Was passiert wenn man Frank Turner die Möglichkeit gibt seine zwei größten Leidenschaften zu verbinden? Genau, er schreibt ein komplettes Album, dass seine Liebe zur Geschichte und dem Songwriting bezeugt. Dabei rausgekommen ist No Man’s Land, ein Album, dass die Geschichten von 13 verschiedenen Frauen aus verschiedenen geographischen und historischen Kontexten erzählt.


Ein Artikel von Caroline Czarnecki – Aber dabei bleibt es nicht: Frank Turner lässt für dieses Album seine Band “The Sleeping Souls” hinter sich und arbeitete ausschließlich mit weiblichen Musikerinnen zusammen. Zudem überlies er die Produktion von No Man’s Land Catherine Marks, die 2018 zur Produzentin des Jahres gekürt worden ist. Tatsächlich ein No Man’s Land, wenn man Turner außen vor lässt.

13 Frauen mit einzigartigen Geschichten – 13 Songs die unterschiedlicher nicht sein könnten. Genau wie beim Vorgänger Be More Kind kann es Turner nicht lassen und baut neue, musikalische Elemente ein. Mal hier ein Piano, dort ein Chor und auch mal mehr Jazz lassen sich auf dieser Platte blicken. Dennoch bleibt der grundlegende Ton Franks Folkrock, der immer wieder durch seine akustische Gitarre betont wird. Generell ist das Album ruhiger, es hat kaum schnelle, rockige Songs, dafür umso mehr akustisches, minimalistisches. Großes Tamtam brauchen die Songs aber auch nicht, schließlich geht es hier hauptsächlich um die Frauen und ihre Geschichten.


Du kannst nicht nicht einen Song über eine Frau schreiben, die gestorben ist, ohne je geküsst worden zu sein – und deren Gesicht dann das meist geküsste Gesicht der Geschichte wurde,” – Frank Turner über „Rescue Annie“


So erzählt Turner zum Beispiel über im Song „Rescue Annie“ über eine Reanimationspuppe deren Gesicht von einer verstorbenen Frau nachgeahmt worden ist. Die eigentliche Annie wurde nie geküsst, Rescue Annie aber umso mehr. Seine erste Single Auskopplung “Sister Rosetta” erzählt über Rosetta Tharpes, deren eigene Gitarrenparts auch in Turners Song zu hören sind und in “Nica” lernen wir eine komplett neue, jazzige Seite von Turner kennen. Frank versteht es Songs zu schreiben, aber genauso versteht er es die Stories der 13 Frauen zu erzählen. Dennoch gibt es auch Songs wie „Eye Of The Day“ die durchaus weniger überzeugen.



Mit seinem Konzept trifft Turner den Nerv der Zeit, dennoch möchte er trotz des implizierten Feminismus kein politischer Volksredner sein. Seine Entscheidung ein Album nur über Frauen zu schreiben, begründete er mit der Erklärung, dass bisher noch keine Songs über sie geschrieben worden wären. Wäre dies der Fall, hätte er es nicht tun müssen.

So verlieh Frank Turner ihnen alle eine Stimme. Zusätzlich zu jedem Song erscheint ein Podcast, von Frank aufgenommen, die als eine Art klangliche Interpretationshilfe funktionieren. Diese werden an Orten aufgenommen die wichtig für die Frauen über die geredet wird waren, immer mit dabei Historiker bzw Experten. Die Entscheidung mit Frauen zu arbeiteten hat dennoch nichts mit ihrem Geschlecht zu tun, Turner möchte Marks und weiblichen Musikerinnen die Chance geben ihre Arbeit zu präsentieren und auch Vorbilder für weiblichen Nachwuchs in der Musikbranche aufzuzeigen.

Im Ganzen ist das No Man’s Land ein solides Album, jedoch hat es schon wie der Vorgänger Be More Kind auch seine schwächeren Seiten. Turner probiert sich aus und das ist auch gut so – allerdings kann es für seine langjährigen Fans eventuell schwer sein, sich mit diesen neuen Facetten anzufreunden. Einige Songs gelingen ihm mehr, andere eher weniger. Dennoch ist die Thematik von No Man’s Land mehr als interessant und man bekommt beim Hören das Gefühl mehr von diesem Album mitzunehmen, schon allein ein Wissen um diese Geschichten der Frauen. Bleibt abzuwarten was Frank Turner als nächstes aus seinem musikalischen Zauberhut hervorbringt – mit No Man’s Land lässt der Brite 13 Frauen zu Wort kommen und erzählt gekonnt ihre Geschichten.



Autorin: Caroline Czarnecki / Photocredit: Ben Morse