Der schwedische Produzent und Sänger Mei River veröffentlicht heute seine Debüt-Single „Her“ zusammen mit einem Video: ein beruhigender und lebendiger Indie-Pop-Track, der seine Liebe zum Rhythmus mit einer melancholischen Melodie verbindet.


Mei River über den Song: “It was a really cold day in Stockholm, mid-winter, below freezing. I spent all morning trying to write to the song until I gave up. On my way to grab lunch, I saw an old woman clinging onto a tree. She was shaking because of the cold, and she couldn’t walk because of how icy it was. I helped her to her apartment building. She told me her husband just passed away and how she was just waiting for her time. The song was done a couple of hours after that.”



Warum fällt es so verdammt leicht, sich so verloren zu fühlen? Das ist die schwerwiegende Frage im Kern der Songs, die Fredrik Eriksson unter dem Namen Mei River kreiert. Nachdem er jahrelang unkonventionelle Instrumentals für andere Künstler produziert hatte, beschloss er eines Tages, etwas gegen das quälende Gefühl zu tun, das ihn seit Jahren heimsuchte: eine schleichende Unzufriedenheit mit dem Lauf des Lebens und eine zunehmende Verwirrung über den Zustand der Welt. Er beschloss, erstmals seine eigene Stimme in Songs einzubringen, und am Ende hatte er etwas, das widerspiegelte, wie er sich fühlte: verloren, einsam und niedergeschlagen. Fredrik Eriksson singt oft darüber, nicht zu wissen, was er tut oder wohin er geht – ein Gefühl, das wohl jeder junge Mensch nachvollziehen kann, der mehr oder weniger ziellos in den unruhigen Gewässern des Post-Millennial-Zeitalters umherpaddelt.

Für Eriksson sind Songs seine Art Reha mit dem Ziel, die Zeit intensiven Stresses und der Verwirrung zu verarbeiten und hinter sich zu lassen. „Ich fühlte mich verloren und so fehl am Platz, dass ich nicht dachte, jemals wieder aus diesem Loch herauszukommen“, sagt er. Im Laufe der Zeit fand er jedoch einen Weg, darüber zu sprechen, auch wenn es über das Ende der Phase keine Klarheit zu geben schien. „Ich benutze die Musik, um Dinge zu sagen, die ich im wirklichen Leben nicht zu sagen wage“, erklärt er. „Anstatt nur zu sagen: ‚Ich bin traurig, Boohoo‘, versuche ich, meinen Gefühlen einen Raum zu geben, wo ich sie kanalisieren kann, anstatt Dinge direkt zu sagen.“

Auch wenn Eriksons Songtexte bisweilen einen recht furchtsamen und beunruhigenden Eindruck hinterlassen können, gilt dies nicht für seine Musik. Seine Songs sind einerseits traurig, andererseits aber auch farbenfroh und lebendig, üppig und lieblich. Sein DIY-Bedroom-Pop ist durchwirkt von Spurenelementen aus Exotik und Funk. Die Songs schimmern und leuchten, als ob jeder einzelne von ihnen in der „Golden Hour“ (jener kurzen, magischen Zeitspanne kurz nach dem Sonnenaufgang oder kurz vor dem Sonnenuntergang) aufgenommen worden wäre. Ausgestattet mit einer großen Erfahrung als Produzent experimentiert er wild mit prismatischen Gesangseffekten und ambitionierten Arrangements. Beim ersten Hören seiner Songs würde man allerdings nicht unbedingt vermuten, dass sie sich derart schwerwiegenden Themen widmen.

Es ist ein subtiler Trick, aber auch ein sehr nützlicher. Die Süße seiner Lieder mildert die Bitterkeit der in ihnen enthaltenen Emotionen – ein natürlicher Dualismus, der seiner Ansicht nach eine typisch schwedische Disposition ist. Dieser künstlerische Ansatz findet sich im Werk vieler musikalischer Größen aus der ganzen Welt. Seine Songs spiegeln die bittersüße Nostalgie von Sophisti-Pop-Größen wie Prefab Sprout, die stürmische Psychedelia von Tame Impala, den verdichteten Lo-Fi-Pop von Radio Dept. und sogar die wehmütig introvertierte elektronische Musik von Cashmere Cat wider. Seine Songs sind Teil einer langen Tradition, doch seine Auslegung ist voller Kraft und Energie. Er singt vom Gefühl der Überwältigung, doch die Schönheit der Musik widerspricht diesen Gefühlen – es klingt fast so, als würde er in Echtzeit lernen, dass es durchaus okay ist, sich verloren zu fühlen.

So verunsichert die Texte auch sein mögen, so vermittelt Erikssons Musik doch letztendlich eine Art Hoffnung und Frieden. In der Schönheit und Komplexität der Songs selbst präsentiert er einen Weg heraus unter den Lasten der Welt. Es ist vielleicht keine Landkarte nebst Handlungsanweisung für diejenigen, die sich in der Wildnis verirrt haben, doch auf gewisse Art und Weise ein Trost. Selbst wenn du verloren bist, gibt es Schönheit in deiner unmittelbaren Umgebung – du musst nur ein wenig genauer hinschauen.


Presse: Nordic by Nature / Foto: Masahiro Shimazaki