Die Zeit verfliegt im Fluge. Gerade erst ist der Sonnenbrand von der letzten Festivalsaison abgeheilt, dann war Weihnachten und jetzt ist es schon wieder soweit, so langsam aber sicher den Campingstuhl im Keller zu suchen – den hatte ich doch letztes Mal wieder eingepackt, oder?

Ein Artikel von Anna Fliege – Die Festivallandschaft in Deutschland wächst und gedeiht, unser Lieblings-Doppelfestival ist und bleibt aber ein alter Hase im Geschäft: Das Hurricane & Southside Festival. Traditionell machen wir uns einmal im Jahr auf die Reise gen Scheeßel oder Neuhausen Ob Eck, Orte fernab vom Großstadttrubel. Städtchen, die scheinbar klein sind, in unseren Herzen aber einen großen Platz haben. Markiert euch die Zeit vom 21. bis 23. Juni kunterbunt-glitzernd im Kalender, es wird fabulös!

Im 23. Jahr des Zwillingsfestivals sind die Headliner nicht nur glamourös großartig, sondern obendrein auch noch zu sechst. 6 HEADLINER AN 3 TAGEN, ihr habt richtig gelesen. Die glücklichen Southside-Besucher kommen in den Genuss, „Friday I’m in Love“ von The Cure an einem Freitag mit Robert Smith und seiner Band zu singen – klingt wie ein Traum, ist aber wirklich so. Und weil das an einem Tag (für die Hurricane-Besucher übrigens der Sonntag) noch nicht laut genug nach Musiklegenden schreit, teilen sich die Briten ihren Headlinerslot mit niemand Geringerem als den Foo Fighters. Seid ihr auch schon so aufgeregt wie diese Moderatorin, die Robert Smith interviewen durfte? WIR AUCH!



Währenddessen treffen in Scheeßel am Freitagabend Welten aufeinander: Nach ein bis zwei gefühlten Ewigkeiten treffen Die Toten Hosen wieder am Eichenring ein und was soll ich sagen, ihr letztes Album „Laune der Natur“ passt doch zu wirklich keinem Festival besser als dem Hurricane. In welchem Schrank hatte ich nochmal die Gummistiefel? In eine ganz andere Welt nehmen uns derweil Tame Impala mit – das musikalische Wunderwerk rund um Genie Kevin Parker lässt uns mit seinem Psychedelic Rock aus dem Alltag abtauchen.



Vollendet wird die Sechserreihe am Samstag beziehungsweise Sonntag mit den Folkrock-Giganten Mumford & Sons, die mit ihrem neuen Album „Delta“ Herzen höher schlagen lassen werden. Last but not least im Headliner-Game spielt nach ein paar Jahren Pause auch US-Rapper Macklemore ganz oben mit, bei „Thrift Shop“ und Can’t Hold Us sind wir immer noch ziemlich textsicher, oder?

Reicht für ein aufregendes Wochenende schon fast, denkt sich jetzt so mancher. Aber die FKP-Festivals wären nicht die FKP-Festivals, wenn nicht auch von der zweiten bis zur untersten Zeile allerhand illustre Namen stecken würden und Freunde (fast) jedes Genres ihre Timetables vollstopfen können mit Lieblingsbands und solchen, die es spätestens nach dem Auftritt werden.



Fans des deutschen Sprechgesangs taumeln von UFO 361 zu RIN oder Bausa, um dann noch bei Yung Hurn und Trettmann vorbeizuschauen. Neonschwarz, OK KID, Sookee und Danger Dan von der Antilopen Gang sind besonders dann zu empfehlen, wenn man noch nicht das Bier zu viel getrunken hat und die wichtigen Messages der Texte verstehen und verinnerlichen kann. Für die Ü25-Generation, die mit Cloud Rap nicht so viel anfangen können, glänzen Namen wie Fünf Sterne Deluxe und international The Streets. Noch nicht genug Spaß? Die 257ers, die Orsons und Grossstadtgeflüster kommen auch.



Rap ist nicht so ganz euer Ding, ihr steht aber trotzdem auf gute Musik made in Germany/Austria/Switzerland? Keine Sorge, eure Zeitpläne werden auch in diesem Falle pickepackevoll werden. Ganz oben finden wir Ausnahmebands und Superhelden wie AnnenMayKantereit, Bilderbuch und Bosse. Wandern die Augen langsam weiter in der Liste, so entdeckt man Faber und – ja, wahrhaftig – muff potter! Auf gar keinen Fall verpassen dürft ihr die Kieler Chaoten Leoniden, die seit ihrem letzten Besuch mehr oder weniger wortwörtlich durch die Decke gegangen sind – bei denen kann man sich da nie so ganz sicher sein.

