Ein Konzerterlebnis der etwas anderen Art boten die isländischen Metaller Sólstafir am vergangenen Donnerstag in der ausverkauften Christuskirche in Bochum. Im Rahmen der „The Midnight Sun: a Light in the Storm“ Tour präsentieren die Nordmänner aktuell ein Set, welches eine ausgereiftere, seichtere Nuance ihres Schaffens beleuchten soll. So war es also auch nicht überraschend, dass sich die Truppe um Sänger / Gitarrist Aðalbjörn Tryggvason mit einem Steicherquartett verstärkt hat. Und unter diese Vorzeichen war auch der Ort des Geschehens, die Christuskirche in Bochum, nicht die schlechteste Wahl.


Ein Artikel von André Wilms – Einen Support Act gab es nicht – pünktlich um 20 Uhr ging es direkt mit Sólstafir samt Streicherquartett los. Die Isländer eröffneten ihr zweiteiliges Set mit ‚Náttmál‘, einem Longtrack aus dem „Ótta“ Album, der es live auf knapp 13 Minuten Spielzeit brachte. Schwere Kost also, die dem aufmerksamen Publikum in der natürlich bestuhlten Kirche nur selten Gelegenheit bot, Applaus zu spenden. Es sollte so auch weitergehen. Mit ‚Ótta‘ vom gleichnamigen Album schloss sich direktamente ein weiterer Zehnminüter an. So rockten sich die Isländer geradezu andächtig durch die erste Hälfte des Sets, das Publikum genoss derweil die düstere, stimmungsvolle Darbietung und zollte, wenn sich die Gelegenheit ergab, Applaus. Interaktion zwischen Band und Publikum fand bis hierhin kaum statt.

Nach einer Dreiviertelstunde kündigte Frontmann Aðalbjörn Tryggvason eine Pause an, die nach knapp 15 Minuten vom Streicherquartett beendet wurde. So performten die vier jungen Damen ein Instrumental, heimsten den verdienten Zuspruch der Fans ein und empfingen die Band zurück auf die Bühne.

Der zweite Teil des Abends sollte etwas „luftiger“ werden. Musikalisch wurde es lebhafter, auch wandte sich Aðalbjörn Tryggvason nun mehrfach Richtung Publikum und hob damit das Konzerterlebnis auf eine höhere Stufe, sorgte hin und wieder für Lacher, aber auch den einen oder anderen nachdenklichen Moment. So bemerkte er irgendwann, dass es für die Band schon komisch wäre, in einer Kirche aufzutreten, weil .. naja, Kirche halt. Sólstafir widmen sich in ihren Texten öfter dem Tod. Und schon sprach er von einem „schönen, jungen Mann“, der sich vor mehr als 10 Jahren in Reykjavik das Leben nahm. Der an Depressionen litt und aus Scham mit niemanden darüber sprechen konnte. Wie unfassbar schlimm das für diesen Mann gewesen sein muss, sich niemanden gegenüber öffnen zu können. Wie schlimm das ist, wenn man an Depressionen leidet und sich jemandem anvertrauen kann, aber wieviel schlimmer es sein muss, dies eben nicht zu können. Und dann kündigte er mit ‚Necrologue‘ ein Song an, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt.

Eine Zugabe im klassischen Sinne gab es nicht. Vielmehr fragte Aðalbjörn Tryggvason das Publikum, ob sie den wirklich nach hinten in den Backstage-Bereich müssten oder nicht einfach noch ein bis zwei Songs als Zugabe dran hängen können. Letzteres wurde dankend angenommen und so hängten die Isländer tatsächlich noch zwei Songs dran und beendeten schließlich mit ‚Goddess of the Ages‘ ihr Set nach knapp zwei Stunden Spielzeit und ließen ein glückliches Publikum zurück.


Foto: André Wilms