Kettcar live zu erleben ist etwas Besonderes. Schon beim Einstimmen der Instrumente in der Umbaupause, zwischen Support und Auftritt, stehe ich vor der Bühne und habe Schmetterlinge im Bauch.


Ein Artikel von Lisa Schulz – Denn Kettcar ist keine normale Band, sondern eine mit Geschichte, bei denen Herzblut in jeder Zeile mitschwingt, deren Musik der Soundtrack für viele schöne und manchmal auch schwere Momente geworden ist. Nicht nur für mich, sondern scheinbar für eine Vielzahl von Menschen, wie man an dem begeisterten Publikum in der Oberhausener Turbinenhalle, und wahrscheinlich auch an allen vorherigen und noch folgenden Tourstops bemerken kann.

Als Support haben sich Kettcar die deutsche Band Schrottgrenze eingeladen, die nicht besser hätten passen können. Schrottgrenze stehen für Zusammenhalt, fürs zu sich selber stehen, für gute Laune und Leidenschaft. Die Band hat wie Kettcar eine lange Bandgeschichte, besteht seit den frühen 90ern und hat sich seit dem immer wieder neu erfunden. Vom anfänglichen Punk über Indierock, bis hin zum heutigen Gitarrenpop war schon alles dabei und alles gut. Das Outing von Sänger Alex Tsitsigias, der den heutigen Abend als Saskia eröffnet, und sich öffentlich zur Queerszene bekennt und für diese einsetzt, gehört mittlerweile fest zur Identität der Band. Mit Paillettenoutfit, pinken Wimpern und umwerfender Stimme wird der Auftritt auf jeden Fall zu einem Highlight des Abends. Absolute Bandempfehlung – egal ob live oder auf CD, sollte man sich Schrottgrenze anhören.



Nach dem ersten unerwarteten Highlight folgt direkt das Nächste. Kettcar treffen doppelt ins Herz, erst mit Ihren Texten, dann mit Marcus Wiebuschs Stimme, untermalt von der grandiosen Musik die Kettcar so ausmacht. Das hier ist ein bisschen, wie ich mir einen Kirchenbesuch ausmale, denn wenn ich mich umschaue, stehen die Leute geradezu andächtig vor der Bühne. An diesem Abend stimmt alles, die Videoleinwände hinter Kettcar zeigen passend zu den Songs Videos, die die Stimmung unterstreichen, die Ansprachen zwischen den Liedern sind mal humorvoll, mal emotional.

Sänger Marcus Wiebusch erzählt scherzhaft die Anekdote, dass Thees Uhlmann ihn geben habe, er sollte „Sommer ´89“ und „Balu“ bitte nicht hintereinander spielen – der Wechsel von Politik und Liebe sei zu hart. Wiebusch wird lauter als er erklärt, dass die Band keinen Unterschied zwischen Ihren politischen und Ihren Liebesliedern macht und endet den Monolog mit der Aussage:

„Digga, das ist das gleiche Herz.“


Hat man Kettcar einmal live gesehen, kann man Sie nur lieben. Egal ob es die neuen Songs wie „Palo Alto“ oder „Scheine in den Graben“ oder aber Songs wie eben „Balu“, „Ankunftshalle“ oder „Deiche“ sind, überall steckt Leidenschaft und Herz dahinter. Kettcar gehen direkt ins Mark, sind nicht nur eine Band, sondern ein Gefühl. Das wird jeder Besucher am Ende dieses Abends bestätigen können.



Autor & Foto: Lisa Schulz