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Catfish and the Bottlemen & „The Balance“: Gereift und optimiert

Catfish and the Bottlemen & „The Balance“: Gereift und optimiert

Ihr Debüt war ein Segen, das gefürchtete zweite Album ihr bisher größter Erfolg. Nun veröffentlichen Catfish & the Bottlemen mit „The Balance“ ihren dritten Longplayer und müssen ihre hochgelobte Position am Britrockhimmel verteidigen. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Als ich die Band 2015 zufällig entdeckte, galten sie noch als Geheimtipp – doch das sollte sich wenig später drastisch ändern. Ihr Debütalbum „The Balcony“ wurde bereits in den Himmel gelobt und zählt heute zu meinen #alltimefavourites. Das Folgewerk „The Ride“ machte Indie-Rock in Großbritannien wieder massentauglich.

Schnell kletterten Van McCann und seine Freunde in den heimischen Festival-Line-Ups von ganz unten auf die vorderen Plätze, Touren verkauften sich innerhalb weniger Wimpernschläge aus, wurden größer und größer und noch größer. Dass sie seither ein seltener Gast auf deutschen Boden sind, verzeiht man ihnen dabei beinahe. 

Nun also ein drittes Album – mit riesiger Vorfreude, aber auch riesiger Erwartungshaltung. Catfish and the Bottlemen sind 2019 an einem Punkt, an dem sie ihre Position verteidigen müssen, den Hype aufrecht halten. Und was soll man sagen: es ist ihnen gelungen. Mit Bravour. 

Das wusste man bereits nach dem ersten Hören von „Longshot“, das nur vor der Albumankündigung Anfang des Jahres erschien. Während viele Bands in dem CATB-Dunstkreis über die Zeit Richtungen gewechselt haben, blieben die Waliser ihrer Linie treu, optimierten sie, verfeinerten die unique selling points. Aber Obacht, der Song ist so ein hartnäckiger Ohrwurm, der sich mit einzelnen Zeilen im Kopf festsetzt: 

„Every once in a while, the little things make me smile“



Das sind die melodischen Indie-Gitarren, die mal breite Riffs, aber auch akzentuierte Klänge, die man noch Stunden nach dem Song vor sich hin dudelt. Melodien, die an das vergangene Jahrzehnt auf der Insel erinnern. Dabei aber widerum eine Leichtigkeit mit sich bringen, die nach kalifornischem Surfrock klingt. Die prägnante Bassline, das treibende Schlagzeug. Und Vans einzigartige Stimme, die jeden der Songs nach der ersten Zeile unverkennlich zu einem Catfish and the Bottlemen-Song machen. 

Was auf Albumlänge auffällt, ist dass „The Balancean vielen Stellen weniger verspielt als seine Vorgänger klingt. Und dann macht der Titel auch irgendwie Sinn: Die Balance halten also. „Fluctuade“ ist wie „Overlap“ gereifter Rock, der Songs von „The Balcony“ fast wie Kaugummi wirken lässt. „2all“ eine Finesse aus Melodien, die in ausartende Gitarrensoli gehüllt wird. Tracks wie „Sidetrack“ und „Coincide“ landen schon nach einem ersten Hören in der Favoritenliste.

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So gut das dritte Studioalbum der Viererkombo auch ist, so könnte man ihnen zwei Dinge ankreiden: zum einen ist es das überraschende Wegbleiben einer politischen Note. Das ist selbstverständlich kein Must Have, aber in Zeiten von Brexit und Konsorten doch überraschend. Zum anderen ist es der von mir gelobte unverkennbare CATB-Sound, der auf 11 Songs verteilt immer wieder schwächere, monotone Momente hat. Keine allzu langen oder prägnanten, aber sie existieren. Für Fans der Waliser sollte das aber kein allzu großes Problem sein, schließlich ist es Meckern auf hohem Niveau.

Doch wieso verändern, was funktioniert? Auch mit „The Balance“ werden sie wieder Hallen und Festivalplätze füllen, um sich von glücklichen Menschen mit in den Himmel gestreckten Armen ihre eigenen Songs ins Gesicht schreien zu lassen. Weil sie sich mit ihrer Musik ein Markenzeichen etabliert haben, das heute als Vorbild für andere junge Gitarrenbands von der Insel gilt. Sie sind kein Geheimtipp, keine Newcomer mehr. Sie gehören zum Etablissement der britischen Musikkultur.



CATFISH AND THE BOTTLEMEN live

18.05.2019: Berlin, Huxley’s


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Universal Music

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