Wer bei James Bay noch an den eher unscheinbaren Briten denkt, der 2015 mit seinem Hit „Hold Back The River“ nicht nur alle Charts, sondern auch Herzen erstürmte, der würde ihn jetzt kaum noch wiedererkennen. Im Rahmen seines vor kurzem erschienenen Albums Electic Light ist der Singer-Songwriter einem enormen Imagewechsel untergangen.

Nicht nur seine Erkennungsmerkmale, die langen Haare und Fedora wurden zurückgelassen, sondern auch sein zuvor eher folkpoppiger Sound. James Bay hat sich neu erfunden, sein vor neues Album ist reifer, irgendwie schon fast sexy und gefüllt mit Refrains, die im Ohr bleiben. Im Rahmen der Tour des neuen Albums machte der Sänger auch in der Hauptstadt Halt, wo die Show bereits lange ausverkauft war. Es war das letzte Konzert der aktuellen Europa-Tour.

In den Abend startete es mit Support Lily Moore, der jungen Frau mit der großen Stimme. Es war ihre zweite Show in Huxley’s Neuer Welt innerhalb kurzer Zeit, in der sie vor knapp 3 Monaten erst für Vance Joy die Show eröffnete. Zwischenzeitlich supportete sie auch noch George Ezra, sie scheint also sehr gefragt zu sein. Und das mehr als zurecht. Mit ihren gerade Mal 19 Jahren hat Lily Moore eine enorm kraftvolle Stimme, die an Amy Winehouse erinnert. Die Sängerin scheint vielleicht hierzulande noch ein Geheimtipp zu sein, aber sicher nicht mehr lange.

Um ca. 10 nach 9 erklang sodann ein relativ langes Intro, welches James Bays Setbeginn vermuten ließ. Die Spannung unter den Fans, die teilweise den ganzen Tag anstanden, um einen guten Platz zu bekommen, stieg. Endlich war es soweit und die ersten Töne von „Wasted On Each Other“ erklangen. Direkt darauf folgte die Single „Pink Lemonade“.

Generell war die Setlist eine wirklich gute Mischung aus dem alten Album Chaos And The Calm und der neuen Platte, so dass alle gut auf ihre Kosten kamen. Gut gemischt war auch das Publikum, fast jede Altersklasse war vertreten.

Die Venue heizte sich während des Konzerts gut auf, weshalb eine kurze Verschnaufspause vor dem letzten Drittel des Sets durch ein Interlude und einen Shirtwechsel des Künstlers von wahrscheinlich jedem mehr als willkommen war. James Bay stellte an dem Abend, der gefühlt wie im Flug verging, nicht nur seine sängerischen Talente unter Beweis, sondern überzeugte auch mit seinen extrem guten Gitarrenfähigkeiten, die vor allem bei Songs wie „Best Fake Smile“ zur Geltung kamen.

Wer James Bay das letzte Mal in seiner Chaos And The Calm Ära live gesehen hat, sollte sich den Engländer unbedingt noch einmal live ansehen, denn in der Zwischenzeit hat sich viel verändert.



Autorin und Foto: Theresa Liebl