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Besser geht’s nicht! – Leoniden & „Again“

Besser geht’s nicht! – Leoniden & „Again“

Bereits nach dem ersten Anhören von Again wusste ich, dass diese Review eine der leichtesten und zugleich eine der schwersten für mich sein wird.


Ein Artikel von Dominik Huttner – Denn die richtigen Worte für meine Begeisterung zu finden, fällt schwer. Die Band aus dem hohen Norden hat mich in diesem Jahr im Sturm erobert und so sehnte ich dem Tag des Release seit Wochen aufgeregt entgegen.

Schon im Juni und mit der ersten Single „Kids“ konnte man ein Knistern in der Luft verspüren, das Großes erahnen ließ. Und auch die Folgeauskopplungen River, Alone und People bestätigten meinen Eindruck und sprühten nur so vor Raffinesse und Einfallsreichtum. Wer hätte gedacht, dass sich das sagenhafte Debüt der Kieler nochmals toppen ließe?

Mit Again wollten die Musiker um Frontmann Jakob keine Kompromisse eingehen. Im Interview verriet der Sänger, dass der Entstehungsprozess deshalb auch kein Kinderspiel war:


Wir haben beim Schreiben von „Again“ bestimmt drei Alben weggeschmissen.


Konzentriert man sich erstmal nur auf den musikalischen Aspekt, ist das neue Album deutlich homogener als das Debüt. „Wir haben uns mit dem Album nicht neu erfunden, weil wir uns auf dem ersten Album schon 12x unterschiedlich erfunden haben und machen damit genau weiter“, so Jakob. Again bietet clevere, handgemachte Musik, ist weniger experimentell, aber mindestens ebenso detailverliebt und echt wie beim ersten Mal. Die Songs klingen international und schreien nach der großen Bühne, nach großem Publikum und jeder Menge Action. Ein Album wie für die Bühne gemacht.

Die Leoniden sind innovativ und sie machen was ihnen gefällt, denn genau das kommt an. Ein bisschen rough, aber trotzdem authentisch, so lässt sich der Stil der Band auf dem neuesten Werk wohl am ehesten beschreiben. Es ist erstaunlich, (aber nicht verwunderlich) dass man mit nur 10 Songs in 1 1/2 Jahren einen derartigen Quantensprung hinlegen kann.

Und gibt es auch negatives nach so viel Bauchpinselei zu berichten? Natürlich kann man über Wandelbarkeit diskutieren. Über neue Facetten, welche die Band hätte zeigen können. Über ein größeres Spektrum mit mehreren Songs. Aber manchmal muss man die Kirche im Dorf lassen und stillschweigend akzeptieren, dass es einfach nichts zu verbessern gibt. Und das ist auch gut so.

Manch einer möchte behaupten, dass die Band aus dem hohen Norden zu ambitioniert sei, zu energetisch und aufgedreht. Dass sie zu übertrieben und zu wenig fokussiert an das Follow-Up herangegangen ist. Doch wenn wir ehrlich sind, können wir über jeden Funken dieser Energie glücklich sein. Wie viele Bands präsentieren uns in der heutigen Zeit, zum x-ten Mal, lieblos abgemischte Alben, bei denen ein Song wie der andere klingt, nur um die Kasse klingeln zu lassen. Leidenschaft – Fehlanzeige? Da richtet sich mein Dank an die Leoniden, die genau diesen Weg nicht einschlagen und sich dem Mainstream zuliebe verbiegen lassen.

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Again ist all das, was viele Bands jahrelang erfolglos versucht haben zu erschaffen. Es ist rund und liebevoll produziert. Man merkt jedem Song das absolute Herzblut an, dass die fünf Musiker hineingelegt haben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der stärksten deutschen Veröffentlichungen in diesem Jahr und die Fahrkarte für eine lange Reise.



Autor und Foto: Dominik Huttner

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