Wer seine Tanzschuhe aus unerfindlichen Gründen in der letzten Nacht verloren hat, kann sich zu Die Höchste Eisenbahn ins hoffentlich vorhandene Gras legen und die Seele baumeln lassen. Ebenso funktioniert das bei Enno Bunger, bei unseren Lieblings-Girls von GURR muss dann aber doch wieder im Stehen ausgeflippt werden. Und zu Steiner & Madlaina solltet ihr in jedem Falle auch einmal vorbeischauen.



Indie-Enthusiasten kommen selbstverständlich auch in diesem Jahr wieder voll auf ihre Kosten: The Wombats, Bloc Party, Interpol, Bear’s Den oder Künstler wie Sam Fender, POND, The Sherlocks, Ten Tonnes…die Liste könnte ewig so weitergehen. Newcomer und Evergreens en masse. Zu „Let’s Dance to Joy Division“ im Regen tanzen, bei „Banquet“ richtig ausrasten, sich zu „Evil“ ein Weinchen gönnen oder bei „Red Earth & Pouring Rain“ aus dem Grinsen nicht mehr rauskommen – bald ist es soweit.



Ihr kokettiert euch mit eurem erlesenen Musikgeschmack, möchtet dabei aber trotzdem nicht auf einen „Heureka! Das kenne ich aus dem Radio“-Moment verzichten? Wie wäre es da mit Alice Merton, Steve Aoiki und Lauv. Oder so Festival-Klassiker, die man sich anschaut, egal für was man sonst da ist. Da wird dann wild getanzt, „CUT MY LIFE INTO PIECES, THIS IS MY LAST RESORT!!!“ schief Richtung Himmel gebrüllt und ansonsten viel mitgenuschelt. Neben Papa Roach kämen da Kandidaten wie Royal Republic, Frank Turner & The Sleeping Souls und Flogging Molly in die engere Auswahl. Mal so ganz unter uns: Wer bei dem Gedanken an „Devil’s Dance Floor“ kein Kribbeln im ganzen Körper verspürt, war nie wirklich auf einem Festival, oder?



Und weil Festivals ohne Rock’n’Roll nur halb so viel Spaß macht, retten uns Bands wie Parkway Drive, Enter Shikari, Zebrahead und IDLES vor einer perfekt-sitzenden Frisur. Headbanging, Circle Pits und Pommesgabel-Hände an die Front!

Es könnte noch ewig so weitergehen und die favorisierten Acts reichen jetzt schon für mindestens zwei Wochenenden. Die Feinabstimmung folgt in wenigen Wochen, wenn der Zeitplan erscheint, Herzen bricht und sekundengenaue Essens- Pipipausen abverlangt. Bis dahin können wir vom wilden Wust des riesigen Line-Ups träumen. Unten gibt es das noch einmal in ganzer Länge.


HURRICANE / SOUTHSIDE 2019

Foo Fighters | Mumford & Sons | Die Toten Hosen | The Cure
Macklemore | Tame Impala
Steve Aoki | AnnenMayKantereit | Parkway Drive | Interpol | Bilderbuch
Bloc Party | Papa Roach | Wolfmother | Bosse | Flogging Molly
Frank Turner & The Sleeping Souls | Enter Shikari | The Wombats | 257ers
Trettmann | The Streets | Christine And The Queens | Cigarettes After Sex
Royal Republic | Descendents | Faber | Bausa | Ufo361 | Die Orsons | Alice Merton Muff Potter | OK Kid | Sofi Tukker | Fünf Sterne Deluxe | Yung Hurn | La Dispute
Me First & The Gimme Gimmes | You Me At Six | Bear’s Den | Grossstadtgeflüster Teesy | Johnny Marr | Betontod | Zebrahead | Lauv | Die Höchste Eisenbahn
Leoniden | Pond | Alma | Flux Pavilion | Schmutzki | Montreal | Pascow | Neonschwarz Dub FX | Sam Fender | IDLES | White Denim | The Gardener & The Tree | Enno Bunger Skinny Lister | SYML | Moguai | SWMRS | Gurr | Danger Dan | Sookee | Ten Tonnes Alex Mofa Gang | The Toten Crackhuren Im Kofferraum | Black Honey
Rosborough | Steiner & Madlaina | Blond | The Dirty Nil
The Sherlocks | Lion | Mischa


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Alexander Schliephake