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Bombay Bicycle Club & „Everything Else Has Gone Wrong“: Das Comeback, das wir brauchten!

Bombay Bicycle Club & „Everything Else Has Gone Wrong“: Das Comeback, das wir brauchten!

An diesem Freitag hört man das Indieversum kollektiv aufatmen: Das Vierergespann von Bombay Bicycle Club ist aus der mehrjährigen Pause zurück und startet mit „Everything Else Has Gone Wrong“ in eine neue Dekade der Euphorie.


Ein Artikel von Anna Fliege – Sagt man nicht, die Liebe käme, wenn man gar nicht damit rechnen würde? Nun, wenn ich etwas mit dieser starken Emotion gleichsetze, ist es zweifellos ein Bombay Bicycle Club-Comeback. Damit hatte ich ehrlich gesagt schon traurig gestimmt abgeschlossen. Das letzte Konzert aus dem Sommer 2014 auf dem Hurricane Festival ins schönste Marmeladenglas vakumiert. Die vier Studioalben für die Ewigkeit in mein Herz geschlossen.

Erst war es nur ein verheißungsvoller Post vor ziemlich genau einem Jahr. Monate später die erste Single. Und dann waren sie plötzlich wieder da: Jack, Ed, Suren, Jamie. Als hätte sich nie etwas verändert – außer Frontmann Jacks Frisur vielleicht. Dabei trifft der Titel des neuen Albums – ähnlich wie der Vorgänger („So Long, See You Tomorrow“) – die letzten Jahre ziemlich gut auf den Punkt: „Everything Else Has Gone Wrong„.



„I’m floating in a dream“

Doch nun ist endlich alles gut. Opener „Get Up“ entpuppt sich als auditive Darstellung meiner Emotionen, die ich beim Hören des Albums spüre. Gleich mehrere Songtitel spiegelt meine Gedanken währenddessen wider: „Is It Real?“ – „I Can Hardly Speak“ – „Good Day„.

Hinter den so passend zu scheinenden Namen verbergen sich tiefergehende Themen. Persönliche, gesellschaftliche. „The melting ice caps in my dream made me stop and think about / Think about time running out“ singt Jack in „Good Day„. Dort beklagt sich das lyrische Ich nicht nur über den Klimawandel, sondern ebenso den eigenen Verfall („First my looks and now my friends, day-by-day, I’m losing them, losing them, losing collagen„) und die Zwänge des Kapitalismus („I would quit my job if I had a job / If I had a job then I would have everything I want„). Verpackt im typischen BBC-Sound, der frei und fröhlich klingt, verharmlosen die Worte zum Glück für den Moment und zaubern dem Hörer trotz Krisen ein Lächeln auf die Lippen.

Die „düsteren“ Songs (also Bombay Bicycle Club-düster, nicht otto normal-düster), darunter „I Worry Bout You“ und „Do You Feel Love„, geben dem Album Tiefe, die langsame Synth-Ballade „Racing Stripes“ bringt die nötige Portion Melancholie mit und Leadsingle „Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)“ ist der monatelange Ohrwurm, von dem man nicht genug kriegt.



„Awkward hearts beating faster and faster“

Es sind die zeitllosen, organischen Arrangements, welche Gitarren-Indie auf diese einzigartige Bombay Bicycle Club-Weise mit Folklore, Electro und Post-Punk verbinden, die der Musikwelt in den letzten Jahren gefehlt haben. Die unvergleichliche Energie, die nach einem ewigen Frühling klingen und Herzen im Handumdrehen zum Tanzen und Taumeln bringen.

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Everything Else Has Gone Wrong“ ist ein würdiger Wiedereinstieg für die Londoner, die gar nicht erst versuchen, sich aktuellen Trendprognosen anzupassen, sondern ihrem einmaligen Vibe treu bleiben.



BOMBAY BICYCLE CLUB LIVE

15.03.2020 München – Backstage Werk
18.03.2020 Berlin – Huxleys
24.03.2020 Köln – Live Music Hall
25.03.2020 Hamburg – Docks


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Josh Shinner

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