Verschieben viele KünstlerInnen derzeit den Releasetermin, geht Dua Lipa genau den entgegengesetzten Schritt und veröffentlicht ihr heiß ersehntes zweites Album bereits eine Woche eher als geplant. Die Entscheidung kam jedoch nicht ganz freiwillig…


Ein Artikel von Dominik Huttner und Anna Fliege – Unter Tränen verriet die Britin vor einigen Tagen auf ihrem Instagram-Account, dass das Album von unbekannten Personen im Netz geleaked wurde. Ein Schritt, der zuletzt auch Lady Gaga zwang, ihre neue Single „Stupid Love“ eher als geplant zu veröffentlichen. Trotz bitterem Beigeschmack ein Grund der Freude für alle Fans, die dem neuen Sound von Dua schon seit Wochen entgegenfieberten.


„I’ve been a little bit conflicted about whether it’s the right thing to do during this time because lots of people are suffering“ […] I’m not sure if I’m even doing the right thing, but I think the thing we need the most at the moment is music, and we need joy and we need to be trying to see the light.“I’m not sure if I’m even doing the right thing“


Angst muss Dua jedoch keine haben, ist ihr Nachfolger doch genau das, was wir in dieser schweren Zeit brauchen. Ein Album gefüllt mit Songs die so uplifting sind, dass wir die schlechten Gedanken einfach wegtanzen.

Der auf dem Debütalbum fehlende rote Faden, ist nun zu einem soliden Strick geworden. Selten hat sich ein Nachfolger so selbstbewusst und hochwertig präsentiert wie Future Nostalgia. Selten haben sich KünstlerInnen in so kurzer Zeit so beeindruckend weiterentwickelt.

Anna: Disco ist endgültig zurück. Was The Weeknd auf seinem neuesten Werk schmerzlich nicht genügend ausgereizt hatte, macht Dua jetzt zu ihrer stärksten Waffe. Basslines, die Mark Ronson in liebevoller Kleinstarbeit in den vergangenen Jahren zurück in den allgemeinen Musikverstand infiltriert hatte.

Es ist ein Album voller Liebeserklärungen und Querverweisen an musikalische Epochen der letzten Jahrzehnte. Der beinahe allgegenwärtige Disco-Vibe der späten Siebziger. Die unüberhörbare Liebe zu Madonna-Klassikern aus den Achtzigern. Das aus dem Jahre 1997 stammende „Your Woman„-Sample, das man bei „Love Again“ ausmachen kann. Eine Hommage an die Early Naughties-Popmusik. Dua Lipas eigener aufblühender Erfolg Mitte der 2010er. Und jetzt die immer deutlicher werdende (R)Evolution der gegenwärtigen, genredurchbrechenden Musik, die uns nun einige Jahre begleiten wird. Der Titel „Future Nostalgia“ trifft es fast schon zu perfekt auf den Punkt.

Hinter dem Album steckt eine Armada hochkarätiger ProduzentInnen und SongwriterInnen, die „Future Nostalgia“ zu einem makellosen, so facettenreichen Kunstwerk geformt haben. Hier steckt die Liebe in den Details, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass viele der Beteiligten bereits mit KünstlerInnen wie Madonna, Britney Spears, Gwen Stefani und OutKast zusammenarbeiteten.

Dabei finden sich viele der Namen bereits in den Credits ihres selbstbetitelten Debüts wieder. Produzenten wie Ian Kirkpatrick, der als federführender Produzent sowohl für Überhit „New Rules“ verantwortlich war, als auch jetzt an Dauerbrenner „Don’t Start Now„. Oder Koz, der für einen Großteil der Debüttracks zuständig war (darunter „IDGAF„). Never change a winning team!

Das Erfolgsrezept: Die Fortführung erfolgreicher Zusammenarbeit – und an den richtigen Stellen die gefragtesten Persönlichkeiten der Musikbranche ins Boot geholt. Darunter Sängerin und Songwriterin Julia Michaels, die an „Pretty Please“ mitschrieb. Und Andrew Watt, der Duas neuste Single „Break My Heart“ produzierte (und zuvor für zahlreiche Charterfolge der letzten Jahre  verantwortlich war, darunter „Señorita“ und „Havana„).

Dominik: Jeder Song ist auf Hochglanz poliert, jeder Song klingt nach harter Arbeit. Arbeit die sich bezahlt macht, hat das Album nur wenige Stunden nach Release bereits einen MetaScore von 97% erreicht und gilt damit als bestbewertetes Album des Jahres 2020 und als eines der besten einer weiblichen Künstlerin aller Zeiten. Dua Lipa hat auf Future Nostalgia glücklicherweise keine Angst gezeigt das Disco-Genre zu revolutionieren und hat damit alles richtig gemacht.


Autoren: Anna Fliege & Dominik Huttner / Photocredit: Hugo Comte