nach ruhigen, innigen Tracks nehmen sie uns wieder an die Hand, lassen uns veträumt tanzen, aber nicht wild, es ist kein Abend für das Wilde. Sie überraschen verzeinzelt mit unveröffentlichen Album-Songs wie „Hiding Bottles„, die man nun, Tage vor dem Release, mit großer Vorfreude erwartet.

Die wohl größte Überraschung ist dann aber doch die Perfomance des alten Songs „Sophie„. Ohne Mikrofone und Strom stehen sie dort zu sechst auf der Bühne, getaucht in das Licht eines einzelnen Scheinwerfers und spielen eine Akustikversion. Umso überraschender ist dabei aber die Reaktion des Publikums. In einem Land, in dem sich Besucher eines Konzertes nur zu gern lautstark äußerst undringende Geschichten während eines Konzertes erzählen müssen, ist das Gloria plötzlich ganz still. So still, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Ein überwältigendes Gefühl. Zum Ende des Songs steigt Fan für Fan langsam, ganz leise, murmelnd in den letzten Refrain ein. Das ist ein Moment, den man so schnell nicht mehr vergessen möchte. Der Bear’s Den als Liveband fast einzigartig macht.

Man muss dann doch etwas tiefer durchatmen, die Sache mit dem Berührenden und der Gänsehaut hat seinen Peak erreicht. Zum Glück spielen die Briten wenig später meine zwei Lieblingslieder „Red Earth & Pouring Rain“ und „Emeralds„, dessen Zeilen ich ein bisschen zu laut mitsingen muss, mich frei und sorgenlos fühle, und wenn es auch nur für diese zwei Songs sein mag.

Das neue Album „So that you might hear me“ erscheint am 26. April auf Communion Music.



Autorin & Photocredit: Anna Fliege