Vor wenigen Wochen begeisterte uns ihr neues Album „Tell Me How You Really Feel“ (Link zur Review) und nun hatten wir das Vergnügen, das australische Indie-Talent Courtney Barnett hautnah zu erleben. Es ist eins ihrer raren Deutschland-Konzerte, das am Mittwochabend in der kultigen Köln-Ehrenfelder Live Music Hall beheimatet ist.

Als Support hat sich Courtney das Trio Loose Tooth aus Melbourne mitgebracht, die wie angegossen in das Setting des Konzertes passen. Schön schrammelige Gitarren, lauter Garage-Pop, der Aussie-Akzent – hier ist alles abgestimmt. Bassist Luc, Drummerin Etta und Gitarristin Nellie wechseln sich beim Gesang ab und bringen das bunte Publikum der Live Music Hall zum fröhlichen Kopfnicken, vereinzelt tanzen die Menschen sogar schon mit einem Bier in der Hand, hier und da springt jemand im Takt.

Nach einer kurzen Pause im hauseigenen Biergarten ist die freudige Anspannung dann über alle Köpfe hinweg spür- und sichtbar. Es soll ein besonderer Abend werden. Zum einen, weil das heutige Konzert Anlass für eine ungewöhnliche Zusammenkunft unterschiedlichster Altersgruppen ist, bei der die sonst so dominierende U30-Studenten-Fraktion sich zurückhält. Durch die Bank weg ist hier jeder ein bisschen alternativ, die Stimmung entspannt.

Als sich die Bühne in „Tell Me How You Really Feel„-rotes Licht taucht, jubelt die Live Music Hall begeistert los. „Take your broken heart, turn it into art„. So beginnt unsere Reise durch ihr neues Album mit dem Opener „Hopefullessness„. Statt aufwendig konstruierten Setlists präsentiert uns die kleine Australierin mit der verwuschelten Frisur ihren neusten Longplayer in Tracklist-Reihenfolge – komplett! Wo gibts denn noch so was? Genial!

Courtney, zu deren Fans auch Persönlichkeiten wie Ex-Präsident Barack Obama gehören, braucht nicht viele Worte zwischen den einzelnen Songs, um die Leute bei Stimmung zu halten. Bei „Nameless, Faceless“ singt ein Großteil der Gäste mit, „I’m Not Your Mother, I’m Not Your Bitch“ ist live nochmal viel rotziger und brilliant.

Doch wer jetzt glaubt, Courtney Barnett hätte einfach nur ihr neues Album runtergespielt und wäre dann wieder hinter der Bühne verschwunden – ne. Nach „Sunday Roast“ befinden wir uns gerade einmal auf der Hälfte der Setlistlänge. Jetzt kommen die älteren Songs, Glanzstücke wie „Avant Gardener„, „History Eraser“ und „Elevator Operator„.

Insgesamt schenkt sie uns ganze 19 Songs zum Tanzen, Singen, Spaß haben. Wenn sich das nicht gelohnt hat, weiß ich auch nicht weiter. Sie schafft so den perfekten Spagat zwischen neuer Musik und den Songs, mit denen sie hier vor ein paar Jahren Bekanntheit und eine Fanbase erlangte. Jeder hier, ob nun seit gerade eben Fan oder schon seit des Debüts, findet so sein persönliches Konzert-Glück. Hut ab!

Zum Schluss reißt Courtney die Live Music Hall schließlich mit meinem persönlichen Lieblingslied „Pedestrian at Best“ einfach ab. Wildes Rumgespringte und kollektives „Give all your money, and I’ll make some origami, honey!„-Mitgegröhle.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Nina Paul

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