Hört man sich Musik von Tom Misch an, denkt man sich: «Wie talentiert kann ein Mensch eigentlich sein?». Das neue Album «What Kinda Music», welches der Multiinstrumentalist gemeinsam mit Yussef Dayes produziert hat, ist da keine Ausnahme. Was Tom Misch anfasst, wird zu Gold.  Vielleicht nicht wortwörtlich, aber die musikalischen Kollaborationen des jungen Südlondoners, der seit einigen Jahren die Musikszene neu aufmischt, sprechen für sich: Michael Kiwanuka, FKJ, Zak Abel, HONNE und nun: der Drummer Yussef Dayes. Jede Zusammenkunft ist eine neue Bereicherung für Musikliebhaber, jedes Mal werden Genres neu durchmischt. Was bietet nun das neue Album der beiden Londoner, welches am 24. April 2020 seine Veröffentlichung feiert? The Mellow Music hat reingehört.


Ein Artikel von Sara Städler – Schon vorab ist zu sagen: Man könnte die Lieder zwar einzeln analysieren – doch es ergibt definitiv mehr Sinn, das Album als Ganzes anzuhören und die experimentelle Reise, auf die uns Tom Misch und Yussef Dayes dabei schicken, zu genießen.

Es gibt jedoch auch Lieder, die beim Durchhören von «What Kinda Music» besonders herausstechen und folgend hervorgehoben werden: Der Opener und titelgebende Track What Kinda Music geht gleich ins Ohr – ein catchy Drumbeat, instrumentale Modern Jazz-Arrangements und fast schon mantra-artige Loops. Mehr braucht es für die beiden Briten nicht, um einen Hit zu produzieren. Die erste Singleauskopplung des gemeinsamen Albums verspricht viel – und die beiden Musiker können das Versprechen mit ihrem Album definitiv halten.

Festival folgt gleich auf den Opener und ist für mich persönlich eines der Highlights auf der Platte. Das sanfte Saxofon, das sich repetitiv durch das Lied schlängelt, der dazu passende Gesang von Misch und die rhythmische Untermalung durch Dayes verleihen dem Track etwas Träumerisches. Festival ist ein Lied, das ununterbrochen im Loop laufen kann und dabei trotzdem überhaupt nicht langweilig wird.

Für den Lo-Fi-angehauchten Song Nightrider holten sich die beiden den US-Rapper Freddie Gibbs mit ins Boot. Herausgekommen ist dabei ein Track, der genauso den Titel «smooth» verdient hätte. Überzeugt euch selbst davon:



Das Album ist offensichtlich durch Elemente des Modern Jazz inspiriert. Umso mehr überrascht Julie Mangos in der ersten Hälfte mit der Bassline und Drumrhythmus von Dayes, die eher an Funk-Stücke erinnern. Obwohl er sich musikalisch eher von den anderen Tracks auf What Kinda Music abhebt, hört man, wie die Essenz des Albums, das Zusammenspiel des linearen Stils von Misch und des eher freieren Flows von Dayes, auch in diesem Stück auflebt. Doch nicht nur Julie Mangos, sondern auch I Did It For You spielt mit Funk-Elementen – was vor allem der präsenten Bassline, die stark an Funksongs erinnert, zu verdanken ist.

Die beiden Musiker kennen sich bereits seit ihrer Kindheit. Doch erst bei der Launch-Party für Mischs LP «Geography» im Jahr 2018 funkte es kreativ zwischen den beiden. Auf die Art und Weise, wie Misch und Dayes sich gegenseitig in den Himmel loben und wie diese Fusion sich anhört, könnte man schon fast behaupten: «This album is already a better love story than Twilight

Man spürt beim Hören die Freude und Hingabe, welche die beiden Musiker in die Produktion der Platte gesteckt haben. Um es kurz zu sagen: What Kinda Music ist eine Synergie zweier Ausnahmetalente, die einen neuen Maßstab für verschiedene Genres setzt.

Heißer Tipp: Am Freitag, 24.4. (21 Uhr), geht die Doku zur Entstehung von What Kinda Music auf Youtube live!



Autorin: Sara Städler / Photocredit: Joshua Osborne