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Dendemann & „da nich für!“- ehrlicher Rap zum um die Ecke denken

Dendemann & „da nich für!“- ehrlicher Rap zum um die Ecke denken

Das Warten hat sich gelohnt. Auf die Frage, warum er fast neun Jahre für sein neues Album gebraucht hat, reagiert Dendemann genauso verwirrt wie der Fragende. Er wäre nie so ganz zufrieden gewesen, das Ergebnis wäre zwar ok, aber irgendwas hätte gefehlt. Hört man sich seine neue Platte „da nich für!“ (via Vertigo Berlin (Universal Music)) an, kann man Vergangenheits-Dende nur auf die Schulter klopfen für so viel Voraussicht. Das Feilen, Polieren und dran Rumschrauben hat sich mehr als ausgezahlt und herausgekommen ist ein Album, das gleichzeitig mit Leichtigkeit und inhaltlichem Gewicht glänzt.


Ein Artikel von Lisa Schulz – Auf „da nich für!“ erzählt Dendemann Geschichten, liefert Rap mit Hintergrund, Meinung und Themen, die dem Zeitgeschehen entsprechen, und hebt sich genau damit ab. Dendemann, der seit den 90ern fester Bestandteil der deutschen Hip-Hop-Kultur ist, ist noch immer originell, orientiert sich an seiner Umgebung und dem aktuellen Geschehen und trifft mit seinen Texten genau deswegen direkt ins Schwarze.

Auf seinem neuen Album hat er sich Unterstützung von alten Bekannten und aktuellen Größen der Szene geholt. Bei „Alle Jubilare wieder“ rappt er gesellschaftskritisch über den vorherrschenden Hedonismus, die „Scheiß egal“-Einstellung der Gesellschaft und die Verdrängung von Verantwortung. Zeilen wie „Diese miese Welt werden wir heute nicht mehr ändern. Alles, was wir machen können, sind ein paar Kreuze im Kalender.“ oder „Immer gut drauf und nicht selten ohne Plan.“ tun erst einmal weh, weil sie so ehrlich sind.

„Zeitumstellung“ ist ein Track gegen Rechts, fürs Stellung beziehen und Menschlichkeit. Dendemann haut hier in zwei Zeilen so viel Sinn heraus, dass man sich den Song mindestens dreimal anhören muss, um auch jedes Wortspiel zu verinnerlichen. Begleitet wird er hierbei von Teutilla, besser bekannt als Arnim Teutoburg-Weiß, Sänger und Gitterrist von den Beatsteaks.

Auch der Abräumer 2018 ist mit im Boot: bei „Littbarski“ hört man ab der ersten Sekunde Trettmann heraus. Die Kombination aus Hip-Hop und Trap, Auto-Tune verzerrter Stimme von Trettmann und Dendemanns Reibeisenstimme passt perfekt.

Da Dendemann sich bei seinem neuen Album von Song zu Song gearbeitet hat, fällt es auch nicht schwer die Zusammenhänge zwischen diesen zu ziehen. So ist „Zeitumstellung“ ein Lösungsansatz für die Thematik von „Keine Parolen“, indem es heißt: „Unser Rückgrat ist stufenlos verstellbar.“. Doch Dende kann auch selbstkritisch, wie er auf „wo ich wach bin“ zeigt, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass es ausreicht, wenn man einfach man selbst ist, wie beim Opener „ich dende also bin ich“.

See Also

„da nich für!“ Ist nicht nur ein Album, es ist ein Suchbild von Reimen und Sprüchen, von verwinkelten Bedeutungen, schlauen und ehrlichen Texten, bei denen man um die Ecke denken
muss. Es ist ein Album, das man mehrmals hören muss (und auch möchte!), weil es so viele Ebenen gibt, so viele Wortwitze und Hintertürchen, die sich einem erst nach und nach erschließen.
Auch nach so vielen Jahren Pause ist und bleibt Dendemann ein Original – echt, ehrlich und wortgewandt.


04.02. Hannover – Capitol
05.02. Bremen – Pier 2
06.02. Osnabrück – Hyde Park
07.02. Dortmund – Warsteiner Music Hall
09.02. Münster – Skaters Palace
10.02. Frankfurt – Batschkapp
11.02. Heidelberg – halle02
12.02. Stuttgart – Im Wizemann
13.02. München – Tonhalle
16.02. Karlsruhe – Substage
17.02. Köln – Carlswerk Victoria
18.02. Wiesbaden – Schlachthof
23.02. Dresden – Reithalle
25.02. Leipzig – Werk2
26.02. Hamburg – Mehr! Theater
27.02. Hamburg – Mehr! Theater
28.02. Berlin – Columbiahalle


Foto: Nils Mueller

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