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Drastic Measures von Bayonne – Mit drastischen Maßnahmen zum Durchbruch?

Drastic Measures von Bayonne – Mit drastischen Maßnahmen zum Durchbruch?

Bayonne – vielen bekommen beim googeln dieses Namens wohl nur die gleichnamige Stadt in Frankreich vorgeschlagen. Man muss schon gezielt suchen um den texanischen Musiker Roger Sellers, der unter dem Künstlernamen Bayonne Musik produziert, zu finden.


Ein Artikel von Lisa Bogowsky – Nachdem er drei Alben unter seinem eigenen Namen veröffentlicht hat, brachte er mit Primitives 2016 seine erste Platte als Bayonne raus.

Hier durfte sich der Zuhörer in eine Welt mitreißen lassen, die durch faszinierend, viellagige Loops kreiert wurde. Jedes Lied geht federleicht in das nächste über. Jedes Ende ist der Anfang von irgendetwas und man versinkt immer tiefer in die Welt die Bayonne so gekonnt kreiert hat.

Umso größer war auch meine Aufregung als ich endlich das zweite Album, welches diesen Freitag am 22. Februar via City Slang (Rough Trade) veröffentlicht wird, hören durfte.
Schon der Titel Drastic Measures lässt erahnen, dass dieses Stück wohl ein wenig anders als sein Vorgänger werden wird.

Auf dem Album findet man den Song I Know der schon vorher als EP mit Remixen veröffentlicht wurde. Das Lied plätschert so hoffnungsvoll vor sich hin, dass man fast gar nicht mehr auf den reuevollen Text achtet.

Einen weiteren Vorgeschmack bekam man dann auch schon mit der zweiten Singleauskopplung Uncertainly Deranged. Hierzu postete Sellers auf seinem Instagram Account einen kleinen Ausschnitt in dem er an seinem Mischpult zu sehen war und das neue Lied einspielte. Kurze Zeit später, mit Bekanntgabe des neuen Albums, wurde auch der Song veröffentlicht.

Ein ganz neuer Sound offenbart sich dem Zuhörer. Für Bayonne definitiv ein upbeat track wo der schnelle Beat gegen Pianomelodien ankämpft.
Auch lyrisch hat man hier ein ganz neues Hörerlebnis. Man hat das Gefühl, dass es hier wirklich mehr um den Inhalt geht als um die Melodien, Harmonien und die Loops.

Drastic Measures wurde als dritte Single veröffentlicht. Hier verdichtet sich das Gefühl, dass das gleichnamige Album etwas kommerzieller wird. Das bedeutet in keinem Fall etwas Schlechtes. Sellers selbst beschreibt in einem Interview, dass es für Ihn der nächste Schritt war und dass er sich schlichtweg weiterentwickelt hat.
Es geht um die Höhen und Tiefen des Tourlebens eines Musiker und die damit einhergehende emotionale Belastung, wenn man Freunde und Familie lange nicht sieht. Eben genau das, was er auf Tour mit seinem Debüt erleben durfte.

„Promising my family and the friends I never see

That I’m alive“

 
Ein weiteres Highlight ist definitiv Enders welches auch gleichzeitig die Mitte des Albums markiert.
Hier bekommt man wieder viele verschiedene Ebenen geboten die sich irgendwie zu einem Ganzen vereinen. Umso überraschender kommt das Ende des Songs der unter alarmartigem Tönen, die man bei einem Raumschiffabsturz vermutet, abrupt aufhört.

Das Album unterscheidet sich von Primitives darin, dass es weniger fließende Übergänge gibt – natürlich hat Sellers diese nicht ganz weggelassen was man auch an einigen Stellen zu hören bekommt wie zum Beispiel bei Gift und Enders – und weniger Loops zu finden sind.

Meiner Meinung nach sind beide Platten jedoch nicht zum Vergleich gedacht und jede spricht Ihre eigene Sprache und zieht einen in seinen Bann. Gekonnt layered er viele verschiedene Sounds die vielleicht auch erst nach ein paar Mal hören auffallen. Das bemerkenswerte ist hier wohl der Katalog an Tonaufnahmen die Bayonne über lange Zeit gesammelt hat und in die Kompositionen mit einbringt.

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Sellers, der bekannt für seine fesselnden Auftritte ist, hat neben einer Nordamerika Tour bereits eine kleine UK&Europa Tour bekanntgegeben. Deutschland ist dieses Mal jedoch noch nicht dabei.

Wer also Lust hat in andere Sphären einzutauchen, muss vorerst mit dem Album auskommen, welches ich nur wärmstens empfehlen kann.



18.03. UK-Brighton, The Hope
19.03. UK-Manchester, Yes, Basement
20.03. UK-London, Moth Club
21.03. UK-Leeds, Oporto
23.03. FR-Paris, Point Ephémère
24.03. NL-Amsterdam, Paradiso


Foto: Jackie Lee Young

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