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Der WOW-Effekt: Charlie Barnes in Köln

Der WOW-Effekt: Charlie Barnes in Köln

Mit einem breiten Grinsen, floralem Jacket und Gitarre bewaffnet betritt Charlie Barnes gemeinsam den kleinen Raum des Kölner Blue Shells. Statt direkt zur Bühne zu laufen, beginnt er und seine Zwei Mann-Band inmitten der vor Freude strahlenden Fans mit dem Konzert. Für Bastille-Fans ist der 28-Jährige längst kein unbekanntes Gesicht mehr. Seit 2015 fungiert der Multi-Instrumentalist live als ergänzendes 5. Bandmitglied der britischen Indie-Band. Nebenbei ist er Sänger der Band Amplifier und arbeitet zudem immer wieder an seinem Soloprojekt, so auch heute Abend.

Köln ist am heutigen Donnerstagabend der letzte Tourstop seiner Europa-Solotour. Die drei wirken, wenn auch ein bisschen erschöpft, überglücklich. Irgendwie herrscht hier eine ganz besondere, sehr intime Stimmung. Der Laden ist klein, die Band ebenso, man lacht gemeinsam. Der fehlende Drummer in der Band verzaubert sowohl die Songs von Charlies Debütalbum „More Stately Mansions“ als auch die Songs von „Oceanography„, das erst vor 2 Monaten erschien, irgendwie. Die Versionen weichen teils stark von denen der Alben ab und geben dem Livekonzert so eine ganz besondere Note.

Im Mittelpunkt des Abends stehen sowieso nicht die Instrumente, sondern ohne Frage Charlies Stimme. Wenn man den immer zu strahlenden Briten so sieht, mag man fast gar nicht glauben, welch starkes Gesangsorgan er besitzt. Nach jedem Song gibt es kleine Anekdoten, Tourgeschichten, einen Witz und sobald er das nächste Lied beginnt, kommt sie wieder und immer wieder: Gänsehaut. Gänsehaut und die Erkenntnis, dass auf dieser kleinen Bühne im Kölner Süden ein wahnsinnig talentierter Mann steht, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Die Instrumente wandern umher, mal spielt er Gitarre, dann sitzt er am Klavier, auch Bass und E-Gitarre wandern fröhlich von A nach B. Und mittendrin ein wahres Hitfeuerwerk, als zuerst die neuste Single „Bruising“ angestimmt wird und darauf direkt folgend „Will & Testament“ (leider ohne die Vocals von Bastille-Sänger Dan Smith, die sich in der Originalversion finden) in der Setlist auftaucht. Mit „All I Have“ ist das „Oceanography“-Hit-Trio komplett und die Stimmung erste Sahne.

Der Mann aus dem Hintergrund im Mittelpunkt – das steht ihm zugegebenermaßen ziemlich gut. Mit seinem britischen Humor wickelt er die Leute ohne Probleme um den Finger, gibt sich selbstironisch und von der ersten bis zur allerletzten Sekunde spürbar dankbar.

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Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner

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