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Dream Wife & „So When You Gonna…“: Gegen das Patriarchat und noch viel weiter

Dream Wife & „So When You Gonna…“: Gegen das Patriarchat und noch viel weiter

Dream Wife ist eine dieser Bands, die man sich für die eigene Kindheit und Jugend gewünscht hätte. Sie singen auf „So When You Gonna…“ über Themen, mit denen man sich tagtäglich auseinandersetzen muss, wenn man weiblich, queer und/oder non-binär ist, worüber die meisten in der Branche aber nur allzu gerne schweigen – weil sie nunmal Männer sind.


Ein Artikel von Anna Fliege – Nicht nur mit ihren mitreißenden Tracks machten sich Dream Wife in den vergangenen Jahren seit ihrer Gründung einen guten Namen. Das unermüdliche Engagement, weibliche, queere und non-binäre Akteur*innen zu unterstützen und eine Stimme zu geben, macht das in London lebende Trio zu einem astreinen Vorbild für die gesamte Musikbranche.

Von Marta Salogni (Björk, Holly Herndon, FKA Twigs) produziert und das Team um Toningenieurin  Grace Banks (David Wrench, Marika Hackman) und Mastering-Engineer Heba Kadry (Princess Nokia, Alex G, Beach House) ergänzt, arbeiteten Dream Wife für „So When You Gonna…“ in einem rein weiblichen Team und zeigen nonchalant, dass die beängstigend niedrige 5%-Marke von weiblicher Beteiligung in der Musikproduktion keinerlei Rechtfertigung zusteht.

DIE BAND

Sängerin Rakel, Bassistin Bella und Gitarristin Alice lernten sich in Brighton an der Universität kennen. Aus ihrem gemeinsamen Kunstperformance-Projekt entstand ihre Band Dream Wife. Vor zwei Jahren veröffentlichten sie ihr selbstbetiteltes Debütalbum, Supporttouren für The Vaccines, The Kills und Garbage, Headlineshows auf der ganzen Welt und ihr Song „F.U.U.“ in der Kult-Netflix-Serie „Orange Is The New Black“ folgten.

DER SOUND

Hier kommen die besten Einflüsse aus Punk, Indie und Gitarrenrock zusammen. Mal lauter und rotziger, mal verspielter finden Dream Wife auf „So When You Gonna…“ eine gute, durchgehend spannende Balance in ihrem Sound.

DIE THEMEN

Was von der breiten Gesellschaftsmasse als gut verschwiegene „da redet man nicht drüber“-Themen unter den Teppich gekehrt wird, hauen dir Dream Wife auf ihre eigene Weise zart und doch unnachgiebig mitten in die Fresse. Auf „So When You Gonna…“ geht es um Fehlgeburten und Abtreibungen. Um den Kampf für eine Geschlechtergleichstellung. Dabei ist schon der Titel keine Anspielung auf ätzende Familienfeier-Fragen (nein, Tante Gertrud, ich habe immer noch keinen Freund), sondern, wie Frontfrau Rakel sagt: “It’s an invitation, a challenge, a call to action”. Wann fängst du endlich an, all die Sachen zu machen, von denen du träumst und dich dabei nicht vom Patriarchat abhalten zu lassen? Wer noch mehr Inspiration sucht, sollte sich schnellstmöglich den Dream Wife-Podcast „So When You Gonna…“ anhören!

DER LIEBLINGSTRACK

Bei 11 durchgehend starken Songs gar keine leichtherzige Entscheidung. Auf dem ersten Platz der „So When You Gonna…„-Ohrwürmer steht dennoch „RH RN„. Eine vibe-ige Indienummer mit dem dringenden Verlangen, die Hook aus vollem Herzen in einem vollen Club mitzusingen: „We are the youngest we will ever be / We are the oldest we have ever been right now / Right here, right now

DIE PERFEKTE ERGÄNZUNG FÜR…

Deine „Badass Female„-Playlist, die Konzertliste für’s nächste Jahr und Musikliebhaber*innen, die sich nicht auf ein steifes Genre einlassen wollen.

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DAS FAZIT

Das britisch-isländische Trio macht nicht nur mitreißende Musik zu wichtigen Themen, sondern ist nebenbei noch eine tolle Inspiration für das eigene Handeln als Frau* oder non-binäre Person in einer Welt, die von und für weiße Cis-Männer gemacht wird. „So When You Gonna…“ ist als zweites Album die endgültige Gewissheit, dass Dream Wife eine der coolsten, aufregendsten Bands der Stunde ist. Wer jetzt nicht reinhört, wird sich Ende des Jahres ärgern, wenn das Album in allen Jahres-Top-Listen auftaucht und man verpennt hat, es zu feiern.





DREAM WIFE LIVE

03.05.2021: Hamburg, Molotow Club
10.05.2021: Berlin, frannz Club
11.05.2021: München, Ampere
12.05.2021: Nürnberg, Club Stereo


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Sarah Piantadosi

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