„Alte Liebe rostet nicht“, sagt ein deutsches Sprichwort. Das bedeutet so viel wie: „Lang gelebte Gefühle bleiben bestehen“. Dass dies nicht nur auf Lebensabschnittspartner oder der ersten großen Liebe zutrifft, wollen Fettes Brot mit ihrem neusten Album „Lovestory“ belegen. 

Ein Artikel von Anna Fliege – Die Hamburger Hip-Hop-Formation Fettes Brot gibt es ziemlich genau so lange wie mich. Kein Wunder also , dass Doktor Renz, Björn Beton und König Boris die Helden meiner Kindheit waren und mich schon im Kindergarten-Alter zum deutschen Sprechgesang bekehrten. Man könnte mich noch heute mitten in der Nacht aufwecken und ich würde fehlerfrei Lieder wie „Jein“ und „An Tagen wie diesen“ runterrappen können.

Nun, ich könnte mich ewig in Nostalgie verheddern. Seitdem ist viel passiert, „Lovestory“ ist bereits das neunte Album der Band. Und wie der Titel es schon verraten mag, ist das große Oberthema, das Konzept des Albums: Liebe. In allen Formen und Farben, allen Facetten. Hier kommt jede Liebe mal zum Zug. Und weil man immer beim kleinsten Nenner beginnt, beginnt „Lovestory“ mit der Liebe zu sich selbst.



Später machen sie sich zum Frosch („Wetterfrau„), verlieben sich lieber in „Deine Mutter“ und lassen den Hörer ratlos mit dem Song „Geile Biester“ zurück. Da geht es irgendwie um Hunde, aber man weiß nicht so recht, was man damit anfangen soll. Aber für solchen Unsinn sind Fettes Brot schließlich schon immer bekannt gewesen, nicht? Da erübrigt sich auch die Frage, ob die drei Herren „altersgerecht gereift“ wären. Ne. Aber das ist auch das Konzept der Truppe. Hier geht es um Wortspiele, die so blöd sind, dass sie wieder genial werden, um einen spielerischen Umgang mit mehr oder weniger ernsten Themen und schlichtweg ein bisschen Spaß.

Der Beat von „iKEA“ beweist zum Beispiel, dass der Doktor, der König und Herr Beton nicht die letzten Jahre in einem dunklen Keller gesessen haben – immerhin sind sie erfolgreiche Radiomoderatoren und seit neustem sogar Buchautoren. Wenn der Song beginnt, glaubt man kurz, man hätte sich im Album geirrt und wäre bei Yung Hurn gelandet. Zum Glück verzichten Fettes Brot auf Ad-Libs und bewahren sich ihre Kredibilität.

Und wem „Lovestory“ bis zu diesem Punkt zu unpolitisch war, wird sich an „Du driftest nach rechts“ erfreuen können. Ein Song, der eine so klare politische Message mit sich bringt, dass die Kommentarspalte kurz nach der Veröffentlichung von einem rechten Troll-Mob überfallen wurde. Sie können es also nicht, das Provozieren.

„Heute ist deine Welt nur noch schwarz und weiß
In deiner Facebook-Timeline Nazischeiß
Du wünscht dir wir hätten einen starken Führer
Ich wünsch mir es wäre zwischen uns wie früher“



Es ist schön, dass es Fettes Brot noch gibt. Dass sie nie so richtig weg waren und noch immer eine Meinung vertreten. Ein bisschen habe ich die Hoffnung, dass auch heute noch Menschen in ihren jungen Jahren zu dieser Band finden, sich ein Stück weit prägen und begleiten lassen. Den Sinn verstehen, aber auch lachen können. So mag „Lovestory“ nicht das Lieblingsalbum meiner Generation werden – aber vielleicht das einer anderen.


FETTES BROT live

19.10.2019 BREMEN – PIER 2
20.10.2019 DORTMUND – WARSTEINER MUSIC HALL
21.10.2019 STUTTGART – PORSCHE-ARENA
23.10.2019 CH – ZÜRICH – KOMPLEX 457
24.10.2019 ERLANGEN – HEINRICH-LADES-HALLE
25.10.2019 AT – WIEN – GASOMETER
26.10.2019 MÜNCHEN – ZENITH
28.10.2019 DRESDEN – ALTER SCHLACHTHOF
29.10.2019 WIESBADEN – SCHLACHTHOF
02.11.2019 KÖLN – PALLADIUM
03.11.2019 HANNOVER – SWISS LIFE HALL
04.11.2019 LEIPZIG HAUS AUENSEE
06.11.2019 BERLIN – COLUMBIAHALLE
07.11.2019 LINGEN – EMSLAND ARENA
08.11.2019 HAMBURG – BARCLAYCARD ARENA


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Jens Herrndorff