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Blood Red Shoes & „Get Tragic“: Dramatisch neu

Blood Red Shoes & „Get Tragic“: Dramatisch neu

Blood Red Shoes sind aus ihrer Quasi-Auszeit zurück. Schon vor zwei Jahren deuteten die Veröffentlichungen von „Eye to Eye“ und „Bangsar“ an, dass ein fünftes Album auf dem Vormarsch sei. Doch dauerte es bis zum Januar 2019, um „Get Tragic“ endlich in seiner Endfassung in den Händen halten zu können. Hat dem Brighton-Duo diese Zeit gut getan?


Ein Artikel von Anna Fliege – Man konnte seine Uhr danach stellen, es als eine simple und feste Regel verstehen: jedes zweite Jahr würde ein Blood Red Shoes-Album erscheinen. Die Rechnung ging zwischen 2008 und 2014 hervorragend auf, vier Alben versetzen die immer größer werdende Fanscharr in Extase. Auf Festivals wurden sie zum ultimativen Geheimtipp und Sängerin Laura-Mary Carter zur absoulten Traumfrau der Alternative-Szene. 2016 suchte man allerdings vergeblich nach musikalischen Lebenszeichen.

Die Singleveröffentlichungen begannen 2017 erneut, Spekulanten errechneten das mögliche Releasedatum, der Name Blood Red Shoes tauchte in etlichen Festival-Foren in der Gerüchteküche auf. Doch statt es Hals über Kopf zu versuchen, ließen sich Laura-Mary und Steven bis jetzt Zeit. „Get Tragic“ heißt ihr fünfter Longplayer. Es ist der Verkünder einer neuen Phase. Und weil so viel Zeit vergangen ist, kann dem Duo niemand übel nehmen, dass sie heute anders klingen.

Ist der Beginn des Albums noch verrucht und geheimnisvoll, voller Synthesizer und Gitarren, die sich charmant im Hintergrund halten, schaltet die Stimmung mit „Bangsar“ und Stevens ersten  schlagartig um. Laut, rau, roh – in your face.

In der Albumsmitte wird es ziemlich düster. Melodien, die einen schnell in die für das Album konzipierte Welt zerren. Texte über negative Erlebnisse und Gefühle. Features mit The Wytches, Ed Harcourt und Clarence Clarity. Hier wird gefühlt alles verarbeitet, was sich in den letzten Jahren angestaut hat. Und dann kommt „Howl“ um die Ecke, um die Stimmung aufzuhellen. Ein Vorzeigesong für den neuen Sound, elektronisch und wild.

Nach dem Interlude schlussendlich noch ein Trio aus potentiellen Lieblingstracks, bevor „Get Tragic“ zu Ende ist. „Anxiety“ lässt alte Indie-Rock-Fans aufjubeln. „Vertigo“ ist wunderbar dramatisch und „Elijah“ wie die Zusammenfassung aller beeindruckenden Elemente des Werkes.

Get Tragic“ ist erst einmal ein Album, dass die grau-nass-kalte Stimmung vor dem Fenster erträglicher macht. Und dann ist es ein Album, das nach Live-Auftritten schreit. In dunklen, verschwitzen Klubs, in denen man die Realität für ein paar Stunden vergisst. Für nächtliche Festivalauftritte, bei denen man die langsam anschleichende Sommernachtskälte verdrängt und um sein Leben tanzt und springt.

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BLOOD RED SHOES live

04.02.2019: Hamburg, Molotow – ausverkauft
05.02.2019: Berlin Privatclub – ausverkauft
31.05-01.06.2019: Dortmund, Way Back When Festival


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Blood Red Shoes

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