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Ein Appell an die Empathie: Tiemo Hauer und „Alle Geschichten“

Ein Appell an die Empathie: Tiemo Hauer und „Alle Geschichten“

Tiemo veröffentlicht heute sein stimmungsvolles Video zu dem neuen Song „Alle Geschichten“. Ein Song, der wie ein Appell an die Empathie wirkt.

Die haben alle Geschichten
Und die kann man nich‘ sehen
Also sei mal nich‘ so hart zu denen
Die haben alle ’nen Tag hinter sich
Wenn sie abends im Supermarkt stehen
Also sei mal nich‘ so hart zu denen

Auch du hast Geschichten, die die anderen nich‘ sehen
Also erwarte nich‘ zu viel von denen
Auch du hast’n Tag hinter dir wenn du abends im Supermarkt stehst
Lass uns ein paar Meter gehen, dann kannst du alles erzählen

Gelegentlich erwischt man sich dabei, vorschnell über die Personen zu urteilen, die vor einem an der Kasse stehen. Zornig über deren langsame Bewegungen, schroffe Umgangsform oder die scheinbar unverhältnismäßig große Menge Instantsuppen auf dem Förderband – man verpasst seinen Mitmenschen gerne leichtfertig einen Stempel. Wir blenden aus, dass wir alle Ballast mit uns herumtragen, den man uns nicht direkt ansieht.

Tiemo Hauer, der sich in vergangenen Werken auch gerne mal selbst über die kleinen und größeren Fehltritte seiner Spezies echauffiert, erkennt diese impulsive Angewohnheit und appelliert in seinem neuen Song „Alle Geschichten“ an die Empathie. Er ruft dazu auf, sich hin und wieder sowohl die unsichtbaren Konflikte der Anderen bewusst zu machen, als auch über die eigenen zu sprechen. Hauer nimmt uns mit auf einen Ausflug durch die Gänge einer kleinen Supermarktfiliale und gewährt berührende Einblicke in die sonst verborgenen Umstände der Ladenbesucher. „Alle Geschichten“ passt thematisch wie musikalisch sehr gut in diese Zeit und zeigt, dass ein starker Song nicht viel mehr braucht als ein Klavier und eine Stimme.

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„Alle Geschichten“ folgt auf sein erfolgreiches letztes Album „Gespräche über die Vor- und Nachteile des Atmens“, das Anfang des Jahres erschien und die turbulenten Erlebnisse dreier, nicht ganz wie geplant verlaufenen, Jahre erzählt – somit bezeichnend für das häufig autobiografische & intime Songwriting des 30-jährigen Stuttgarters war. Getoppt mit seiner eindringlichen Erzählstimme zwischen der Sanftheit eines vollmundigen Weines und rauer Gebrochenheit, weiß Tiemo Hauer noch jeden um den Finger zu wickeln und mit entwaffnendem Charme zu umgarnen.

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