Mit dem meteorologischen Herbstanfang vor der Tür wird es Zeit, den fluffigen Sommer-Indiepop in vakuumverpackte Kisten zu stopfen und bis zum nächsten Frühlingserwachen im Keller zu verstauen. In der Zwischenzeit veröffentlichen Die Sauna ihr verheißungsvolles Debütalbum „So schön wie jetzt war es noch nie“ und liefern den Soundtrack der nächsten Monate.


Ein Artikel von Anna Fliege – Hach, schon wieder eine deutschsprachige Band mit mystischem Namen. Und wenn die Gerüchte stimmen, hat sich die sechköpfige Band aus dem bayrischen Oberland tatsächlich beim Schwitzen kennengelernt.

Ein wahrhaft euphorischer Titel für ein Debütalbum. „So schön wie jetzt war es noch nie“ – das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. In Zeiten der Weltuntergangsstimmung und dem anhaltenden Selbstverwirklichungs-Pessimismus eine vom Aussterben bedrohte Aussage.

Die Sauna sind die soundtechnisch Erben von Achtziger-Helden wie Joy Division, The Smiths und Sonic Youth, die im heimischen Kinderzimmer hoch und runterliefen, statt den ätzenden Neunziger-Trash zu zelebrieren. Aber auch die Erben von Absolventen der Hamburger Schule, die sich selbst von den eben Genannten leiten ließen: Tocotronic, Die Sterne, ihr wisst schon.

Minimalistische deutsche Sprache, gestochen scharf und doch so schleierhaft. Hier reimt man ‚Amnesie‘ auf ‚Fantasie‘, holt Wörter wie ‚ergötzen‘ zurück in die Gegenwart und lässt mögliche Metaphern und Metaebenen ungewiss. Progressiv und ernsthaft verspielt. Während man mit Genres wie Indie, Post Punk und New Wave zu jonglieren, beschreibt die Band selbst ihre Musik als Pop. Weil es so divers ist, weil hier so viel zusammenkommt. Das ist irgendwie ziemlich sympathisch, oder?



So schön wie jetzt war es noch nie“ ist das perfekte Album für Konzerte in kleinen, verschwitzen Klubs. Für solche, auf deren Heimweg man sich zu 99% eine Erkältung einfängt. Es ist der Seiltanz aus Euphorie und dem zögerhaften Hinterfragen der Situation, der sich sowohl musikalisch als auch textlich auf gesamter Länge offenbart. „Wir haben nichts mehr zu verlieren“ lernen wir im Opener, doch schon bei „Das geometrische System“ die bittere Ungewissheit: „Kann man überhaupt noch rebellieren?„. Es ist Sätze und Fragen, die hängenbleiben, während man freudig mit den Zeigefingern auf dem Schreibtisch mittrommelt.

Wie schön es ist, sagen zu können, dass Die Sauna da ein ordentliches Brett abgeliefert haben, dass so vielfältig ist, dass man die Möglichkeit auf Monotonie vollständig ausblendet. Überraschende Elemente und Wendnungen, Stimmungsaufheller und Nachdenk-Momente. Schrammelige Riffs, tanzbare Keyboard-Einlagen und Mitschrei-Refrains.

WIR BEENDEN DIE UNENDLICHKEIT!„-singend die Arme in die Luft reißen und sich gedankenverloren eine Haarsträhne aus dem verschwitzen, aber strahlenden Gesicht wischen. Nebel, Stroboskoplicht, Glücksgefühle!  Ja, ich glaube Songs wie „Das Ende“ und der Titeltrack des Albums haben es mir besonders angetan. Die ergänzen sich in der Abfolge so herrlich, bringen Hoffnung in den Raum.

Das Debütalbum von Die Sauna ist für Fans von kleinen Glücksmomenten, 80er-Platten, alten Tocotronic-Platten und aktuellen Acts wie Drangsal, Die Nerven und FLUT, ohne dass auch nur einer davon wie Die Sauna klingen.



DIE SAUNA live

02.10.2019: Regensburg – Alte Mälzerei
03.10.2019: Frankfurt a.M. – Ponyhof
04.10.2019: Hannover – LUX
05.10.2019: Hamburg – Uebel & Gefährlich
06.10.2019: Berlin – Kantine Berghain
12.10.2019: Freiburg – Räng Teng Teng
13.10.2019: Stuttgart – Club CANN
14.10.2019: Düsseldorf – Zakk
15.10.2019: Dresden – Groovestation
16.10.201: Leipzig – Neumanns
17.10.2019: Nürnberg – Stereo
19.10.2019: München – Ampere


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Die Sauna