Ihre Songs sind häufig düster, britischer Indie-Rock vermischt sich mit Dark Wave und Post-Punk – die Editors sind mit dem, was sie bereits seit ihrer Gründung 2002 machen, ziemlich einzigartig. Und so einzigartig, das bewiesen sie am gestrigen Abend in der Warsteiner Music Hall, ist die Band aus Birmingham auch live.


Ein Artikel von Anna Fliege – Ein kalter, ja eisiger Novemberabend. Schon früh wurde es dunkel, der Mond steht zum Einlass um 18:30 Uhr hoch über der Warsteiner Music Hall im industriellen Herzen der Dortmunder Vorstadt. Es ist genau das richtige Wetter, die ideale Jahreszeit für das heutige Konzert.

Der alte Industriecharme der umgebauten Halle, die nun seit gut einem Jahr neuer Anlaufpunkt für zahlreiche Konzerte im Ruhrgebiet ist, wird heute in ein beeindruckendes Lichtermeer getaucht. Noch zurückhaltend ist es beim Support Act VÖK. Eine Band aus Island, die mit ihren energievollen Dream Pop-Songs die Leute schon früh am Abend zum tanzen bringen und musikalisch perfekt zu den Editors harmonieren.

Um 20:30 betreten sie schließlich die Bühne. Anmutig und in sich ruhend beginnen die Editors ihr Konzert mit „The Boxer„. Die Setlist des Abends scheint endlos und ausgeglichen. Es gibt reihenweise Klassiker, die ruhigeren Songs und die, bei denen viele der Anwesenden, auch ich, mit den Armen in der Luft oder im Takt klatschend tanzen. Gerade die neusten Songs, die vom im Frühling veröffentlichten Album „Violence“ stammen, eignen sich gut dafür.

Es ist wie ein wunderschöner Rausch, in den man nach und nach abtaucht. Irgendwie magisch, was Tom Smith und seine Bandkollegen dort oben auf der Bühne kreieren. So exzentrisch, wie sich der Frontmann zu seinen eigenen Songs bewegt, unkonventionell sicherlich, aber wunderschön, mystisch.

Für einige Momente, inmitten des Konzertes, vergesse ich die Welt draußen vor den Türen der Halle. Losgelöst von allem, glücklich. Und so geht es sicherlich noch vielen anderen hier. Bei „Papillon„, dem Übermegahit der Band, verlieren dann schließlich auch noch die letzten ihre Fassung und springen sorgenlos umher. „It kicks like a sleep twitch“ gröhlen alle zusammen, es ist der Wahnsinn.

Und dann, kurz nach 22 Uhr, als die Zugabe gerade mit der aktuellen Single „Cold“ begonnen hat, wird es unruhig auf der Bühne. Die Vorschriften besagen, dass um Punkt 22 Uhr Ende sein soll, die Editors haben aber noch drei Klassiker im Gepäck, auf die weder sie, noch ihre Fans verzichten wollen. Schließlich werden es zwei von drei, die Verabschiedung läuft hastig, doch trifft die Band hier keinerlei Schuld. Mit „Munich“ schicken sie uns schließlich überstürzt in die kalte Novemberrealität zurück. Das Glücksgefühl hält noch lange an.



EDITORS live

20.11.18: Stuttgart, Liederhalle
21.11.18: Frankfurt, Batschkapp
22.11.18: Erlangen, Kulturzentrum E-Werk


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Nina Paul