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Eine Lawine von Emotionen und Kraftklängen: „Avalanche“ von Tusks

Eine Lawine von Emotionen und Kraftklängen: „Avalanche“ von Tusks

Eine gewisse Schwere, die sich in Leichtigkeit immer wieder erhellt und dabei in Worte verpackt ist, die zum Nachdenken, Nachempfinden und auch einen gewissen ironischen Touch mit sich trägt. Tusks meldet sich mit ihrem neuen Album „Avalanche“ via One Little Indian / Indigo zurück und dieses obwohl es länger nicht so aussah, als ob sie jemals wieder vernünftig ihre Gitarre spielen könnte.


Ein Artikel von Nina Paul – Was geschah im Voraus? 2017 erschien mit „Dissolve“ ihr Debütalbum, folgend nach den EPs „Snow“ (2012), „Ink“ (2014) und „False“ (2016). Erfoglreiche Konzerte quer über den Globus folgten und dann folgte 2018 ein Unfall, wo sie sich den Ellenbogen brach und sich mit der Situation, nie wieder ihre Gitarre spielen zu können, befassen musste.

Emily Underhill ist aber niemand, der so schnell aufgibt. So hat die Britin tatsächlich 12 Monate und 2 Operationen später es vollbracht, ihr neues Album „Avalanche“ fertig zu stellen.

Man findet 10 Tracks auf diesem wieder, die thematisch schwerer als die Vorgängersongs sind. Es geht es um Sexismus, Gesundheit und die Problematiken der Selbsterkenntnis und dem Nicht-Aufgeben im Leben. Aber auch die visuellen Inspirationen, die sie auf Island und auf Tour mit Ásgeir sammeln konnte, hatten eine großen Einfluß auf die einzelnen Stücke von „Avalanche“. Visuell erkennt man dies direkt an der Wahl des Albumcovers,den Video-Umsetzungen der Vorabveröffentlichungen mit den prägnanten Wasserfällen und deren Fließverhalten.

Mit „Demon“ gibt es so den direkten Kaltstart in die Thematik von „Avalanche“. Gitarre zum Anfang und dann der aufkommende dunkle und melancholische Gesang, der sich immer mehr sphärisch und verträumt entwickelt.

Die ersten Vorabtöne gab es schon mit den sehr eindrucksvollen „Peachy Keen“, „Be Mine“ und „Foreigner“. Sich dem Thema des Upskirting im britischen Parlament und den männlichen Machtspielen in manchen Positionen ironisch bedienend, erkennt man schon hier, das Tusks über viele Dinge im Leben reflektiert, nichts auf sich einfach so sitzen lässt und so ihre passende Antwort dazu findet.

In seiner Ausgeklügelheit was spezielles, spiegelt „Delusion“ den eher bekannten Sound der Britin wieder.

… Show me I´m alive …

 
So fragil und doch so stark, im Tempo und in der Stimmung im stetigen Wechsel, „Mind“. Zu einem der stärksten Songs sich entwickelt, erkennt man den Gedankenverlauf in all seinen Facetten von Emily Underhill wieder. Der Titelgeber des Album „Avalanche“ präsentiert sich durchaus wie ein lawinenartiges Soundgebilde über einen. Gestartet als eine „reine“ Aufnahme, die wie auf einem Band aufgenommen wirkt, knallt der Track zum Ende mit Gitarre und seiner Energie auf einen ein und durchdringt somit in seiner ganzen Kraft den Hörer. Sieht man sich im Angesicht einer Beziehung mit den positiven und negativen Elementen, da erkennt man sich bei „BTW“ und „Salt“ wieder. Sei es um das das nahende Ende dieser und dem Wissen, aber nicht dem Einsehen darum.

See Also

… I don´t think that I am ready for …

 
Oder eben dem Ende, was kein Ende ist und der schönen Textzeile: „… Does it end with you? …“

Mit ihrem Mix aus Indie-Klängen, dem Hauch von Electronica und eben positiven Texte, die aus „negativen“ Elementen enstanden sind, hat Tusks ein Album kreiert, was einen mit seinen Worten und Soundspielen einnimmt. Eine gewisse Melancholie mitschwingend, zieht die Londonerin einen in ihre Sphären und findet dabei immer den richtigen Ton, um einen mit hoffnungsvollen Gefühlen zu entlassen. Um es passend zu ihrer Frage bei „Salt“ zu antworten: „Does it end with you?“ Nein, für Emily Underhill alias Tusks fängt es jetzt erst recht richtig an!


17.9. Berlin – Lido (supporting Algiers)
18.9. Frankfurt – Zoom (supporting Algeirs)
19-21.9. Hamburg – Reeperbahn Festival


Foto: Toby Harvard

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