Now Reading
Frittenbude & „Rote Sonne“: Politik, aber auch Herzklopfen

Frittenbude & „Rote Sonne“: Politik, aber auch Herzklopfen

2019 ist also wieder eines dieser Frittenbude-Jahre. Wahrlich gut sind diese Jahre, zuletzt gab es das 2015. Das ist ja fast wie bei Olympia, nur besser! Und eins, das ist vorab Gewiss: Frittenbude waren in ihren Songs schon politisch, als wir noch im Sandkasten gespielt haben. Quasi. Zumindest fühlt es sich so an, als würde es gar kein Leben vor dem süddeutschen Dreiergespann geben. Und das ist gut so. „Rote Sonne“ wird daran nichts ändern.


Ein Artikel von Anna Fliege – Elektrobeats mit Mitsing-Parolen, die zum Nachdenken anregen und zum Tanzen zwingen. Das Rezept existiert seit 2006 und schmeckt nach wie vor, so wie Omas Streußelkuchen. Hier geht es wieder um berauschte Nächte bis zum Morgengrauen und den stechenden Kopfschmerz am nächsten Mittag. Ums Augen öffnen und Mund aufmachen. Um den Makrokosmos und den Mikrokosmos. Um Politik und Herzklopfen. Mal überschwänglich, mal mit fehlendem Mut („Alles was wir nicht tun„). Johannes und Co. treffen mit ihren Texten und Tänzen immer noch ins Schwarze. 

Alles beim Alten also, hm? Quatsch. Die Welt dreht sich weiter, auch die von Frittenbude. Die Probleme werden größer und wieder kleiner, verlagern ihre Gewichtung. Und finden sich nun mit frischen Gitarrenriffs, die auf den letzten Alben nicht so funky klangen, untermalt auf „Rote Sonne“ wieder.  

Die Platte steckt voller neuer Lieblingssongs. Manchmal identifizieren wir sie beim ersten Hören – „Brennen“ ist so einer davon. Manchmal muss man auch erst ein Wochenende mit ihnen verbringen, um sie ins Herz zu schließen. Wem Frittenbude in der jüngsten Diskografie ein bisschen zu soft geworden sind, wird „Kanister“ lieben. Breite, wummernde Beats ohne viel chi chi. Ein Song zum simulatanen Kopf und Arm vor und zurückwackeln.


„Ich brauch‘ gar nichts, ich hab‘ dich“


Wisst ihr noch, als wir damals immer ein schwarzes Shirt mit gelbem Audiolith-Print von unserem Schwarm geschenkt bekommen wollten (und das auch immer noch tun, wenn wir einmal ehrlich sind)? Schon „Bilder mit Katze“ zeigte die Begabung der Band, unkonventionelle Herzklopf-Songs zu basteln. „Emma“ ist wieder so einer. Zart irgendwie, immer kurz davor, in tausend Teile zu zerbrechen und doch konstant.

Und wo wir gerade inmitten der Nostalgie feststecken – einen kleinen Band-Rückblick auf die vergangenen 13 Jahre liefert das Album in Form von Bonustrack „Filmriss 2000„.

Frittenbude waren, sind und bleiben eine besondere, in ihrer Art einzigartige Band, auf die man niemals verzichten mag, wenn man sie erst einmal lieben gelernt hat. Eine Gruppe, die sich nie haben beirren lassen noch Trends und Prognosen und einfach ihr Ding durchgezogen haben und dies auch weiterhin tun. Das Audiolith-Zugpferd bleibt auch 2019 verdammt wichtig, verdammt großartig und verdammt interressant. Verdammt!

See Also



FRITTENBUDE live

15.03.2019 Hannover, Faust
16.03.2019 Hamburg, Uebel & Gefährlich
21.03.2019 Wien, Flex
22.03.2019 Salzburg, Rockhouse
23.03.2019 Graz, PPC
28.03.2019 Dresden, Scheune
30.03.2019 Berlin, Festsaal Kreuzberg
04.04.2019 Jena, Kassablanca
05.04.2019 Leipzig, Täubchenthal
06.04.2019 Wiesbaden, Schlachthof
11.04.2019 Münster, Gleis 22
12.04.2019 Essen, Hotel Shanghai
13.04.2019 Köln, Luxor
25.04.2019 Nürnberg, Z-Bau
26.04.2019 Stuttgart, Im Wizemann
27.04.2019 München, Muffathalle


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Bastian Bochinski

Scroll To Top