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BETAMENSCH & „Was Wir Waren“: Das Trennungshandbuch

BETAMENSCH & „Was Wir Waren“: Das Trennungshandbuch

Bei BETAMENSCH ging es die letzten Jahre drunter und drüber, aber immer der Nase nach. Nach dem ersten Drittel des Jahres 2019 ziehen Miguel und Johannes nach einigen Personaländerungen kurz eine Zwischenbilanz mit EP Nummer 2. Der Titel könnte dabei nicht treffender sein: „Was Wir Waren“. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Die vier Tracks lassen mich in einer kleinen Welle von Melancholie untertauchen. Dabei sind sie brandneu, unsere gemeinsame Geschichte ein ungeschriebenes Blatt. Doch es ist der Sound, der Vibe und auch die übermittelten Gefühle, die mir so vertraut vorkommen.

BETAMENSCH klingen nach meinen Jahren 2013 und 2014. Jetzt nicht auf eine eingestaubte Art, eher auf die nostalgische. Musikalisch wie thematisch. Weil ich in ihnen Ähnlichkeiten entdecke, die ich bei den frühen Heisskalt, den mittleren Jennifer Rostock und den neuen Donots verorten würde. Gitarrenmusik mit treibenden Riffs und Songtexten, die wie Blaupausen auf’s Leben passen.

Was Wir Waren“ ist eine Trennungs-EP wie aus dem Bilderbuch. Danach schreit der Name und die vier enthaltenen Songs noch viel mehr, ebenso der Aufbau. Denn wer sich schon einmal im Bereich der Psychologie mit den Phasen der Trauer beschäftigt hat, wird in der BETAMENSCH-EP eben dieses Muster finden: Verneinung, Wut, Akzeptanz, Loslassen.

Opener „Halt Mich“ ist der verzweifelte Versuch, einen Menschen nicht gehen lassen zu müssen. Wir waren alle schon einmal an diesem Punkt, machen wir uns nichts vor. Miguel und Johannes verpacken die schmerzende Sache in Mitgröhl-Parolen. Damit man diese Phase live noch einmal so richtig fühlen kann, umgeben von Nebel und Stroboskoplicht in einem kleinen Klub.



Mit „Wie Weh“ treten wir in eine Zwischenphase ein. Die Realisation ist eingetreten, „doch lass ich nicht los von dir„. Melodisch ist das Ganze zum Glück so konzipiert, dass man loslassen möchte – um in den garantierten Moshpit zu springen und den im Herzen wegzutanzen.

Alle guten Dinge sind 3: „Nur Gewinner“ ist dunkler und schwerer als seine Kumpanen und dabei ziemlich geil! Der Protagonist ist mittlerweile bei der Erkenntnis angelangt, dass es vorbei ist, die Bitterkeit ist spürbar. Und um den Frust rauszulassen, schreit Miguel in der Bridge so richtig schön energisch ins Mirko.

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Wir hol’n das Glück zurück“ heißt beim vierten und letzten Song „Nie Mehr“ optimistisch. Der Titel spricht Bände, oder? Willkommen in Phase vier unseres Trennungsprozesses. Wie man schon vermuten könnte, lassen wir den Verflossenen hinter uns, blicken nach vorn.

Dieser Neustart ist ein tolles Versprechen. An sich selbst, an die Fans, an die Zukunft. BETAMENSCH legen uns mit „Was Wir Waren“ selbstbewusst eine 1a durchdachte EP vor die Nase, die man an der ein oder anderen Stelle im Leben sicher noch einmal gebrauchen oder weiterempfehlen kann.


BETAMENSCH live

26.04. Hamburg, Astra Stube
30.05. München, StuStaCulum
31.05. Buxtehude, Altstadtfest
14.06. Rottershausen, Lutzi! Festival
05.07. Nürnberg, Südstadtfest
20.07. Gauting, Kulturspektakel


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Matti Bruckner

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