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Dschungel im Kopf: Namika & Que Walou

Dschungel im Kopf: Namika & Que Walou

Ganz bewusst trägt die heutige Überschrift den Titel „Dschungel im Kopf“, denn eben diese Worte standen nach eigener Aussage von Namika, auch als Alternative für das Album zur Variante. Letztendlich wurde es aber dann doch „Que Walou“, weil es alles besser zusammenfasste. Immerhin schaffte es ein Song mit dem Namen auf die Platte und ging so nicht komplett verloren.

Wer hätte gedacht, dass es drei Jahre nach dem Debütalbum „Nador“ nochmal persönlicher und tiefgründiger werden könnte? Mit „Que Walou“ beweist uns Namika aber nun, dass eben dies gut möglich ist.

Mit ganzen 5 Songs teaste die Sängerin das Album im Vorfeld an und setzte vor allem mit dem Song „Je ne parle pas français“ hohe Erwartungen bei den Fans und eröffnet sich selbst den Weg zum Sommerhit 2018.

Das Album ist sehr selbstreflektierend, greift aktuelle Themen auf und richtet sich häufig ganz bewusst mit kritischen Fragen an die Gesellschaft. „Alles was zählt“ beschäftig sich dabei beispielsweise mit Digitalisierung, unserem hektischen Alltag und der Frage, was im Leben wirklich wichtig und bedeutend ist.

In Que Walou finden sich darüber hinaus erneut wunderschöne Einflüsse aus Namikas Herkunftsland. Rhythmus und Harmonien sind geprägt durch Kläge der marokkanischen Kultur und schließen damit ganz sanft den Kreis zwischen deutscher Heimat und nordafrikanischen Wurzeln. Hip-Hop trifft auf Pop und ein starkes Vorbild in der Musik beweist einmal mehr, dass Frauen unbegründet viel zu wenig Beachtung in der Szene geschenkt wird.

Besonders ergreifend wird es bei „Ahmed“. Namika richtet sich an ihren Vater, der die Familie verlassen hat, nie ein gutes Vorbild war, weil er schon vor ihrer Geburt verschwand und trifft damit wahrscheinlich bei vielen einen wunden Punkt. In unserer heutigen Zeit sind wahrscheinlich so viele Familien so zerrüttet wie nie zuvor.

Allgemein schafft es das Album spielerisch das Kopfkino zu aktivieren und nachdenklich zu machen. Deutsche Musik die bewegt, die wichtig ist und nicht nur eine inhaltslose Hülle. Namika hat eine Botschaft und trägt diese in die Welt. Mit jedem der 16 Songs und schafft es dabei auch, mir die eine oder andere Träne zu entlocken.

Ich versinke im Album. Möchte es wieder und wieder hören und jeder Zeile meine volle Aufmerksamkeit schenken. Viel zu wichtig sind die Worte, als dass wir sie verstreichen lassen sollten. Namika erzählt Geschichten, die meisten so nachvollziehbar, als würde sie über jeden einzelnen von uns singen. Sorgen, Nöte, Probleme, aber auch Freuden, Erlebnisse und tolle Momente, die jeder kennt und versteht.

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Ein Album, das für mich schon jetzt zu den besten dieses Jahres gehört und die deutsche Musik ganz klar weiter nach vorne bringt. Vielleicht ja sogar international.



Autor: Dominik Huttner Foto: David Daub

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