Es war längere Zeit still um die einstigen Gewinner des hoch angesehenen New Music Awards. Nach zwei Alben in den Jahren 2012 und 2015 verschwanden Exclusive erst einmal von der Bildfläche – bis jetzt. Album Nummer 3 heißt „Lieder für die Autobahn“ und könnte der zweite Frühling sowie der wirklich große Durchbruch der Münchener Sandkastenfreunde werden. Wo geht die Reise also hin?

Ein Artikel von Anna Fliege – Nein, hier geht es nicht um ein Tribut oder gar ein Konzeptalbum, um dem 1974er Kraftwerk-Evergreen „Autobahn“ Respekt zu zollen. Und das, obwohl man mit ganz viel Phantasie die beiden Cover sogar übereinanderlegen und, wolle man es drauf ankommen lassen, die unkonventionellen, wilden Ideen der Bands mit einander vergleichen könnte. Aber raus aus den Siebzigern, rein in das Hier und Jetzt.

Lieder für die Autobahn“ bereitet uns mit seinen 19 Tracks auf eine längere Fahrt vor. Davon sind zwar vier Titel Interludes (die den „ich sitze im Auto„-Gedanken wundervoll untermalen), wonach wir aber immer noch bei stolzen 15 Tracks wären. Sollten wir also in einen Stau geraten, sind wir musikalisch zumindest gut versorgt.

Zur Feier des Tages musste ich noch einmal in ihr Debüt „Nachtmensch“ reinhören, das mich damals nach der Veröffentlichung treu in meiner Abiturzeit begleitete. Lieder wie „Sprung Ins Blau“ und „Nachtmensch“ selbst sind auch heute noch richtig gute Songs, zu denen man tanzen kann.

Musikalisch hat sich nicht unbedingt etwas krass verändert – nur extrem weiterentwickelt. Frontmann Fabians Stimme ist tiefer, reifer und auch ein bisschen wütender als früher. Die Stimmung ist gedämpfter, die Beats elektronischer. Dabei gehen sie einfach ins Ohr und verweilen dort, gerade Vorveröffentlichungen wie „Ozeanblau“ und die Anti-Influencer-Hymne „Fiebertraum„. Oder eben direkt ins Herz, das Gitarren-lastige „Oslo“ kann das zum Beispiel ziemlich gut.



Exclusive waren schon mit ihrem Debütalbum „Nachtmensch“ vor sieben Jahren zu viel Punk für den Indie-Pop und zu Indie für die Punkszene. Ihrem Hybrid-Dasein sind sie glücklicherweise treu geblieben, statt sich für eine Seite zu entscheiden. „Wo ist der Punk?“ fragen sich die Münchener zum Ende ihres wirklich langen, aber ebenso guten dritten Album. „Genau hier“ würde ich prompt antworten.

Seit 2013 hat sich viel in der Musikszene getan. Bands wie Bilderbuch und Kraftklub reformierten die Liebe zur deutschen Sprache, unterschiedliche Genres umgarnten sich ohne Scheu, Grenzen lösten sich innerhalb der Szene in Luft auf. Fast ein bisschen verrückt, wie gut Exclusive heute, einige Jahre nach ihrem ersten Auftreten auf der Bildfläche, perfekt in die neue deutsche Musikszene passen. Und so klingt „Lieder für die Autobahn“ im Jahr 2019 nicht nach einem übermütigen Experiment, sondern nach all dem, wonach wir uns sehnen: Kreativität, Musterbrüche und eine selbstbewusste Portion Eigensinnigkeit.

Wenn jetzt nicht genau die richtige Zeit ist, die Bandkarriere noch einmal richtig krass ins Rollen zu bringen, weiß ich auch nicht mehr weiter. Hoffen wir, dass „Lieder für die Autobahn“ für Exclusive zum Anlass wird, bald jede Menge Lieder für die Autobahn zu brauchen, wenn sie quer durch die Bundesrepublik touren. Volle Fahrt voraus!



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Marco Fumolo