„What’s it like over there?“ fragen Circa Waves mit dem Titel ihres dritten Studioalbums. Doch heute geht es nicht um „da drüben“, heute ist sind die Liverpooler Indierocker endlich wieder hier. Mit ihrem selbstbewussten Mix aus Indie-E-Gitarren und Pop-Akzenten bringen sie das Kölner artheater zum ausgelassenen Tanzen.


Ein Artikel von Anna Fliege – Es ist Sonntag, der Tag der Zeitumstellung. Ein heftiger Temperaturfall lässt die Domstadt am Rhein frösteln, am frühen Abend ist es plötzlich stockduster. Doch ein Gutes hat das Ganze: Herbstzeit bedeutet Konzertzeit. Und was gibt es da Besseres, eine Woche mit einem kleinen, energiegeladenen Indie-Konzert abzuschließen?

Das artheater am Ehrenfelder Bahnhof zählt seit Jahren zu meinen Lieblingslocations, ist irgendwie anders als die anderen und deshalb so besonders. So nah kommt man seinen Lieblingsbands in heutigen Zeiten nur allzu selten. Aber heute, ja heute soll es wieder soweit sein. Konzerte auf deutschem Boden sind für Circa Waves in den letzten Jahren zu einer Seltenheit geworden, doch dank glücklicher Zufälle ist es bereits das zweite Kölner Konzert des Quartetts, das ich in diesem Jahr besuche.

Im Frühjahr machte ihr Support-Slot für das The Wombats-Konzert in der Live Music Hall, unweit des artheaters, das Konzert zu einer doppelten Freude. Dass Circa Waves selbst ein ebenso gutes Händchen für Warm-Up-Bands haben, kristallisiert sich schnell heraus. Gegen 20 Uhr betreten Boniface aus dem kanadischen Winnipeg die Bühne und erobern im Handumdrehen mein Herz. Euphorischer Synth-Pop mit Sing-Along-Refrains und dem unentwegten Drang, zu den teils noch unveröffentlichten Songs zu tanzen. Es ist Liebe auf den ersten Ton.



Kurze Umbaupause auf der winzigen Bühne, auf der die Instrumente kaum genug Platz finden, auch ihren glitzernden Schriftzug muss die Band verpackt lassen. Eine Absperrung gibt es nicht, zwischen Publikum und Band gibt es einen etwa kniehohen Höhenunterschied. Schon verrückt, wenn man bedenkt, dass Circa Waves in der britischen Heimat Konzertstätten füllen, die 4-5x so groß sind. Umso unvergesslicher dieser Abend, denn, wie ich bereits damals in meinem Artikel zum The Wombats-Konzert euphorisiert schrieb: „Ich oute mich als Superfan…„.

Das artheater versinkt in rotem Licht, die mit Indie-Hits gefüllte Playlist, zu der die ein oder andere Gruppe im Raum laut und freudig mitgesungen hat, verstummt. Das erste Gitarrenriff erklingt, gehört zum Song „Wake Up„, wie passend. Mit „Fossils“ schieben sie direkt einen Klassiker ihres Debütalbums „Young Chasers“ hinterher. Zwischen den Songs verliert Sänger Kieran keine unnötigen Worte, bringt das Publikum lieber mit seinen komödischen Einlagen zum Lachen. Sollte die Band mal eine kreative Pause einlegen, braucht dieser man ein Stand-Up Comedy-Programm!

Für ihr neustes Album „What’s It Like Over There?“ lernte Bassist Sam extra Klavierspielen und für einen Song, „Times Won’t Change Me„, kommen wir sogar live in den Genuss seines neusten Talentes.



Die Setlist füllt sich gleichmäßig mit Songs der letzten drei Alben, die Stimmung des Publikums spiegelt die gute Laune wider. Meine persönliche Laune erreicht ihren Höhepunkt, als die ersten Klänge von „Sorry I’m Yours“ erklingen. Auf ruhige Zeilen folgen schwere, laute Gitarrenriffs – der typische Circa Waves-Sound, den ich so liebe.

Fast am Ende des Konzertes angekommen, fordert Kieran das Publikum auf, einen großen Kreis zu bilden, es wird Zeit für einen Moshpit. Und mit „Goodbye“ (schon wieder: wie passend) lässt sich das problemlos umsetzen. Das Abschiednehmen wird mit „The Way We Say Goodbye“ noch einmal richtig emotional, bevor Circa Waves mit ihrer 2015er-Indie-Hymne „T-Shirt Weather“ den Abend fulminant abschließen.



CIRCA WAVES live

28.10.2019: Hamburg – Molotow
29.10.2019: München – Hansa39
30.10.2019: Berlin – Musik & Frieden


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Janis Hinz