Seit Ende der 80er ein Name im Musikgeschäft, überzeugt sie nun mit Dub und gewohnten Trip Hop Sounds, viel Liebe und einem Statement ihre Zuhörer.


Ein Artikel von Nina Paul – Mit „Buffalo Stance“ fing es groß an, über „7 Seconds“ braucht man nicht viel sagen, so sind ihre Songs auch heutzutage noch in aller Munde oder besser Ohren. Nun veröffentlichte die mittlerweile 54jährige Neneh Cherry ihr neues Album „Broken Politics“ via Smalltown Supersound (Rough Trade). Vier Jahre nach ihrem Comebackalbum „Blank Project“, welches lauter und wütender klang, scheint die Schwedin eine gewisse Ruhe und Sortierung gefunden zu haben.

Immer wieder für gute und überraschende Sounds und Texte bekannt, steht sie auch diesmal wieder ihre Frau und lässt auf ihre Art und Weise eine Sorte von Protest erklingen.

Wie es schon der Name ihres fünften Albums „Broken Politics“ anpreist, sind die 12 Songs voller Meinungen über das politische und gesellschaftliche Sein bzw Geschehen, alles verpackt in einem Soundgebilde aus Dub und Trip Hop.

Die Rückkehr zur Liebe und Gemeinschaft ist somit ein wichtiger Baustein ihres neuen Werkes. Ist es den nun wirklich ein Protestalbum? Wenn ja, dann ein ruhiger mit der Aussage, dass die Liebe mehr walten sollte. Auf jeden Fall hat Neneh Cherry eine feste Meinung, äußert diese und fordert indirekt auf.

In ihren Songs scheint sie zu den Zuhörern zu sprechen und strahlt vor allem durch die musikalische Umsetzung eine Ruhe aus. Sie bringt durch ihren Sound die Langsamekeit zurück ins Leben, es ensteht mehr Kraft durch weniger Stress.

Tiefsinnig und nachdenklich, aber auch mehr dem Protestgendanken zugewandt, zeigt sich der Track „Kong“, welcher von 3D von Massive Attack aufgenommen wurde und handelt von den Geschehnissen im Flüchtlingslager von Calais.
Bei „Synchronized Devotion“ gab es dann auch tatkräftige musiklalische Unterstützung von einem alten Weggefährten ihres Vater. Der über 80jährige Karl Berge, ein bekannter Avant-Jazzmusiker, gab hier mit seinem Vibrafon dem Song einen besonderen Touch.
„Fallen Leaves“ symbolisiert schon als Eröffnungssong von „Broken Politics“, was Neneh Cherry im Ganzen aussagen möchte: „Just because I’m down/Don’t step all over me.“

Die Schwedin scheint mit diesem Album eine gewissen Ruhe gefunden zu haben und strahlt dies in ihren durchdachten Texten aus.
Instrumental sehr einfangend, so hört man auch immer wieder die Harfe in ihren Stücken (wie bei „Soldiers“), entstand ein Gesamtpaket, welches einfach zusammenpasst.

Manchmal muss es nicht laut sein, um einen Umbruch im Denken zu starten – Danke, Neneh Cherry und „Broken Politics“!


Autorin: Nina Paul / Foto: Wolfgang Tillmans