Schrammelige Gitarren, rotziger Sound, gute Laune bis zum Abwinken und beim Kontrast-Einstellen ein bisschen zu weit nach rechts gerutscht – Surfpunk halt. Musik, die meine Synapsen innerhalb weniger Millisekunden mit der amerikanischen Westküste und coolen Skaterjungs verbindet. Aber ganz sicher nicht mit meiner Heimat Dortmund. Drens ändern das jetzt – und sind natürlich trotzdem cool!


Ein Artikel von Anna Fliege – Mit ihrer EP „Pet Peeves“ setzt sich das Vierergespann aus der Pott-Metropole einen Meilenstein. Drei Jahre Bandbestehen, sieben Singles und knapp 100 Auftritte, ihr selbst-zusammengeschustertes Mixtape „Sunny Side Up„. Aber keine durchproduzierte Platte, die man sich nach dem Konzert für ein paar Mark als Erinnerung mitnehmen kann. Ab heute Schnee von gestern.

Auf sechs Songs liefern die Dortmunder schmerzhaft ehrliche Themen liebkost von überschwänglich fröhlicher Lo-Fi-Surf-Rock-Mucke. Produziert von niemand geringerem als dem legendären Steffen Israel, seines Zeichens Kraftklub-Gitarrist und vielleicht auch witzigster Mensch der Welt. Aber zurück zu Drens!



I got to leave the bed but I just can’t get up / I’m just a dead body falling through the kitchen door / I need a rest, I need a cure“ beginnen die ersten Zeilen der EP und nunja, wer sich hier nicht angesprochen fühlt, hat irgendwas ziemlich richtig gemacht. Passend zum Titel „Saditsfiction“ die erzählte Geschichte eines quälenden Morgens, der nicht sein müsste, wäre der Kapitalismus nicht. „I feel like a dead person wish I got no bills to pay„. Nicht passend zum Titel „Saditsfiction“ hingegen der motivierte, Gute Laune-Sound. Gegensätze, die sich anziehen und darin ziemlich gut aussehen. Wenn doch nur die Kaffeemaschine nicht kaputt wäre.

Drens singen von Isolation. Und sicherlich könnten hier jetzt ein paar ominöse Sätze mit den Inhalten „wie passend zu dieser Zeit“, „unbewusst im Voraus geschrieben“ und „Drens liefern den Quarantäne-Soundtrack“ schreiben. Aber das können wir auch lassen. Denn, seien wir mal ehrlich, isoliert haben sich Einzelpersonen schon vor globalen Pandemien. Einfach, weil Menschsein manchmal ziemlich anstrengend ist und man zusätzlich vom Menschsein Anderer gestresst ist. „Just wanna be somewhere else but / I can’t„.



All My Friends Got Time“ kristallisiert sich über die EP-Laufzeit von 17 Minuten doch recht zügig als mein Lieblingstrack heraus. Ein schmissiger Indie-Track, der in mir eine Sehnsucht erweckt, ein detailgetreues Bild vor meinem inneren Auge zeichnet.

In the summertime / When all my friends got time / In the summertime„. Das ist ein Song, den ich am frühen Samstagnachmittag mit einem kühlen, halbleeren Bier in der Hand auf der zweiten Kosmonaut Festival-Bühne sehen möchte. Sonnenbrille auf, verträumt mitwippen und beim „uuuuh“ auch mitsingen. Vielleicht ist das so, weil ich dem schönsten Festival der Republik hinterhertrauere, der Name Steffen Israel fällt oder mir die Festivalsaison als Gesamtkonzept schmerzlich fehlt. Oder, weil es tatsächlich der perfekte Song für dieses Szenario ist!

Solange das nicht geht, können wir nur Folgendes tun: Fenster runterkurbeln, „Pet Peeves“ aufdrehen, mit dem Arm auf dem Fensterrahmen cruisend durch die Stadt tuckern und davon träumen, der deutschen Großstadttristesse und ihren Alltagssorgen alsbald wieder entfliehen zu können.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Leonie Scheufler