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EAU ROUGE & „Closer“: Verträumt, elektronisch, spannend

EAU ROUGE & „Closer“: Verträumt, elektronisch, spannend

„Closer“, das ist nichts Unüberlegtes, nichts Übereiltes. Schon im letzten Jahr veröffentlichte das Stuttgarter Trio zwei der fünf Tracks, im Frühjahr diesen Jahres dann einen dritten. Nun sammelt EAU ROUGE alles noch einmal auf einer EP zusammen, gibt dem Ganzen Rahmen und Grundstimmung. Hier vermischen sich Dream Pop mit Electro wie eisgekühlter Gin mit Tonic Water – heraus kommt etwas, von dem man nicht genug bekommt. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Die Stimmung ist sexy, aber nicht hemmungslos. Zwar nicht bedrückend, aber irgendwie schon. Mit dem titelgebenden Opener „Closer“ wird schon in den ersten Sekunden deutlich: hier vermischen sich musikalische Elemente, die man sonst nur getrennt voneinander konsumiert. Elektronisch, verträumt, nostalgisch und innovativ. Das konnten EAU ROUGE schon immer gut und behalten sich dieses Merkmal zum Glück auch eine weitere EP bei.

Under my Skin“ hat seine sexy Basslines vom vorletzten Arctic Monkeys-Album und den detailverliebten Vibe von Portugal. The Man – letzterer Vergleich liegt natürlich nicht zuletzt an der stimmlichen Ähnlichkeit von Jonas Teryuco und seinem amerikanischen Kollegen John Gourley.



Melt“ ist dieser Song, zu dem man inmitten der Nacht in einem stickigen Klub mit geschlossenen Augen tanzen, den Rest um sich herum vergessen und alles – außer sein Herz – loslassen will. „Low“ ist der düstere Gegenpart, der den Kopf in dichten Nebel hüllt und mit seinen großzügigen elektronischen Abschnitten beinahe als sein eigener Remix durchgehen könnte.

Später, draußen wird es bestimmt schon wieder hell, liegt man nach der durchtanzten Nacht im heimischen Bett und kriegt kein Auge zu, denkt und denkt und „Fear“ könnte kein besserer Begleiter sein. Zurückhaltend und am Ende dann doch irgendwie episch übertönt der Song über Ängste zumindest das Rauschen auf den Ohren.


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Mit dem Cover von „Crush„, einem großen End-Neunziger-Ohrwurm von Jennifer Paige, schenken uns EAU ROUGE einen Bonus Track, der wie eine Art freundschaftlicher Stoß in die Rippen gemeint sein könnte. Zwar ist das Cover ganz schön lasziv, aber bringt eine Leichtigkeit in den Abschluss, die uns wieder vom Zerdenken des eigenen Seins ablenkt.

Ich bin froh, dass ich vor mittlerweile fünf Jahren ganz zufällig über EAU ROUGE und ihren Song „Golden Nights“ stolperte und sie seither nie wieder aus dem Inner Circle meiner Playlists verschwinden ließ. Nach ihrem Debütalbum „Nocturnal Rapture“ 2016 meldet sich die Band jetzt mit der „Closer„-EP eindringlich zurück und macht klar: wir sind spannender als je zuvor!


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Matt Somberg

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