Bis in die allerletzte Ecke des Palladiums scharen sich die Besucher des heutigen Konzertes zusammen, das Palladium ist ausverkaufter als ausverkauft. Lücken in der Masse gibt es nur da, wo die sperrigen Stahlträger der ehemaligen Maschinenbauhalle die Sicht versperren. Erst im Mai spielte Dermot Kennedy hier, die Nachfrage so enorm, dass bald schon eine Herbstankündigung kam. Und wieder macht er die Bude voll.


Ein Artikel von Anna FliegeDermot Kennedys Erfolgsrezept setzt sich dabei aus Kompenenten wie seiner starken, überwältigenden Stimme und den so zarten, verletzlichen Worten zusammen. Und auch, wenn es traurige Sänger mit kratzigen Stimmen wie Sand am Meer gibt, sticht der Ire doch besonders hervor. Anfang Oktober erst veröffentlicht er sein offizielles Debütalbum „Without Fear„, ist seit spätestens diesem Jahr mit seinen Erfolgsnummern „Power Over Me“ und „Outnumbered“ nicht mehr aus Radioplaylists und Chartlisten wegzudenken. Weit weg von Geheimtipp und Underdog, Titel, die er endgültig ablegen konnte.

Dementsprechend formt sich auch sein Publikum. Ein Mehrgenerationenkonzert. Leute, die so in den Bann gezogen werden von den Gitarrenriffs und musikalischen Gefühlsausbrüchen, dass sie das „sehr laut während eines Konzertes unfassbar unwichtige Geschichten erzählen“ fast komplett vergessen.



An Evening I Will Not Forget“ eröffnet das 15 Song-starke Set des lang ersehnten Konzertes und was soll ich sagen, passender könnte der Opener es nicht beschreiben. Die ersten Zeilen schon verursachen Gänsehaut en masse. Und würde seine Stimme nicht an der ein oder anderen Stelle mal kurz ausbrechen, so könnte man fast vermuten, es handle sich um ein Playback-Konzert. Nicht, weil Kennedy nicht performen kann – nein, weil seine Stimme live mindestens genauso überwältigend und kraftvoll ist, wie wir es seit Monaten von Studioversionen kennen.

Zwischen den Tracks gibt der Sänger sich überraschend gesprächig, betont mehrfach seine Dankbarkeit, gibt Anekdoten zu den folgenden Songs zum Besten. Während der einzelnen Tracks lädt er seine Gäste immer mal wieder ein, mitzusingen. Und die antworten prompt mit einer hohen Textsicherheitsquote. Bei „Moments Passed“ und „For Island Fires and Family“ wird der Kloß im Hals besonders groß. Im Publikum wird geknutscht, verträumt von links nach rechts geschunkelt, irgendwo kämpft jemand mit den Tränen.

Dermot Kennedy geht direkt ins Herz, legt sich wie Gänsehaut darüber. Das große LED-Bühnenbild zeigt mal filmerische Szenen, große Liveaufnahmen des Sängers und verwandelt sich zum Titeltrack „Without Fear“ schließlich in ein Sternenmeer.

Zum Abschluss gibt es natürlich für das vor Euphorie jubelnde und klatschende Publikum „Power Over Me„, der fast ein bisschen untergeht und noch mehr explodieren könnte. Aber trotzdessen glänzt Dermot Kennedy mit herausragenden Livequalitäten. Beim nächsten Mal wird er wohl in die Arena einige Kilometer ziehen, denn der Hype um den Sänger mit der Reibeisenstimme wird für die nächste Zeit wohl kaum abbrechen.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner